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„Sie waren allgemeingefährlich“

Mit 2,63 Promille rast ein Mann ohne Fahrerlaubis und Versicherung durch eine Gartensparte in Coswig, baut Unfälle und hat Glück, dass nicht noch mehr passiert.

© Polizei

Von Jürgen Müller

Meißen. Der 59-jährige Laubenpieper ist erschrocken. Auf dem schlechten Weg an der Coswiger Gartensparte kommt an jenem Augustabend vorigen Jahres ein Auto regelrecht angeschossen. Kurz danach hört der Mann einen Aufprall. Der Fahrer des Opel Astra hat einen Baum, eine Robinie, touchiert. „Ich wollte Erste Hilfe leisten, doch der Fahrer gab erneut Gas, fuhr weiter und prallte mit der rechten Seite des Autos auch noch gegen einen Betonpfeiler“, sagt der Zeuge. Danach legt der Fahrer den Rückwärtsgang ein und fährt davon.

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Noch etwa drei Kilometer ist er gefahren, bis ihn die Polizei stellt. Er sitzt im verbeulten Auto und weigert sich auszusteigen. Der Grund für die Amokfahrt ist klar. Der Mann hat 2,63 Promille Alkohol im Blut. Doch das ist noch längst nicht alles. Eine Fahrerlaubnis hat er nicht. Die wurde ihm schon vor Jahren wegen Trunkenheit entzogen. Trotzdem besitzt er ein Auto. Das ist allerdings weder angemeldet noch haftpflichtversichert. Und jetzt ist es Schrott.

Etwa fünf Wochen vor dieser Tat soll der 33-jährige Coswiger schon einmal betrunken mit einem Auto gefahren sein. Damals nahm er den Transporter seiner Familie, soll mit mehr als zwei Promille unterwegs gewesen sein. Zuvor war er bei einem Bekannten gewesen, hatte dort reichlich getrunken, sich danach ins Auto gesetzt. Doch nicht deswegen rief sein Trinkkumpan die Polizei, sondern weil der Angeklagte einen Selbstmord angedroht habe. Als die Polizei gegen Mitternacht an seiner Wohnungstür klingelt, liegt der Angeklagte schon im Bett. Die Motorhaube des VW-Transporters ist noch warm.

Der Angeklagte selbst will sich an beide Taten nicht mehr erinnern können. Er sei viel zu betrunken gewesen, sagt er. Zu der zweiten Tat mit dem Opel sagt er, dass er erst im Krankenhaus aufgewacht sei. Am nächsten Tag habe er erfahren, dass irgendwas passiert sein soll. Er habe einen „Filmriss“ und einen „Blackout“ gehabt. Schuld für die Trinkerei sei eine größere Ehekrise gewesen, sagt der Mann, der gar nicht verheiratet ist. Er habe Stress mit seiner Frau gehabt.

Damals habe er einen halben Kasten Bier und Wein jeden Tag getrunken. Damit sei es jetzt vorbei, nicht zuletzt, weil er durch den Alkohol bereits große gesundheitliche Probleme hat. Aber auch seine Lebensgefährtin hat ihm wohl die Pistole auf die Brust gesetzt, ihn zu verlassen, wenn er nicht mit dem Trinken aufhört.

Die Lebensgefährtin gibt als Zeugin eine schlechte Figur ab. Weil sie mit dem Angeklagten verlobt ist, muss sie vor Gericht gar nichts sagen. Sie will aber dennoch aussagen, ihn entlasten, lügt dabei aber derart plump, dass der Richter die Notbremse zieht. Er macht ihr klar, dass ihrem Lebensgefährten eine Geldstrafe droht, ihr aber bei einer uneidlichen Falschaussage eine Haftstrafe von mindestens drei Monaten.

Wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Fahrens ohne Fahrerlaubnis und ohne Haftpflichtversicherung und Unfallflucht wird der Coswiger zu einer Geldstrafe von 900 Euro verurteilt. Außerdem darf ihm frühestens nach zwei Jahren wieder eine Fahrerlaubnis erteilt werden. „Sie waren allgemeingefährlich und haben es nur dem Zufall zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist, Sie beispielsweise nicht spielende Kinder erwischt haben“, sagt der Richter. Und bleibt dennoch weit unter dem Antrag des Staatsanwaltes. Der hatte eine Geldstrafe von 3200 Euro und eine Fahrerlaubnissperre von drei Jahren gefordert.