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Selbsthilfe für Schrauber

Maik Schotte liebt Oldtimer und restauriert sie selbst. Jetzt eröffnete er in Schmiedeberg eine Mietwerkstatt.

© Egbert Kamprath

Von Franz Herz

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Schmiedeberg. Maik Schotte hat sein Hobby zum Beruf gemacht, indem er auch anderen die Möglichkeit gibt, in einer Werkstatt an ihrem Fahrzeug zu arbeiten. In Schmiedeberg in einer Halle, die früher zum VEB Ferdinand Kunert gehörte, hat er Ende Januar seine Selbsthilfewerkstatt für Autos eröffnet. Er nennt sie mit Augenzwinkern „betreutes Schrauben“.

Er will Bastlern und Autoschraubern, die selbst keine Garage oder Scheune haben, die Möglichkeit bieten, ihr Hobby zu pflegen. Bei ihm haben sie eine ordentlich ausgestattete Werkstattumgebung. Sie können für 15 Euro in der Stunde eine Hebebühne mieten und für fünf Euro das Werkzeug dazu. Aber sie müssen die Arbeit selbst erledigen. „Ich kann jemand mit Rat zur Seite stehen, mehr nicht“, sagt Schotte.

Denn er ist selbst zwar auch leidenschaftlicher Schrauber, aber kein gelernter Kfz-Mann. Der 35-Jährige wollte zwar Kfz-Mechaniker lernen, fand damals aber keine passende Lehrstelle. Darum hat er eine Lehre zum Elektroinstallateur gemacht. Jedoch haben ihn die Räder und Motoren weiter in ihren Bann gezogen.

Schotte hat selbst schon immer gerne alte Motorräder oder Autos wieder auf Vordermann gebracht. An verschiedensten Fahrzeugen hat er sich schon versucht. Er zählt auf, was er schon alles restauriert hat: Simson, IFA F8, Wartburg, Trabi, Saporoshez. Bei sich zu Hause in Dönschten hat er die Möglichkeit dazu.

Beruflich ist er nach seiner Lehre in die Landwirtschaft gegangen und hat dort Traktoren und Lkw gefahren. Aber er wollte etwas mehr, sich auch beruflich selbst verwirklichen. Außerdem gefielen ihm die Arbeitszeiten in der Landwirtschaft nicht mehr. Im Sommer bleibt kaum Freizeit, ausgerechnet in der Jahreszeit, wenn man sie am besten nutzen könnte.

Da er den Besitzer der alten Hallen in Schmiedeberg kennt, fragte er ihn, ob der nicht noch eine Ecke für seine Idee frei hätte. Nun hat er sich mit seiner Werkstatt an der Stirnseite der Halle eingemietet, dort, wo früher die alte Härterei gewesen ist. Wer aus Richtung Altenberg nach Schmiedeberg fährt, dem fällt die Werkstatt direkt ins Auge.

Noch im alten Jahr fing Schotte an, sich hier sein eigenes Reich zu schaffen. Dreieinhalb Monate hat es gedauert. Unten ist die Werkstatt für die Kunden. Die sieht aus, so wie eine klassische Schrauberwerkstatt aussehen muss mit Pin-up-Girls an den Wänden. Zwei Hebebühnen stehen hintereinander, die kleine kann 2,5 Tonnen stemmen, die große vier Tonnen. Das reicht dann schon für einen Pick-Up. Daneben stehen Wagen mit allem gängigen Werkzeug. Einen Zwischenboden hat er auch eingezogen. Dort oben ist sein privater Bereich. Hier hat er sich ein Büro eingerichtet und ein kleines Lager.

Als Öffnungszeiten hat er erst einmal 9 bis 17 Uhr angesetzt, sagt aber: „Ich bin da flexibel. Wenn jemand erst um halb sechs kann, dann lässt sich das absprechen, und ich bin da.“

Welche Arbeiten seine Kunden im „betreuten Schrauben“ machen, müssen sie selbst entscheiden. Einfache Sachen, wie einen Auspuff zu tauschen oder ein wenig Rostpflege, können auch Laien. „Aber es gibt auch Leute, die sind Schlosser, aber haben keinen Platz und nicht das passende Werkzeug zu Hause. Die können auch einen Motor oder ein Getriebe wechseln“, sagt Schotte. Verantwortlich dafür ist aber nicht er, sondern sind die Schrauber selbst. Genauso wie wenn sie zu Hause auf dem Hof das erledigt hätten. Benötigte Ersatzteile könnten sie sich liefern lassen, wie in der Werkstatt auch. „Die Lieferanten kommen ja viermal am Tag“, sagt Schotte.

In den vier Wochen, die er jetzt geöffnet hat, fand er schon guten Zuspruch, wie er berichtet. Zu ihm kommt natürlich niemand mit einem Neuwagen, eher Besitzer von mittelalten und älteren Autos aus einem Einzugsbereich von Dippoldiswalde bis Altenberg. „Der jüngste Wagen, der bisher bei mir auf der Bühne stand, war ein Mercedes Baujahr 2012“, erzählt Schotte. Ihm ist es ein Anliegen, dass auch ältere Fahrzeuge noch gepflegt werden und erhalten bleiben, anstatt dass sie einfach in die Schrottpresse fahren.