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Selbstvertrauen und Neugier stärken

Wie Frauen stärker für Naturwissenschaften und Technik gewonnen werden können. Ein Kommentar von SZ-Redakteurin Nora Miethke.

© dpa/SZ

Zahlreiche MINT-Initiativen, Diversity-Trainings und Girls’ Days in Betrieben haben nicht viel gebracht. Nach wie vor entscheidet sich nur knapp jede vierte Studienanfängerin für ein technisches oder naturwissenschaftliches Fach – auch in Sachsen, dem Land der Ingenieure. Bei den Azubis sieht es noch trüber aus. Und nur 16 Prozent der Programmierer, Datenanalysten und Wissenschaftler, die sich in Deutschland mit Künstlicher Intelligenz auskennen, sind weiblich.

Ja, und? Warum ist das ein Problem, wenn Mädchen lieber romanische Spachen studieren wollen als Programmiersprachen oder es vorziehen, im Krankenhauslabor arbeiten wollen statt im IT-Lab? Zum einen ist es eine verpasste Karriere- und Einkommenschance. Denn gerade bei neuen Technologien für KI werden in Zukunft immer mehr Fachkräfte gesucht, die mit guten Arbeitsbedingungen und hohen Gehältern umworben werden.

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Zum anderen und das ist der wichtigere Grund, werden KI-Anwendungen, ob Pflegeroboter oder selbstfahrende Autos, unseren Alltag umkrempeln. Wenn wir eine Künstliche Intelligenz erschaffen wollen, die der gesamten Gesellschaft dient, muss sie geschlechtsneutral trainiert werden. Eine KI ist nur so gut, wie sie von ihren Entwicklern mit Daten gefüttert wird. Und die sind auch beeinflusst durch Stereotype und unbewusste Vorurteile der meist männlichen Softwareentwickler.

Was das für Folgen haben kann, zeigt das Beispiel von Amazon. Der Internetriese hatte ein KI-System zur Prüfung von Bewerbungsunterlagen entwickelt, das Männer bevorzugte und Frauen früh aus dem Bewerbungsprozess fliegen ließ. Als Amazon das entdeckte, gelang es nicht, dieses Problem zu lösen und das System musste gestoppt werden. Wenn Frauen in der digitalen Gesellschaft nicht benachteiligt werden wollen, müssen sie sie deshalb auch mehr gestalten.

An der MINT-Lücke zwischen den Geschlechtern wird sich auch in den nächsten Jahren nicht viel ändern - trotz aller neuen Aktionspläne. Denn diese Lücke ist Ergebnis erfolgreicher Gleichberechtigungspolitik. Je gendergleicher ein Land ist, desto weniger Frauen arbeiten in MINT-Berufen. In Norwegen, Dänemark oder Deutschland haben junge Frauen den Luxus, das Studienfach wählen zu können, das ihnen Spaß macht. In ärmeren Ländern gelten MINT-Fächer als sicher, um die Familien zu ernähren. Daher dort der höhere Frauenanteil.

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