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Sie tickt seit mehr als 300 Jahren

Günter Kämpfer aus Roßwein stellt am Sonntag eine alte Kaminuhr aus. Der Förderverein präsentiert noch mehr.

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© Dietmar Thomas

Von Sylvia Jentzsch

Schleinitz. Sie wirkt wie ein Fremdkörper in der Holzwerkstatt des Fördervereins Schloss Schleinitz. Die vergoldete und filigran gestaltete Kaminuhr steht unter Glas zwischen Werkzeug und Maschinen, mit denen Holz bearbeitet wird. Bauingenieur Günter Kämpfer, der viele Jahre Inhaber des Roßweiner Zimmereibetriebes war, erklärt, warum das so ist.

Kämpfer ist Mitglied beim Förderverein und betreut seit etwa 15 Jahren die Holzwerkstatt im Museumshof. Und er ist der Eigentümer der Kaminuhr, die nach einer längeren Pause nun wieder die Uhrzeit anzeigt und zur vollen Stunde schlägt. Die Uhr ist ein Erbstück und wird am Sonntag zum Ernte-, Dresch- und Handwerkertag in Schleinitz zu sehen sein. Dann zeigt Günter Kämpfer, wie früher Waschböcke ohne Nägel hergestellt wurden, und wird auch viel über die Geschichte der Uhr erzählen.

Die stammt von seinem Großvater und hat immer auf einer Kommode gestanden. Er war Kunst- und Intarsientischler. „Bei ihm habe ich viel gelernt. Deshalb liegt mir sowohl das filigrane als auch das gröbere Arbeiten“, so Kämpfer. Zur Wendezeit fand er die Uhr in einem Keller, zerlegt in Einzelteile wieder.

„Für mich hatte die Kaminuhr einen ideellen Wert, weil sie von meinem Großvater stammt“, sagte der Roßweiner. Uhren hätten ihn schon immer fasziniert. Deshalb hat er sich autodidaktisch viel Wissen über sie angeeignet.

Vor zehn Jahren begann er mit dem Wiederaufbau der Uhr. „Zunächst habe ich einen Uhrmacher gesucht, der das Uhrwerk reparieren kann. Das war gar nicht so einfach. Gefunden habe ich den Fachmann in Schwarzenberg“, erzählte Kämpfer. Der Mann sei ein Glücksgriff gewesen. Denn er reparierte nicht nur das Uhrwerk, sondern brachte den Roßweiner auch auf die Spur der Geschichte der Uhr. Die war im Innern mit dem Namen Andreas Heinrich Hähnel signiert. Der stammte aus einer Uhrmacherdynastie, die Günter Kämpfer mithilfe von Kirchenbüchern bis zur fünften Generation zurückverfolgte. Andreas Heinrich Hähnel wurde am 15. Juni 1660 in Schwarzenberg geboren und starb 1734. „Ich habe die Familiengeschichte bis zum Ururgroßvater Hans Hähnel verfolgt, der 1520 in Schwarzenberg geboren wurde und Schlosser- und Büchsenmacher war. Die nachfolgenden Generationen waren dann alle Uhrmacher“, so Kämpfer. Er bedauert noch nichts über die Nachfahren von Andreas Heinrich Hähnel herausgefunden zu haben. Das hat er sich noch für die Zukunft vorgenommen.

Die fehlenden Schnitzereien der Uhr ließ er in einer Schnitzerwerkstatt im Erzgebirge nacharbeiten. Kämpfer selbst hat das Gehäuse mit Blattgold verziert, so wie sie im original war. „Das war eine sehr aufwendige Arbeit. Denn das Schmuckstück hat viele kleine Ecken und Verzierungen. Da war Geduld gefragt“, sagte Günter Kämpfer. Das Ziffernblatt ist aus Messing und hat Emailleziffern.

Der Roßweiner Bauingenieur nimmt an, dass die Uhr zwischen 1690 und 1710 gebaut worden ist und damit mindestens 305 Jahre alt ist. Und er macht eine Rechnung auf: „Ist die Uhr nur die Hälfte der Zeit, seit es sie gibt, gelaufen, dann wären das 56 575 Tage und damit 1 357 800 Stunden. Die Uhr hätte in diesem Fall 8 825 700 Mal geschlagen.

Der Ernte-, Dresch- und Handwerkertag in Schleinitz ist am Sonntag von 10 bis 17 Uhr.