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Selbstbedienung im Installationsbetrieb

Ein Handwerker stahl über Jahre Material und Werkzeug. Er wollte eine eigene Firma aufmachen. Nun stand er vor Gericht.

Von Alexander Schneider

Die schicken Visitenkarten waren schon gedruckt, der weiße VW-Transporter als neuer Firmenwagen schon mit den neuen Pinguin-Logos beklebt – doch dann rückte die Polizei zur Razzia an und beendete das angehende Unternehmertum von zwei angestellten Gas-, Wasser- und Sanitärinstallateuren. Der schlimme Verdacht: Die beiden Männer hatten sich das Fundament ihrer geplanten Firma in jahrelanger Kleinarbeit bei ihrem aktuellen Arbeitgeber zusammengestohlen.

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Schon über Jahre angehäuft

Zwei Jahre nach der Razzia in Kreischa stand nun ein 52-jähriger Installateur vor dem Amtsgericht Dresden. Die Früchte der Razzia fanden sich auch in der umfangreichen Anklage der Staatsanwaltschaft wieder: Dübel und Schrauben, Ventile und Rohre, Bohrer und Sägen, Elektroboiler und Dichtungen, Klebebänder und Kabeltrommeln, Isoliermaterial und Heizkörper-Thermostate, Pressmaschinen und Heizkreisverteiler, Ausgüsse, Waschtische und ein ganzes Urinal – Werkzeug und Material im Gesamtwert von immerhin mehr als 24.000 Euro. Die Polizeibeamten hatten die sichergestellte Beute in drei Transporter verladen müssen. Alles hatte mit einer vermissten Pressmaschine angefangen, die Gottfried R. (59), früherer Chef des geschädigten Dresdner Installationsbetriebs, zufällig im Auto des Angeklagten entdeckt hatte. Die Maschine war schon einige Zeit vermisst worden. Um den Dieb zu überführen, rückte die Polizei zur Durchsuchung an – und fand auch das ganze andere Material. „Es wurde über Jahre angehäuft“, sagte Ingenieur R. als Zeuge. „Wir haben erschreckende Erkenntnisse sammeln müssen“, sagte er, zumal der Angeklagte als Vorarbeiter einen guten Ruf in der Firma hatte und das Vertrauen seiner Vorgesetzten genoss.

Der Angeklagte sagte, er habe lediglich überschüssiges Material von seinen Baustellen mitgenommen, weil er Lohnabzüge aufgrund eines zu hohen Materialverbrauchs fürchtete. Maschinen und Werkzeuge habe er gehabt, weil auf den Baustellen des Betriebs ständig zu wenig davon verfügbar gewesen sei. Sein Verteidiger forderte einen Freispruch.

Die Staatsanwältin wertete die Angaben des angeklagten Handwerkers als Schutzbehauptung, die nicht plausibel seien: „Sie wollten das selber verwenden, das liegt auf der Hand“, sagte sie. Die vorliegenden Visitenkarten würden das Bild abrunden.

„Im Grunde haben Sie ja auch ein Geständnis abgelegt“, sagte Richter Thomas Hassel zu dem bislang nicht vorbestraften Angeklagten und verurteilte den 52-Jährigen wegen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten, die er zur Bewährung aussetzte.