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„Seniorenfahrten sind nichts für mich“

Vor ihrer Lesung am Sonntag – einen Monat vor ihrem Geburtstag – sprach die SZ mit Sängerin und Buchautorin Chris Doerk.

© PR

Frau Doerk, am Sonntag, 17 Uhr lesen Sie im Kulturschloss aus Ihrem kubanischen Buch. Werden Sie auch singen?

Ja, ich denke, für die Großenhainer mache ich das. Es könnte ein Titel von meiner 2012 zu meinem 70. Geburtstag erschienenen CD „Nur eine Sommerliebe“ werden. Die CD bringe ich auch mit.

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2015 standen Sie mit Frank Schöbel auf der Bühne. Gibt es eine Wiederholung?

Das war ja schon die zweite Abschiedstour, bei der ich übrigens auch einige Großenhainer Fans wieder getroffen habe. Wir sangen seit 2008 gemeinsam mit Frank. Aber ich denke, eine weitere Tournee mit ihm wird es nicht geben. Ich glaube, er will nicht mehr.

Wie leben Sie jetzt so als Rentnerin in Kleinmachnow?

Das Wort Rentnerin höre ich gar nicht gern! Ich fühle mich überhaupt noch nicht so. Ich rede auch nicht über Krankheiten, selbst wenn ich welche habe. Ich schlage mich einfach tapfer durchs Leben. Als ich bei uns hier mal eine Einladung zur Seniorenausfahrt erhalten habe, bat ich darum, mich künftig damit zu verschonen.

Wie also muss man sich Ihren Alltag vorstellen?

Mein Mann und ich, wir haben natürlich private Freunde. Seit der Wende male ich auch. Einige ältere Ostkünstler, die damals keine Auftritte mehr hatten, fingen an zu trinken, für mich ist das Malen ein Ventil. Nun bin ich auch gelegentlich mit Lesungen unterwegs. Außerdem habe ich seit dem 10. Oktober vorigen Jahres einen Enkel. Mein Sohn Alexander in Neuseeland ist Vater eines kleinen Samson geworden. Über Whatsapp sehe ich mir Fotos und Filme von ihm an. Alexander lebt in einem großen Truck, ein 16-Tonner. Ich nutze aber kein Skype. Es würde mich nur traurig machen, wenn ich mit meinem Enkel sprechen, ihn aber nicht berühren kann.

Sie waren im November Überraschungsgast beim „Griff in die Bilderkiste“. Was ist Ihnen auf der Fahrt nach Großenhain durch den Kopf gegangen? Sie waren ja sehr lange nicht mehr hier.

Der Auftritt, der leider, leider nur fünf Minuten dauern durfte, hat manches wieder in Erinnerung gebracht. Ich war zum Beispiel bei der Dekoration des Dienstleistungsbetriebes im Gesellschaftshaus und musste als Stift immer die Asche rausbringen. Auch an meine beste Freundin Bärbel Schmidt habe ich mich erinnert. Sie lebt heute in Griechenland, ist mit einem Griechen verheiratet. Ich habe daran zurückgedacht, wie wir für Silvester das Rathaus dekorierten. Mein Kleid vom Stadtfestauftritt 1965 habe ich übrigens heute noch.

Sind Sie auch mal wieder in ihrem Heimatort Böhla gewesen? Von 1945 an bis in die 60er Jahre wohnten sie ja dort.

Nein. Man muss wissen, ich fahre kein Auto. Und Zug erst recht nicht. Unser damaliges Wohnhaus soll auch nicht mehr schön aussehen. Meine Eltern sind schon Mitte der 70er Jahre zu uns nach Berlin gezogen. Ich würde aber gern mal wieder auf den Kupferberg gehen. Daran habe ich gute Erinnerungen. Als Kind waren wir mit der Schule mal dort. Als ich mich zum Ausruhen auf eine Decke gelegt hatte, bin ich plötzlich neben einer Schlange aufgewacht. Dabei hatte ich so Angst vor diesen Tieren. Weil mir die Ringelnatter aber nichts tat, bin ich diese Angst losgeworden. Es hat mich traurig gemacht, als ich hörte, dass der Kupferberg beim Tornado 2010 seinen schönen Baumbestand einbüßte.

Verraten Sie uns noch Ihr Geheimnis, warum Sie stets Baskenmütze tragen?

Ganz einfach: weil sie mir steht, und weil sie praktisch ist. Da muss man nicht dauernd zum Friseur laufen (lacht). Ich habe einige Basken, die stammen noch aus dem Berliner Exquisit aus DDR-Zeiten. Ich habe die Mützen ein bisschen gestylt, habe Knöpfe und lateinamerikanische Wollgürtel angenäht. Mittlerweile ist die Baskenmütze mein Markenzeichen geworden.

Erzählen Sie noch ein bisschen über Ihre Lesung am Sonntag.

Mein Buch „La Casita“ ist 2002 erschienen. Darin erzähle ich von meinem Ferienhaus auf Kuba, wo ich einige Jahre lang lebte. Direkt am Meer. Bis es von einem Sturm zerstört wurde. Ich erzähle von Erlebnissen und liebenswerten Menschen.

Gespräch: Kathrin Krüger-Mlaouhia

Am 7. Februar ist Chris Doerk 20.15 Uhr im MDR zu sehen.