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Sie heben den Wort-Schatz

SZ und Brauerei holen „handinhand“ zu „Bier&Kultur“ nach Radeberg. Ein musikalischer Abend mit Geheimnissen über den Sperrmüll.

© Thorsten Eckert

Jens Fritzsche

Radeberg. Nein, bei der Vorrede halten sich diese beiden energiegeladenen Frauen nicht allzu lange auf. Rauf auf die Bühne im Conrad-Brüne-Haus der Radeberger Exportbier-Brauerei –  und los geht‘s. Für einen langen Anlauf an diesem Freitagabend haben Beate Wein und Annett Lipske als Duo „handinhand“ auch einfach zu viel zu sagen! Und was sie zu sagen haben! Und vor allem, wie sie es sagen! Herrlich wortverspielt pflügen sie das weite Feld des deutschen Sprichworts um und bauen das Altbekannte einfach mal neu zusammen. Eine grandiose Idee: „Berge stehlen oder Pferde versetzen …“, heißt es dann zum Beispiel in einem der Liedtexte.

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Und das Zuhören macht bei den beiden dabei mindestens so viel Spaß, wie das Zusehen. Denn Beate Wein und Annett Lipske haben eine Menge Spaß am Spaß, übliche Sätze neu zu setzen. Sie haben Spaß am Spiel mit den Wörtern, am Wortspiel also. „Ich seh‘ es nicht so krumm, soll ich grade für Dich stehen ...“ Oder auch: „Ich bin so richtungslos, ich zieh’ ein Richtungs-Los“. Diese Leichtigkeit kommt wohl auch daher, dass sie sich selbst nicht zu (ge)wichtig nehmen. Und augenzwinkernd hat man am Ende eh den besten Blick. Oder?

Sie können auch anders

Diese Leichtigkeit prickelt dabei auch aus ihrer Musik. Barfuß-Bossa nennen sie das, was sie da spielen. Und auch diese Umschreibung passt. Barfuß, für die leichte Sommernote, die da aus den Noten klingt –  und Bossa natürlich für den Bossa Nova, den sie hörbar lieben. Aber sie können auch anders! Richtig rocken zum Beispiel. Und natürlich gibt‘s auch Balladen. „Ball-Laden“, wie Annett Lipske sagt und darauf verweist, dass die deutschen Handballer soeben ins Finale der Europameisterschaft eingezogen sind.

Und die beiden gebürtigen Brandenburgerinnen, mittlerweile aber in Sachsen heimisch, sind zudem richtig tolle Musikerinnen! Wirklich spielend spielen sie Schlagzeug und das uralte Fender-Rhodes-Piano – das sie vom Sperrmüll geholt haben, wie sie erzählen. Geflunkert? Egal! Die Geschichte nimmt man ihnen jedenfalls ab. Weil es Spaß macht, mit den beiden in Gedanken mal kräftig im Sperrmüll zu wühlen. Wo sie auch zwei Schaukelstühle gefunden haben, über die sie natürlich auch gleich ein Lied geschrieben haben. Ein Lied über Schaukelstühle, in dem kräftig Goethe zitiert wird, weil es um die Liebe geht.

Das funktioniert? Und wie das funktioniert! Und weil sie eben nur ein Piano haben, müssen sie ab und an mal die Instrumente tauschen. „Früher haben wir uns immer gestritten, wer ans Piano darf, weil wir beide Pianistinnen sind“, verrät Beate Wein. Augenzwinkernd. Natürlich augenzwinkernd. Wobei das Augenzwinkern selbstverständlich aufs Streiten abzielt – denn dass sie beide richtig gut mit den schwarz-weißen Tasten umgehen können, wird schnell deutlich. Ach, auch ein furioses Schlagzeugsolo auf drei Kaffeetassen haben sie drauf. Das Ganze ist wohl genetisch bedingt, stammen sie doch aus sehr musikalischen Familien. Wer beim Namen Lipske schon mal leicht ins Grübeln gekommen ist: Genau, Annett Lipskes Vater Ekkehard „Ecki“ Lipske rockte bis vor Kurzem noch bei der Dresdner Kultband electra die elektrische Gitarre.

Mit hintergründigem Humor

Wobei ein Zeitungs-Kritiker mal geschrieben haben soll, die Musik von „hand-inhand“ eigne sich am besten als Begleit-Geräusch zum Saubermachen. „Mit Staubwedel“, wie Annett Lipske noch schnell zitiert. Und eigentlich hätten die beiden dem Mann wohl mal kräftig die Meinung geigen wollen – aber erstens können sie nicht geigen, und zweitens „fiel uns ein, dass man zum Saubermachen ja auch eigentlich nur seine Lieblingsmusik hört, da waren wir wieder versöhnt“, schmunzelt Beate Wein.

Ein herrlich hintergründiger Humor ist es, mit dem „handinhand“ durchs Leben zieht. Und das Liedermachen sei einfach eine Art Therapie, sagen sie dann lachend. Man muss eben einfach mal über alles reden. Und dass Frauen viel reden, haben Männer ja wohl schon lange geahnt. Aber dass Frauen auch unheimlich schnell sprechen –  und dabei auch noch kluge Sachen sagen, daran muss man(n) sich hier und da erst noch gewöhnen. Beate Wein und Annett Lipske können das jedenfalls nahezu perfekt. Da braucht es fürs Zuhören schon ziemlich sportliche Synapsen. Aber das Radeberger Publikum ist offensichtlich fit – und es hatte reichlich Spaß am Heben dieses herrlich funkelnden Wort-Schatzes!

Am 15. April ist der Dresdner Klassik-Musiker Florian Mayer mit seiner Violine bei Bier&Kultur zu erleben. Er wird dann, passend zur anstehenden Fußball-EM, die 24 Nationalhymnen der Teams auf sehr ungewöhnliche Weise präsentieren. Ticketbestellungen sind unter Telefon 03528 454260 oder per E-Mail möglich: [email protected]