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Selfie mit dem Regierungschef

Fünf Schüler und ihre Lehrerin waren am Mittwoch in der Staatskanzlei zu Gast. Und wurden total überrascht.

© Jürgen Müller

Von Jürgen Müller

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Stauchitz/Dresden. Es war nur eine Übung. Die Mädchen und Jungen der 10. Klasse sollten im Deutschunterricht einen journalistischen Text, eine Glosse schreiben. Marvin Klasse nahm sich die Digitalisierung vor, nahm dabei auch ältere Lehrkräfte seiner Schule aufs Korn, die sich mit der neuen Technik schwertun. Und auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretzschmar (CDU) bekam einen Seitenhieb. „Sie wollen sich für die neue, moderne Technik an Sachsens Schulen einsetzen? Das finde ich echt super! Vielleicht würden Sie ja mal in unsere Schule kommen und die Technik gleich selbst bedienen“, so der Schüler. Die alten Lehrer trügen lieber den alten Polylux oder schöben den uralten Fernseher mit Videorekorder wieder aus der hintersten Ecke, heißt es weiter.

Deutschlehrerin Gabriele Gill fand die Arbeit klasse, bat die Gemeinde, das Schreiben im Amtsblatt abzudrucken, während sich Lehrerkollegen lieber abwandten. Auch die Gemeindeverwaltung fand die Satire gar nicht lustig. Bürgermeister Frank Seifert weigerte sich, den Brief im Amtsblatt abzudrucken. „Ich gehöre ja auch zu diesen älteren Kollegen, tue mich schwer mit der digitalen Technik, habe mich lange dem Internet verweigert. Aber Kritik muss doch erlaubt sein. Wir waren verärgert, dass der Bürgermeister Zensur ausübt “, sagt die 62-Jährige. Und gab den Brief dem Landtagsabgeordneten Geert Mackenroth (CDU), damit dieser ihn an den Ministerpräsidenten weiterleitet. Kurz darauf antwortete Michael Kretschmer und lud die Schüler in die Staatskanzlei ein.

Am Mittwoch war es so weit. Marvin Klasse, Niels Tippelt, Nele Schulze, Paul Troschütz, Kenny Pittroff und Deutschlehrerin Gabriele Gill wurden von Sachsens Regierungschef empfangen. Mehr als eine Stunde nahm er sich Zeit, um mit den Schülern zu reden, lud sie anschließend zum Mittagessen ein. Die Schüler und ihre Lehrerin waren begeistert. Nicht nur von der lockeren, unkomplizierten Art des Ministerpräsidenten. Er stellte kurz die Staatskanzlei vor. „Ich bin dafür zuständig, den Laden zusammenzuhalten“, sagt er und: „Ich finde es klasse, dass sich junge Leute einmischen und sich nicht alles gefallen lassen.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass es nicht allein Schuld der Gemeinde ist, wenn die neue Technik nicht vorhanden ist oder nicht funktioniert. „Bei der Digitalisierung sind wir ziemlich zurück. Wir wollen das aber jetzt ändern mit dem Digitalpaket“, sagte er. 30 bis 50 Mbit pro Klassenzimmer sollen anliegen. Jede Schule solle mit Glasfasernetz und WLAN ausgerüstet werden, versprach er. „Die Gemeinde Stauchitz ist dabei, ich habe gestern mit dem Bürgermeister gesprochen und werde ihm helfen“, sagte Kretschmer. Gabriele Gill wünschte sich, dass auch kleine Dorfschulen wie Stauchitz mit Tablets ausgerüstet würden. „Das ist eine gute Idee, aber die schönsten Tablets nützen nichts, wenn es keinen Breitbandanschluss, kein schnelles Internet gibt“, so der MP.

Die Schüler trugen noch andere Wünsche vor. Sie möchten gerne eine Musikanlage. „Für uns Schüler der 10. Klasse nützt das zwar nichts mehr, aber wir müssen auch an die nachfolgenden Klassen denken“, sagt Nils Tippelt. So eine Anlage kostet rund 7 000 Euro. 1 700 Euro haben die Schüler schon zusammengespart. Doch die Gemeinde hat kein Geld. Michael Kretschmer versprach Hilfe. „Ich werde mich darum kümmern, dass ihr die Anlage bekommt“, sagte er.

Gabriele Gill kann ihr Glück kaum fassen. „Unsere Schulleiterin wird an die Decke springen vor Freude. Sie hat 85 Briefe geschrieben an Sponsoren. Gerade mal drei haben geantwortet“, sagt sie. Dann gibts noch viele Selfies. Im Nachhinein sind die Schüler froh, dass die Gemeinde den Brief nicht veröffentlich hatte. „Sonst wären wir nie in die Staatskanzlei gekommen und würden keine Musikanlage kriegen“, sagt Paul Troschütz und strahlt übers ganze Gesicht.