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„Sie liebt mich halt, was soll ich machen“

Thomas Müller wird bei den Bayern spät eingewechselt, seine Frau kommentiert bissig die Entscheidung. Das passt ins Bild.

© dpa/Tobias Hase

Von Thomas Häberlein

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Knobloch stürmt weiterhin für die Eislöwen

Auch in der kommenden Saison wird Stürmer Tom Knobloch das Trikot der Blau-Weißen tragen.

Nach einem weiteren Offenbarungseid verließ die Führungsriege fluchtartig ihre Logenplätze. Einlassungen zum 1:1 gegen den SC Freiburg verkniffen sich die Klubbosse. Tatsächlich muss ihnen beim Anblick der Mannschaft zunehmend angst und bange werden. Die, die redeten beim FC Bayern, klangen wie Spieler eines Abstiegskandidaten, denen außer Durchhalteparolen nicht mehr viel einfällt. „Es hilft nichts“, sagte Thomas Müller, „wenn wir jetzt auseinanderfallen. Wir müssen Flagge zeigen und uns zusammenreißen.“

Nette Geste: Trainer Christian Streich (l.) bekommt das Trikot von Manuel Neuer.
Nette Geste: Trainer Christian Streich (l.) bekommt das Trikot von Manuel Neuer. © Sampics/Stefan Matzke

Eine Woche vor dem Spitzenspiel bei Borussia Dortmund wissen die Münchner offensichtlich nicht mehr weiter: Die Selbstzweifel nehmen zu. „Das tiefe Selbstvertrauen, das fehlt uns im Moment“, bekannte Müller.

Der noch vor Kurzem so übermächtige FC Bayern verbreitet in seiner derzeitigen Verfassung nicht mal bei den vermeintlich Kleinen der Bundesliga Angst und Schrecken. „Unser Spiel ist gerade nicht super“, sagte Müller. Tatsächlich ist es völlig einfallslos im Spielaufbau, es gibt keinen Masterplan – das Gefüge ist erschreckend instabil. „Wir haben Sequenzen, wo wir es richtig gut machen. Die Frage ist, warum machen wir es dann nicht weiter so“, ergänzte Torwart Manuel Neuer.

Selbst Sportdirektor Hasan Salihamidzic konnte und wollte die Defizite nicht kleinreden. „Träge ausgesehen“ habe das, was die Bayern angeboten hätten, „die Spritzigkeit, die Freude fehlt irgendwie“, zugleich beschleiche alle stets das „Gefühl, wenn der Gegner in unsere Hälfte kommt, dann ist das gefährlich“. Häufig trifft der Gegner auch, zu beobachten beim Tor von Lucas Höler keine zehn Minuten nach der Führung der Münchner.

Das 1:0 sei „eine kleine Erlösung“ gewesen nach der ganzen Quälerei zuvor, bekannte Müller, nach dem späten Ausgleich aber sitze „der Stachel tief“. Für zusätzlichen Gesprächsstoff sorgte seine Frau Lisa, die im sozialen Netzwerk Instagram gegen Trainer Niko Kovac stichelte. „Mehr als 70 Minuten, bis der mal nen Geistesblitz hat“, schrieb sie, als ihr Mann in der 71. Minute eingewechselt wurde. „Sie liebt mich halt, was soll ich machen“, sagte Müller diplomatisch. Kovac wollte „nichts“ anmerken.

Freiburgs Trainer will Neuers Trikot

Der Vorfall passt irgendwie ins Bild, beim FC Bayern stimmt derzeit wenig bis nichts. Sportdirektor, Trainer und Spieler scheinen überfordert mit der Aufgabe, die strukturellen und spielerischen Defizite abzuarbeiten, ratlos sind sie allemal. Auf die Frage, warum von den Fortschritten, die Trainer Kovac Woche für Woche in Aussicht stelle, nichts zu sehen sei, sagte Salihamidzic mit einem leichten Achselzucken: „Das frage ich mich auch, das ist so leicht nicht zu beantworten.“

Tatsache ist: Kovac kann derzeit keine Lösungen anbieten für die vielen Probleme, die den FC Bayern quälen. Vor allem: Im Gegensatz etwa zu Freiburg haben die Bayern derzeit keine Mannschaft. Und als Salihamidzic gefragt wurde, ob der Trainer denn auch bei einer Niederlage beim jetzt vier Punkte vor den Münchnern liegenden BVB noch zu halten sei, platzte ihm fast der Kragen: „Fragen Sie bitte nicht so blödsinnige Fragen“, sagte der Sportdirektor – und stürmte aus dem Kabinengang. Souveränität sieht anders aus.

Dagegen verließen Christian Streich und Manuel Neuer Arm in Arm den Platz. Freiburgs Trainer hatte allerdings ein ganz besonderes Souvenir mit dabei: das Trikot des Kapitäns von Bayern München und der Nationalmannschaft.

„Ich habe einen Bub daheim, der wollte gerne das Trikot von Manuel Neuer haben“, berichtete der Kulttrainer aus dem Breisgau. Dass er als Coach der gegnerischen Mannschaft um den Dress des Star-Keepers des FC Bayern bat, war schon ungewöhnlich. „Es war mir fast ein bisschen peinlich als Trainer, aber jetzt freue ich mich, dass ich meinem Bub eine Freude machen kann“, sagte der 53-Jährige.

Und da der Sport-Club durch das 1:1 gegen den Rekordmeister zum ersten Mal seit 21 Jahren wieder einen Punkt in München einheimste, war es ein rundherum gelungener Tag für Streich. (sid)