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Erzwungener Sex mit der Ex?

Ein Großenhainer soll seine Ex-Freundin vergewaltigt haben. Der bestreitet das. Vor Gericht verstricken sich die Klägerin und der Angeklagte in Widersprüche.

© Symbolbild/dpa

Von Manfred Müller

Ab auf den Grill

Warme Sommernächte, schönes Wetter. Zeit zum Grillen! Doch worauf muss man achten und was schmeckt am besten auf dem Grill?

Großenhain/Riesa. Tatsächliche oder behauptete Beziehungstaten sind für die Justiz ein schwieriges Feld. Meist steht Aussage gegen Aussage, und es geht hochemotional zu. Besonders, wenn ein so schwerwiegender Vorwurf, wie der der Vergewaltigung verhandelt wird. Eine Solche soll im März 2017 in Großenhain geschehen sein.

Ein junger Mann, nennen wir ihn Olaf, besucht an einem Vormittag seine Ex-Freundin, mit der er eine gemeinsame Tochter hat. Zunächst plaudert er mit der Mutter der Partnerin, die noch in der elterlichen Wohnung lebt. Dann kümmert er sich um die Einjährige, windelt und füttert sie und bringt sie gemeinsam mit der Ex zu Bett.

Da die Kleine stark erkältet ist, hat die ganze Nacht gequengelt und ihre Mutter um den Schlaf gebracht. Deshalb zieht sich Sabine (Name geändert) in ein Kinderzimmer zurück, um sich etwas auszuruhen. Olaf folgt ihr, legt sich mit ihr aufs Doppelbett, und beide schauen sich zunächst eine Sendung im Fernsehen an. Darüber, was danach passiert ist, gehen die Schilderungen der beiden vor dem Riesaer Amtsgericht weit auseinander.

Olaf, der auf der Anklagebank sitzt, schildert den Vorfall so: Seine Ex-Partnerin habe über Kreuzmerzen geklagt, woraufhin er sich erbot, ihr den Rücken zu massieren. Er zog ihr den Pullover aus, blieb aber selbst bekleidet und führte die Massage aus. Nach einer Weile habe sich Sabine umgedreht und ihn geküsst. Dann nahmen die Zärtlichkeiten ihren Lauf bis hin zum Sex.

Sabine hingegen will, nachdem sie sich aufs Bett gelegt hatte, sehr bald eingeschlafen sein. Sie sei aufgewacht, weil sie von Olaf körperlich bedrängt wurde. Der Ex habe sie, obwohl sie mehrfach sagte, dass sie das nicht will, ausgezogen, festgehalten und sei gewaltsam in sie eingedrungen. Mehrfach bricht die junge Frau bei ihrer Zeugenaussage in Tränen aus.

Warum sie nicht ihre Mutter zu Hilfe gerufen habe, die doch im Nachbarzimmer Mittagsruhe hielt?, fragt Olaf Anwalt. Und warum sie nicht wenigstens sofort nach Tat zu ihr gegangen sei? Nein, antwortet Sabine, sie habe sich zu sehr geschämt; ihre „Mum“ sollte von dem Vorfall nichts erfahren.

Die junge Frau brachte die Sache auch erst ein halbes Jahr später zur Anzeige, nachdem sie sich einer Freundin offenbart hatte. Diese wiederum veranlasste Sabine, die Mutter informieren, die dann mit ihr zur Polizei ging. Man muss vielleicht noch wissen, dass Sabine und Olaf, obwohl schon Eltern, zu diesem Zeitpunkt noch nicht volljährig waren. Trotzdem erzählen beide ihre Version des Vorgefallenen detailliert und durchaus schlüssig.

Erst als sie mit den Vernehmungsprotokollen der Polizei konfrontiert werden, treten Widersprüche zutage. Aber eben bei beiden Beteiligten, was dem Gericht nicht viel weiter hilft. Handelt es sich hier um eine clever uminterpretierte Gewalttat? Oder um ein Freundinnen-Komplott gegen Olaf? Zunächst sieht es nach Letzterem aus, denn Sabines damalige Busenfreundin erzählt vor Gericht, es sei ihnen wichtig gewesen, Olaf neue Partnerin mit der Sache zu konfrontieren. Aber auch der junge Mann macht keine gute Figur. Er behauptet zunächst, den Sex mit der Ex seiner Neuen noch am gleichen Tag gebeichtet zu haben. Dann aber soll er Sabine telefonisch mit Konsequenzen gedroht haben, falls sie den Vorfall herumerzählt.

Da das alles nicht so recht zusammenpasst, unterbricht Richter Herbert Zapf die Verhandlung. Er und die beiden Schöffen sind zwar geneigt, Sabine zu glauben, aber ganz zweifelsfrei erscheint ihnen die Schuld des Angeklagten wohl nicht. Deshalb wollen sie weitere Zeugen aus dem familiären Umfeld und dem Freundeskreis hören. Die Verhandlung soll Ende November fortgesetzt werden.