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Serbische Schleuser vor Gericht

Im August wollten Dalibor P. und Zoran I. insgesamt 28 Menschen in zwei kleinen Vans illegal über die Grenze bringen. Das flog auf.

© Bundespolizei

Von Matthias Weigel

Pirna. Es war offensichtlich das erste Mal, dass sich Dalibor P. und Zoran I. als Schleuser versuchten. Viel Erfolg hatten sie mit dem vermeintlich schönen neuen Geschäftsmodell aber nicht. Denn die zwei Serben im Alter von 32 und 41 Jahren wurden im Sommer von der Bundespolizei festgenommen und kamen in U-Haft. Dort saßen sie auch über Weihnachten. Erst am vergangenen Freitag wurde ihr Fall am Pirnaer Amtsgericht verhandelt. Dalibor P. und Zoran I. waren am 21. September auf der A 17 Richtung Dresden unterwegs. Doch gleich hinter der Grenze gingen die beiden der Bundespolizei am Parkplatz „Am Heidenholz“ ins Netz – im Zuge der wieder aufgelegten Grenzkontrollen. In einem Renault Espace und einem Opel Zafira, beide mit österreichischem Kennzeichen, versuchten die beiden insgesamt 28 Menschen über die Grenze zu schmuggeln. Die Flüchtlinge saßen zusammengequetscht und teils übereinander im Koffer- und Fahrgastraum. Unter den großteils irakischen Reisenden befanden sich auch mehrere Frauen und Kinder. Einer der illegal Eingereisten kam aus Pakistan.

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28 Menschen wollten die Serben in zwei kleinen Vans über die Grenze schleusen. Doch die Bundespolizei stoppte die Autos. Die Serben wurden verhaftet. Nun standen sie vor Gericht.
28 Menschen wollten die Serben in zwei kleinen Vans über die Grenze schleusen. Doch die Bundespolizei stoppte die Autos. Die Serben wurden verhaftet. Nun standen sie vor Gericht. © Bundespolizei

Die Fahrzeuginsassen wurden schließlich versorgt und registriert. Alle haben Asyl beantragt. Sie wurden nach Chemnitz geschickt, wo sich die Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates befindet. Für Dalibor P. und Zoran I. ging es jedoch nach der Vernehmung in den Knast – nicht nur wegen der Härte der Tat, sondern auch, weil die beiden keine EU-Bürger sind und die Gefahr groß ist, dass sie untertauchen.

Wie Chefermittler Sven Löschner von der Bundespolizeiinspektion Berggießhübel sagt, hätten die Flüchtlinge wohl an die Auftraggeber zwischen 3 000 und 9 000 Euro je Person gezahlt, um über mehrere Grenzen aus dem arabischen Raum nach Deutschland zu kommen. Den beiden Fahrern, so ihre Aussage, habe man 300 Euro pro Fahrt versprochen – viel Geld für Serben, die sonst nur einen Bruchteil davon verdienen. Einen Auftraggeber wollten oder konnten die Serben aber nicht nennen. Auch gab es keine verwertbaren Hinweise auf weitere Taten. „Wobei wir davon ausgehen, dass das der Anfang einer auf Dauer angelegten Tätigkeit sein sollte“, sagt der Polizeihauptkommissar. Diese Pläne habe man aber durchkreuzt.

Die beiden Männer waren laut Löschner geständig, was die Tat anbelangte, bei der man sie erwischt hat. Das Amtsgericht in Pirna verurteilte Dalibor P. und Zoran I. wegen des Einschleusens von Ausländern schließlich zu 20 und 22 Monaten Haft, die aber zur Bewährung ausgesetzt ist. Beide müssen außerdem jeweils 300 Euro – was dem versprochenen Lohn entspricht – Geldbuße bezahlen. Wie viel das für die beiden ist, zeigt sich daran, dass sie es in Raten abstottern wollen. Überdies erhalten die Männer ein 3,5-jähriges Aufenthalts- und Einreiseverbot für Deutschland. Dalibor P. und Zoran I. sind nach dem Prozess zwar auf freiem Fuß – müssen das Land aber binnen sieben Tagen verlassen.

Auch die Autos dürfen die Serben abschreiben. Sie wurden eingezogen und werden irgendwann zugunsten der Staatskasse versteigert. Halter bzw. Eigentümer der Autos war laut Löschner im Übrigen eine in Österreich lebende Serbin. Sie stritt ab, etwas mit den Schleusungen zu tun geschweige denn etwas davon gewusst zu haben. Eine Anzeige bekommt sie dennoch.