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Seniorentreff unter der Kamelie

Fröhliche Rentner besuchen das Kamelienhaus. Da sind die schlechten Besucherzahlen am Saisonbeginn vergessen.

© André Braun

Von Andreas Neubrand

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Die passende Musik zum Fest

Wenn es in den Innenstädten nach gebrannten Mandeln riecht, die Tage kürzer und die Abende länger werden, dann steht die Weihnachtszeit vor der Tür.

Roßwein. Normalerweise ruhen die Kamelien während ihrer Blütezeit. Die Roßweiner Kamelien haben dazu auch wochentags genügend Gelegenheit. Nicht so an diesem Dienstag, denn da ist das Kamelienhaus fest in den Händen rüstiger Senioren.

Diesmal sind es die Damen vom Seniorencafé Roßwein und der Volkssolidarität Döbeln, die außerhalb der regulären Öffnungszeiten die Kamelien bestaunen. „Wir gehbehinderten Leute kommen ja leider sehr schlecht hier hoch“, sagt Monika Lautschläger. „Ich bin immer froh, wenn wir mit der Seniorengruppe herfahren.“ Denn eigentlich ist sei ein Fan der Kamelie. „Früher bin ich oft hier gewesen. Aber seit ich gesundheitliche Probleme habe, eher selten“, sagt sie. Für sie selbst sei eine Kamelie aber nichts, sagt sie. „Meine Wohnung ist einfach zu klein, da passt kaum was rein.“ Auch sei ihr die Pflege zu anspruchsvoll. „Ich würde schon sagen, dass ich einen grünen Daumen habe“, erzählt Monika Lautenschläger. „Aber eine Kamelie wäre mir zu aufwendig.“

Dass Kamelien anspruchsvoll sind, bestätigt auch Richard Thiele von den Roßweiner Heimatfreunde in seinem Vortrag. „Kamelien sind keine Wohnzimmerpflanzen. Aber bei uns sind sie auch nicht für draußen geeignet“, erzählt er. „Sie brauchen eher etwas dazwischen. Das macht es so schwierig, sie in der Wohnung zu züchten.“ Und einen großen Fehler begehen die meisten Besitzer einer Kamelie. „Wenn sie blüht, will sie eigentlich ihre Ruhe. Aber das ist dann die Zeit, in der die Menschen den meisten Wirbel um sie veranstalten und sie gießen und düngen. Deswegen gehen die Kamelien so oft ein.“

Jutta Geisel aus Roßwein lässt sich davon nicht entmutigen. „Jedes Jahr, wenn ich hierher komme, kaufe ich mir eine Kamelie für zu Hause.“ Drei Stück besitzt sie schon. „Heute kommt die Vierte dazu“, erzählt sie. „Eine Rote soll es dieses Jahr sein.“ Angst, dass ihr die Pflanze kaputtgeht, hat sie nicht. „Dieses Mal habe ich mir Tipps geholt“, sagt sie.

Ilona John freut sich jedes Jahr auf das neue Thema. „Die haben hier immer so gute Ideen“, erzählt sie. Kleine Buddha-Statuen stehen unter den großen Zweigen der Kamelien. Überall finden sich japanische Schriftzeichen und an den Wänden hängen Rollen mit östlichen Motiven, gemalt von Sabine Krondorf vom Heimatverein Roßwein. Unschwer zu erkennen ist das diesjährige Thema der Ausstellung: Japan.

Insgesamt 18 ältere Frauen haben sich im Kamelienhaus versammelt. „Organisiert hat das hier alles Bürgermeister Veit Lindner“, verrät Gertraude Block, mit 88 Jahren die älteste Teilnehmerin und Mitglied im Heimatverein. „Aber eher ein ruhendes Mitglied“, erklärt sie. „Ich gehe höchstens noch zur Hauptversammlung und natürlich zur Kamelie. Das lasse ich mir nicht nehmen.“ Wie lange sie schon dabei ist, kann sie nicht sagen. „Ich erinnere mich noch an die Kamelienfeste, die hier gefeiert wurden“, erzählt sie.

Für Brigitte Thorand ist es der dritte Besuch bei der Kamelie. „Allerdings das erste Mal als Rentnerin“, sagt sie. Sie lebt allein und wurde schriftlich vom Bürgermeister eingeladen. „Nächstes Jahr würde ich gern wiederkommen“, sagt sie. „Vorausgesetzt, es klappt mit der Gesundheit und ich kann gut laufen.“

Hohe Spendenbereitschaft

Dagegen ist Elisabeth Hoyer eine erfahrene Kamelienbesucherin. „Seit 15 Jahren bin ich regelmäßig hier“, sagt sie. „Früher einfach so, heute nur noch mit den anderen Senioren. Ich liebe die Natur hier. Die ist einfach traumhaft.“

Nicht so zufrieden ist Martina Thiele vom Heimatverein Roßwein – zumindest, was die Zahl der Besucher angeht. „Bis jetzt läuft es eher etwas schleppend“, sagt sie. „Das schlechte Wetter an den Wochenenden hat uns nicht gutgetan.“ 950 Besucher hat der Verein bis jetzt gezählt. „Damit liegen wir leider unter dem Durchschnitt. Letztes Jahr zum Beispiel hatten wir in dem gleichen Zeitraum schon über 1 000 Gäste.“ Doch Martina Thiele hofft auf eine Trendwende in der zweiten Halbzeit. „Ich hoffe, dass mehr Leute kommen, wenn die roten Kamelien blühen. Bis jetzt haben vorwiegend die weißen geblüht“, erzählt sie. „Viele Gäste kommen zweimal. Das erste Mal bei den weißen Kamelien und dann in der zweiten Hälfte noch einmal.“ Sie wünscht sich eine trockene und sonnige zweite Hälfte der Saison. „Für eine hohe Besucherzahl bei uns ist es wichtig, dass es draußen trocken und hell ist. Die Kälte ist egal.“ Dafür kann Thiele ein anderes positives Zwischenfazit ziehen: „Die Spendenbereitschaft in diesem Jahr ist gut.“