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Semperoper macht Witwer glücklich

Ein Paar plant eine Reise nach Dresden. Doch die Frau stirbt. Was sollte nun mit den Opernkarten geschehen?

© privat

Von Claudia Schade

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Es sollte noch eine besondere Reise werden. Eine der letzten für Adelheid Keller aus Gablingen bei Augsburg. Ihr Mann hatte sie in die Semperoper nach Dresden eingeladen. Freischütz. Mittelloge. Besonders schöne Plätze für das opernverrückte Paar. In München waren sie schon gewesen, auch in Wien, Neapel, Venedig und Toronto. Nun sollte Dresden folgen. Doch Adelheid Keller hatte Krebs. Und der hat ihr keine Zeit mehr gelassen. Vor einem halben Jahr starb sie mit 72 Jahren.

Gernot Kellers Töchter ermutigten ihn, trotzdem nach Dresden zu fahren. Sie würden auch mitkommen. Nur mit dem Platz wurde es schwierig. Die Mittelloge war ausgebucht, ein dritter Sitz nicht zu haben. Auch ein Telefonat mit einer Mitarbeiterin der Oper half nicht. Die Familie buchte einen Platz im Parkett. Doch der Mitarbeiterin ging die Geschichte wohl zu Herzen. Sie behielt den Fall im Auge. Wochen später meldete sie sich bei dem 73-jährigen Witwer. Eine Karte sei zurückgegeben worden. Auch die zweite Tochter könne nun in der Loge sitzen. Die andere Karte werde umgetauscht. Damit hat die Frau, deren Name auf Wunsch der Semperoper nicht genannt werden soll, einen trauernden Witwer sehr glücklich gemacht. Gerührt lauschte er am vergangenen Wochenende Webers Freischütz. „Bei der Ouvertüre wurde ich sehr traurig“, sagt Keller. Es flossen Tränen. Dennoch wird er seine drei Tage in Dresden in sehr guter Erinnerung behalten.

Möglich wurde diese „Familienzusammenführung“, da die Semperoper Karten in Kommission zurücknimmt, wenn Besucher verhindert sind. Für eine Gebühr von 10 Prozent werden sie dann weiterverkauft. Wegen der aktuellen Erkältungswelle geschieht das zurzeit recht häufig. Erhältlich sind sie beim Besucherservice.