merken

Sie trotzen dem Terror

Mehr als 50 000 starten am Sonntag beim New-York-Marathon – eine Woche nach dem Attentat.

Von Jochen Mayer

Die Welt dreht sich weiter, auch für die Läufer. Diejenigen, also die glücklichen, die eine Startnummer für das größte Rennen der Welt ergattert haben, die bekommen als Tipp von der offiziellen New-York-Marathon-Homepage mit auf den Weg: „Holt Euch die Startnummer schon am Freitag.“ Sonst wird es stressig in den ewig langen Warteschlangen am Sonnabend. 51 394 hatten im Vorjahr das Ziel im Central Park erreicht, ein ähnlich gewaltiges Feld ist auch dieses Jahr wieder in Manhattan unterwegs. Am Hudson-River wimmelt es in diesen Tagen von Läufern aus aller Welt, 2,5 Millionen Zuschauer sollen am Sonntag an der Strecke stehen.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Oppacher füllt Heimat in Flaschen ab und überzeugt seine Kunden mit regionalem Mineralwasser in ausgezeichneter Qualität.

Der New York Marathon – ausgetragen seit 1970 – ist immer emotional. In diesem Jahr herrschen aber ganz besondere Gefühle, weil genau eine Woche vor dem Massenlauf die Stadt von einem Attentat mit acht Todesopfern erschüttert wurde. Und schon in ersten Reaktionen mischte sich in die Trauer und das Entsetzen neben Wut auch Trotz. „Das ist ein sehr schmerzhafter Tag für unsere Stadt, aber die New Yorker werden sich nicht wegen eines Terroranschlags ändern“, formulierte Bürgermeister Bill De Blasio die Strategie zum Umgang mit dem Terrorismus.

Zusätzliches Sicherheitsprogramm

Das Stadtoberhaupt sagte aber auch, dass die Großveranstaltung „wie immer geschützt“ würde und es „zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen geben wird“. Dabei soll es sich beispielsweise um mehr sandgefüllte Lastwagen handeln sowie Scharfschützen, bewaffnete Teams, Polizeihunde und Hubschrauber. Diese Vorkehrungen gehören inzwischen zum Standardprogramm von Sportevents.

2013 war in den USA schon einmal ein Marathon zur Zielscheibe eines Attentats geworden. In Boston detonierten am Patriots’ Day im Zielbereich zwei in Rucksäcken versteckte Sprengsätze, drei Menschen starben nach den Explosionen, 264 wurden verletzt. Ein Polizist und ein Attentäter starben bei der anschließenden Fahndung bei Schusswechseln. Ein Attentäter ist inzwischen zum Tode verurteilt worden, das Urteil muss jedoch noch von einem Berufungsgericht bestätigt werden.

Doch ein Jahr nach den Schreckensbildern kehrte die Lebensfreude wieder zurück zum Marathon-Klassiker nach Boston. Die Opfer waren genauso wenig vergessen wie die mögliche Gefahr. Es gab eine Schweigeminute und trotzdem auch wieder die unzähligen Jubler über die großen wie kleinen Erfolgsgeschichten, die Bestzeiten und die Genugtuung die Strecke gemeistert und sich etwas bewiesen zu haben. Der Läuferalltag hatte Boston wieder.

Vor allem hatten aber alle Finisher bewiesen, dass sie dem Terror trotzen. „Man hätte kein besseres Drehbuch für diesen Tag schreiben können“, schwärmte damals Renndirektor Dave McGillivray im Ziel. Es war der Ort, an dem ein Jahr zuvor noch Panik und Chaos nach den Detonationen geherrscht hatten, Ärzte um das Leben von Verletzten kämpften.

In New York werden sich am Sonntag viele Gedanken um die Sicherheit machen. Trotzdem gehen wieder monumentale Bilder um die Welt, wenn auf zwei Etagen der Verrazano-Narrows-Brücke mehr als 50 000 losrennen. Die Kenianerin Mary Keitany hat dabei ein besonderes Ziel. Die Afrika-Rekordhalterin will zum vierten Mal in Folge dieses Rennen gewinnen, den 14 Jahre alten Streckenrekord von 2:22:31 Stunden brechen – auch dem Terror zum Trotz.