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Selbstfindung in der Mückenschänke

Sachsens Linken-Chefin Antje Feiks will zurück zur Basisarbeit – und die Partei wieder näher bei den Bürgern verorten.

© Klaus-Dieter Brühl

Von Manfred Müller

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Großenhain. Es wirkte ein bisschen wie eine Therapiestunde, als Linkspartei-Vorsitzende Antje Feiks ihren Vortrag beendet hatte. „Wir beschäftigen uns zu viel mit uns selbst“, sagte sie am Montagabend bei einem Besuch in Großenhain. Und: „Wir haben den Mut verloren, Visionen zu formulieren.“ Die 39-jährige Dresdnerin war im November in einer Kampfabstimmung an die Spitze der sächsischen Linken gewählt worden und will der Partei bis hinunter zur Basis frischen Wind einhauchen. Deshalb trat Feiks beim neu ins Leben gerufenen Großenhainer „Linkstreff“ auf, der in der Mückenschänke am Stadtpark einberufen wurden.

Etwa 25 Mitglieder und Sympathisanten hatten sich eingefunden, um mit der engagierten und energischen neuen Chefin zu diskutieren. Der hohe Altersdurchschnitt wies aber auch gleich auf ein Dilemma der Linken hin. Sie gewinnt zwar durchaus junge Mitglieder hinzu, das aber eher in den Großstädten. Im ländlichen Raum muss sie sich meist auf Aktive jenseits der 60 stützen, und die haben bei allen Verdiensten oft nicht mehr die Kraft, anstrengende Kampagnen durchzustehen. Und manche von ihnen verstehen auch nicht mehr, was das Parteiprominenten-Duo Wagenknecht/Lafontaine in der großen Politik so treibt.

Darauf zielte wohl auch Antje Feiks` Mahnung ab, sich lieber mit den Problemen der Bürger als mit parteiinternen Querelen zu beschäftigen. Eine breite Sammlungsbewegung der Linken, wie von Wagenknecht gefordert, lehnt Sachsens neue Parteichefin ab. Solche Bündnisse seien meist nur auf eine Person an der Spitze abgestellt; den beteiligten Parteien drohe Profilverlust. Stattdessen: Rein in Gasthöfe, sich stärker erden! Das Kümmern neu erfinden. Die Linken plapperten immer nur raus, dass es gut sei, Geflüchteten zu helfen, ohne zu fragen, warum genau viele Leute das nicht gut finden. Dabei seien die meisten davon doch durchaus für Argumente empfänglich.

Antje Feiks ist gebürtige Riesaerin, begann als Kind mit dem Eiskunstlaufen und besuchte die Dresdner Kinder- und Jugendsportschule. Nach einem Betriebswirtschafts-Studium arbeitete sie in der Reisebranche. Über ihr soziales Engagement beim Jugendverein Roter Baum kam sie mit der Linken in Berührung und begann ihre politische Laufbahn in der Dresdner Landesgeschäftsstelle. Von 2009 bis 2017 war Antje Feiks Landesgeschäftsführerin der Partei und rückte voriges Jahr in den Landtag nach. 2015 trat sie bei der Landratswahl im Erzgebirgskreis an und gewann 17 Prozent der Stimmen. Seit vier Monaten ist sie nun Landesvorsitzende.

Die redegewandte Parteichefin rannte an der Großenhainer Basis mit vielen ihrer Thesen offene Türen ein. Näher an den Problemen der Bürger dran sein? Na klar, schließlich erhöht die Kreissparkasse gerade die Kontoführungsgebühren, und der CDU-dominierte Kreistag genehmigte in Meißen einen Verwaltungspalast, durch den Großenhain viele Ämter verliert und sich abgehängt fühlt. Wie man sich die Probleme der Menschen im ländlichen Raum zu Eigen macht, zeigt eine Initiative der Großenhainer Linken-Kreistagsabgeordneten Marianne Gerbert. Sie hat eine Sammelpetition zur Erhöhung der Landeszuschüsse für Kindereinrichtungen initiiert. Deren Ziel ist es, die Landesregierung aufzufordern, mit der nächsten Haushaltsplanung die Zuschüsse für Kindertageseinrichtungen zu erhöhen. Der Freistaat hatte sich vor zwei Jahren aus der Ein-Drittel-Kitafinanzierung zurückgezogen und gewährt den Einrichtungen derzeit nur einen Festbetrag. Die Erhöhung der Löhne für die Erzieherinnen und die steigenden Betriebskosten müssen die Kommunen jetzt allein tragen, oder sie erhöhen die Elternbeiträge. Außerdem fordert die Linke, beim Erzieherinnen-Betreuungsschlüssel nachzubessern. Die reale Stärke einer Kindergartengruppe liege bei 16 statt der festgelegten zwölf, weil mit dem derzeitigen Schlüssel Ausfälle durch Krankheit und Urlaub nicht kompensiert werden können.