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Serientäter muss vier Jahre ins Gefängnis

Ein 32-jähriger Freitaler hat ein langes Strafregister. Nach einer Verurteilung in Dippoldiswalde gab’s für ihn in Pirna Nachschlag.

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Von Stephan Klingbeil

Seine „Uniform-Allergie“ hat Mario S. nicht abgelegt. Immer wieder kommt der 32-jährige Freitaler mit dem Gesetz in Konflikt. Immer wieder richten sich seine Aggressionen auch gegen Vertreter staatlicher Behörden. Mal bedroht und beleidigt er Polizisten, widersetzt sich ihnen mit Gewalt. Mal tritt er einem Mitarbeiter vom Freitaler Ordnungsamt in den Oberschenkel – einfach so, ohne Grund, wie er sagt.

Allerdings wurden nicht nur Männer und Frauen in Uniform Opfer der Launen von Mario S., der ein Drogenproblem hat, Crystal nahm und auch unter Alkoholeinfluss mehrere Straftaten beging. Seit 1999 muss sich der Serientäter alle paar Jahre vor Gericht verantworten. Bisher wurde er 17-mal verurteilt, brach in der Zeit Bewährungsauflagen, saß bereits mehrmals Haftstrafen ab. Nun kommt eine weitere hinzu. Es wird seine bisher längste sein.

Denn der arbeitslose Maler und Lackierer wurde nun am Amtsgericht Pirna zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Er nahm das Urteil scheinbar locker hin. 15 Straftaten hat ihm die Staatsanwaltschaft in Pirna zur Last gelegt: räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung, versuchte Nötigung, Diebstahl, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Beamte. Nazi-Parolen habe er auch gerufen. Zwischen Juli 2014 und Februar dieses Jahres soll es zu den Vorfällen in Freital gekommen sein.

Er räumt viele der Vorwürfe ein – vor allem die Beutezüge und die Drohungen sowie Attacken gegen Polizei und Ordnungsamtsmitarbeiter. „Kann sein“, „Stimmt im Prinzip“, „Ja, das trifft zu, aber der Typ hat mich genervt“, erklärt S. Mitleid mit seinen Opfern empfindet der Mann nicht. An vieles könne er sich ohnehin nicht erinnern. Oder er spielt es herunter: Einmal hätte er der Mitarbeiterin eines Einkaufsmarkts in der Rabenauer Straße mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Frau hatte ihn und seinen Cousin auf frischer Tat beim Stehlen ertappt, forderte vehement deren Beute zurück: Sekt, Schnaps und Parfüm. Sie ließ nicht locker. „Ich habe die Frau nur geschubst, die ist uns aber auch bis zur Bushaltstelle hinterher gelaufen“, so Mario S.

Therapie bisher verweigert

Ein anderes Mal hat er eine Flasche Pfefferminz-Likör gegen das Fenster eines Freitaler Wohnhauses geschleudert. Am Fenster stand ein Mann, der „ein Problem“ mit ihm und den anderen gehabt hätte, die öfter im benachbarten Goethepark saßen. „Der hat immer wieder die Cops gerufen“, betont S.

Im Goethepark soll der Angeklagte zudem eine junge Frau auf den Oberschenkel geschlagen haben. Sie zeigte ihn an. Und Mario S.? Kann sich nicht erinnern! Ebenso wenig will er einen anderen Besucher des Goetheparks am Hals gepackt und gezwungen haben, eine Zigarette zu rauchen. Der Mann soll ihn unter Tränen angefleht haben, von ihm abzulassen. „Ich kenne den nicht, war das nicht“, so der Beschuldigte.

Erst im März dieses Jahres war Mario S. am Amtsgericht Dippoldiswalde zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Auch damals wurden ihm Beleidigung in mehreren Fällen, Körperverletzung sowie räuberischer Diebstahl zur Last gelegt. Der Vater eines 14-jährigen Kindes ging jedoch in Berufung gegen das Dippoldiswalder Urteil. Sein Anwalt hatte damals auf eine zweijährige Freiheitsstrafe plädiert. Obwohl er aber noch nicht rechtskräftig verurteilt war, verbrachte Mario S. die nachfolgenden Monate hinter Gittern.

Denn der Freitaler Bewährungsbrecher sollte in Untersuchungshaft auf seinen jetzigen Prozess in Pirna warten. Der ist nun vorbei. Das Gericht verurteilte den 32-Jährigen, der sich trotz mehrerer Besuche bei der Suchtberatung einer Therapie verweigert hat, zu vier Jahren Haft. Es folgte damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft – und Verteidigung. Im Gegenzug zog der Angeklagte seine Berufung gegen das nun mit einbezogene Dippser Urteil zurück.