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Serbien in der Zwickmühle

Moskaus Anerkennung der georgischen Provinzen schwächt Belgrads Position in der Kosovo-Frage.

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Von Thomas Roser,SZ-Korrespondent in Belgrad

Ausgerechnet einer von Serbiens unnachgiebigsten Gegner der Loslösung des Kosovo versucht sich nun in der diplomatischen Rückwärtsrolle. Jahrelange ermüdete der nationalkonservative Ex-Premier Vojislav Kostunica seine ausländische Gäste und Landsleute mit seiner Litanei von der Notwendigkeit der Einhaltung des Völkerrechts und der territorialen Integrität seines Landes. Doch nun erklärt der im Mai abgewählte Patriot die russische Anerkennung von Südossetien und Abchasien als „angebrachte Reaktion“.

Kosovo-Problem nur benutzt

Aber nicht nur Serbiens Nationalisten hat Moskaus einseitige Anerkennung der beiden georgischen Provinzen in Argumentationsnöte gebracht. Belgrad habe immer vor dem Domino-Effekt durch die Anerkennung des Kosovo gewarnt, erklärte Premier Mirko Cvetkovic. Mit Russland stritt Serbien bislang gegen die Anerkennung des Kosovo. Doch nun hat Moskau im Kaukasus genau das getan, was es auf dem Balkan angeblich verhindern wollte. Die Erkenntnis, dass Russland die Kosovo-Frage nur für eigene Zwecke nutzt, beginnt allmählich auch in Belgrad zu dämmern.

Moskaus jüngster Schachzug hat Belgrad in eine Zwickmühle manövriert. Folgt Serbiens Regierung dem russischen Beispiel, würde es damit den Anspruch auf das Kosovo praktisch aufgeben. Setzt sich Belgrad von Moskau ab, verliert es beim Kampf gegen das unabhängige Kosovo die russische Unterstützung.