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Selbst mahlen in der Schlossmühle

© Thorsten Eckert

Zum Mühlentag am Pfingstmontag ist die historische Wassermühle in Radeberg geöffnet. Halbstündlich gibt es Führungen.

Von Thomas Drendel

Radeberg. Es soll ja Menschen geben, die nur wegen des Kuchens in die Schlossmühle kommen. Am Pfingstmontag wird das wieder der Fall sein. Dann öffnen Reinhard und Christian Sonntag ihre Mühle und bieten ihren leckeren selbst gebackenen Kuchen an. „Diesmal haben wir auch das Mehl selber gemahlen. Das war in den Jahren zuvor aus technischen Gründen nicht möglich“, sagt Reinhard Sonntag. Um 10 Uhr geht es los. Bis 17 Uhr werden die Leckereien serviert, natürlich nur solange der Vorrat reicht.

Das ist freilich nicht alles, was zum Mühlentag an der Schlossmühle geboten wird. „Wir laden alle halben Stunden zu kostenlosen Führungen ein. Bei laufendem Mahlwerk zeigen wir den Besuchern alles vom Keller bis zum Dach“, erklärt der Müller. Und zu entdecken gibt es einiges. Schließlich wurde die Radeberger Schlossmühle 1445 erstmals erwähnt. Sie ist damit Radebergs älteste Mühle. Bis 1996 immerhin war sie tagtäglich in Betrieb. Die Brüder Reinhard und Christian Sonntag erzählen dann auch von den dramatischen Geschichten, die sich dort abgespielt haben. Pfingsten 1481 kämpften die Schlossmüller mit Hochwasser. 1509 bedrohte eine große Trockenheit die Existenz. 1543 schrieben die Chronisten von bitterem Frost, der alles vereiste. 1687 brannte die Mühle in einer Feuersbrunst nieder. Schwere Unwetter gehörten zu den Begleitern der Schlossmühle. Die Besonderheit in diesem Jahr: Bei den Führungen können Besucher selbst Getreide aufschütten. „Sie können dann die ersten Schrotungen direkt verfolgen. Das war in den vergangenen Jahren nicht möglich, da die technischen Voraussetzungen fehlten.“

Reinhard Sonntag rechnet an diesem Pfingstmontag mit einem großen Andrang. „In den vergangenen Jahren kamen rund 1200 Besucher. Davon konnten wir maximal 500 durch die Mühle führen“, sagt er. Damit niemand zu lange auf einen freien Platz bei den Führungen warten muss, werden die Brüder wieder Reservierungskärtchen ausgeben. „Sie berechtigen zur Teilnahme an einer Führung zur gewünschten Zeit. Außerdem kann man mit den Kärtchen zum halben Eintrittspreis das Schloss Klippenstein besuchen“, sagt Reinhard Sonntag und fügt schmunzelnd an: Aber auch hier gilt „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“