merken

7 Maßnahmen gegen Lehrermangel

Mehr Stellen, höhere Gehälter, bessere Qualifikation: Sieben Schritte, mit denen der Freistaat neue Lehrer gewinnen und alte halten will.

© dpa

Andrea Schawe

Anzeige
Symbolbild Anzeige

NENA live am Lausitzring erleben

Sichern Sie sich jetzt Ihre Tickets für die "NICHTS VERSÄUMT OPEN AIR TOUR". Am 8. Juni 2019 am Lausitzring. 

Sachsen sattle jetzt auf im bundesweiten Wettbewerb um Lehrer, sagt Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU). Mit Investitionen von etwa 213 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren sollen mehr Lehrer für die Einstellung in den sächsischen Schuldienst gewonnen werden. „Gleichzeitig wollen wir die Leistungen der in Sachsen seit Jahren tätigen Lehrerinnen und Lehrer finanziell anerkennen und sie entlasten“, so Kurth. Die SZ stellt die Eckpunkte der Einigung vor.

Maßnahme 1: Mehr Geld für Ober- und Förderschullehrer

Oberschullehrer sollen von Beginn an höher eingruppiert werden – in die Entgeltgruppe 13. Die bisherige vierjährige Wartezeit fällt weg. „Die Gleichstellung der Oberschullehrer mit den Lehrkräften der anderen weiterführenden Schulen war lange überfällig und wird nun endlich vollzogen“, sagt Ursula-Marlen Kruse, die GEW-Landesvorsitzende. Auch Förderschullehrer verdienen ab 1. Januar mehr.

Eckpunkte des Maßnahmenpakets gegen den Lehrermangel

722 Stellen zusätzliche Lehrerstellen für die nächsten beiden Haushaltsjahre.

Lehrer an Ober- und Förderschulen sollen schneller höher eingruppiert werden. Bewerber aus anderen Bundesländern können bei Gehaltsunterschieden durch Zulagen einen Ausgleich erhalten.

Lehramtsanwärter bekommen einen Gehaltszuschlag von 390 Euro pro Monat, wenn sie sich verpflichten, später für vier Jahre in Sachsen zu arbeiten.

Ältere Lehrkräfte sollen durch eine gestaffelte Absenkung der Arbeitszeit gehalten werden. Außerdem können sie einen Zuschlag von bis zu 780 Euro kassieren, wenn sie über das 63. Lebensjahr hinaus arbeiten. Derzeit scheiden 90 Prozent der Lehrkräfte vor Erreichen des Rentenalters aus.

Die Bezahlung sogenannter Seiteneinsteiger wird verbessert. Künftig werden sie außerdem drei Monate auf den neuen Job vorbereitet und anschließend berufsbegleitend an einer Universität weiter qualifiziert

Das Regelstundenmaß von Grundschullehrern wird von 28 Wochenstunden auf 27 gesenkt.

Mehrarbeit wird künftig ab der ersten Stunde bezahlt. - Die Einführung von Arbeitszeitkonten soll eine individuell flexible Handhabung der Lebensarbeitszeit ermöglichen.

Durch Änderung der Hochschulzulassungsverordnung soll jungen Abiturienten aus Sachsen der Zugang zum Lehramtsstudium erleichtert werden. (dpa)

1 / 8

Maßnahme 2: Höhere Bezahlung für junge Lehrer

Um im Wettbewerb mit anderen Bundesländern um junge Lehrer bestehen zu können, sollen Lehramtsanwärter und Referendare 390 Euro mehr pro Monat bekommen – vorausgesetzt, sie verpflichten sich, nach einem erfolgreichen Abschluss für vier Jahre als Lehrer in Sachsen zu arbeiten. Junge Lehrer können mit bis zu 595 Euro mehr Gehalt rechnen, etwa wenn sie in einer Region oder einem Fach unterrichten, in dem Lehrer fehlen. Da müsse das Kultusministerium flexibel sein und Angebote machen. Auch Lehrer aus anderen Bundesländern, die nach Sachsen wechseln, können ab dem 1. Januar 2017 Zulagen in dieser Höhe erhalten.

Maßnahme 3: Bessere Qualifikation und mehr Geld für Seiteneinsteiger

Sachsen wird auch in den nächsten Jahren nicht ohne Seiteneinsteiger auskommen – weil Bewerber fehlen. In diesem Jahr wurden 700 Quereinsteiger eingestellt. Der Freistaat hat mit 45 Prozent bundesweit die höchste Quote. „Wir mussten sie dieses Jahr ins kalte Wasser werfen“, sagt die Kultusministerin. Das soll sich ändern: Seiteneinsteiger sollen eine dreimonatige Einstiegsfortbildung absolvieren, inklusive etwa 100 Stunden Hospitation bei erfahrenen Lehrern und Mentoren – bevor sie vor der Klasse stehen. Seiteneinsteiger, die etwa im August unterrichten sollen, werden schon im Mai eingestellt. Direkt danach sollen sich die Neulehrer berufsbegleitend an einer Universität weiterqualifizieren.

Um den Lehrerberuf attraktiver zu machen, werden Seiteneinsteiger in Zukunft auch besser bezahlt. Die Regierung erhofft sich davon, Akademiker in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik künftig leichter für den Lehrerberuf zu gewinnen.

Maßnahme 4: 722 zusätzliche Lehrerstellen

Die Einstiegsqualifizierung und die fachliche Begleitung für Seiteneinsteiger an den Schulen mache es notwendig die Zahl der Lehrerstellen zu erhöhen, so Brunhild Kurth. Es werden aber auch mehr Lehrer gebraucht, weil das Kabinett die Wochenstunden der Grundschullehrer von 28 auf 27 senken will. „Damit dieses nicht zu Lasten der Unterrichtsversorgung geht, werden die Lehrerstellen um insgesamt 722 Stellen für die nächsten beiden Haushaltsjahre erhöht“, so Kurth.

Maßnahme 5: Ältere Lehrer sollen länger arbeiten

Die Regierung will ältere Lehrer motivieren, nicht vorzeitig in Rente zu gehen. Derzeit scheiden neun von zehn Lehrern mit 63 Jahren aus dem Dienst aus. Deswegen soll in der entscheidenden Phase um das 63. Lebensjahr die Arbeitszeit gestaffelt gesenkt werden – um bis zu drei Unterrichtsstunden in der Woche. Lehrer, die über das 63. Lebensjahr hinaus arbeiten, können bis zu 780 Euro brutto mehr verdienen.

Maßnahme 6: Arbeitszeitkonten für Mehrarbeit

Lehrer können künftig freiwillig mehr arbeiten. Rund ein Drittel der 32 000 Lehrkräfte in Sachsen arbeiten in Teilzeit. Die Mehrarbeit wird finanziell voll ausgeglichen. Das gilt künftig auch für Vertretungsstunden, die ab der ersten Stunde bezahlt werden. Außerdem sollen für Lehrer freiwillige Arbeitszeitkonten geschaffen werden. Wie das umgesetzt werden kann, wird in einer Arbeitsgruppe mehrerer Ministerien geprüft.

Maßnahme 7: Entlastung der Schulleiter und Lehrer

Die Arbeitsbelastung für Lehrer und Schulleiter soll gesenkt werden. Das Kultusministerium will dazu bis zum Schuljahresende 2016/2017 Schulordnungen und zusätzliche Aufgaben in Dokumentation und Qualitätssicherung kritisch hinterfragen. Schulleiter werden in Zukunft besser bezahlt – damit soll das Amt attraktiver werden. Das Kultusministerium will außerdem ab dem nächsten Schuljahr für zwei Jahre den Einsatz von Schulverwaltungsassistenten erproben. Dazu sollen pro Landkreis oder kreisfreier Stadt drei Assistenten befristet eingestellt werden, die sich um administrative Aufgaben kümmern.