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Semper-Synagoge wird in Pogromnacht niedergebrannt

Rassenwahn: Nazi-Horden misshandeln jüdische Mitbürger und zerstören einen der wichtigsten Synagogen-Bauten.

Von Ralf Hübner

Die Semper-Synagoge steht in Flammen. Vor 80 Jahren haben Angehörige von SA und NSDAP in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 das jüdische Gotteshaus geplündert und in Brand gesteckt. Die herbeigerufene Feuerwehr verhindert lediglich das Übergreifen des Feuers auf Nachbargebäude. 151 Dresdner Juden wurden in der Schießgasse interniert und später in die Konzentrationslager von Buchenwald und Sachsenhausen verschleppt. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört.

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Die ausgebrannte Ruine wurde noch im selben Jahr gesprengt und die Kosten der Trümmerbeseitigung der jüdischen Gemeinde auferlegt. Ein Teil der Steine wurde für den Straßenbau verwendet. Lediglich ein vergoldeter Davidstern von einem der beiden Nebentürme der Synagoge konnte gerettet werden. Der Feuerwehrmann Alfred Neugebauer hatte ihn in Sicherheit gebracht. Der Stern ist jetzt über der Eingangstür der neuen Synagoge angebracht. Glasscherben auf dem Gelände des jetzigen Gemeindezentrums markieren den Grundriss des verschwundenen Gebäudes, für das 1838 der Grundstein gelegt wurde.

Den Vorwand für die lange geplanten Pogrome in ganz Deutschland lieferte das Attentat des 17-jährigen Herschel Grynszpan auf den Diplomaten Ernst vom Rath in Paris. Ihn hatte empört, dass die Eltern und Geschwister, die schon lange in Deutschland lebten, mit rund 17 000 weiteren aus Polen stammenden Juden plötzlich verhaftet und abgeschoben wurden. Hilflos mussten diese eine Zeit im Niemandsland zwischen beiden Ländern zubringen.

Die Semper-Synagoge gilt als erste moderne Synagoge schlechthin und als Vorbild für weitere Synagogenbauten. Semper wollte mit dem Entwurf unter anderem auf den Jerusalemer Tempel und die orientalische Herkunft der Juden verweisen. Die Quadratform des Betsaales und die Kuppel erinnerten an orientalisch-byzantinische Kuppelbauten. Das Gebäude war nach Osten gerichtet, der Westfassade waren zwei turmähnliche Vorbauten mit flach gewölbten, von Davidsternen gekrönten Kuppeln vorgestellt. Im Inneren griff Semper zu maurisch-byzantinischen Bau- und Schmuckformen, die symbolisch für die Integration des Orientalischen im westeuropäischen Raum stehen sollten.