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Sieben tote Rehe in zehn Stunden

In der Region häufen sich Wildunfälle. Die Polizei rät zur Vorsicht – denn der Mai kommt erst noch.

© Julian Stratenschulte/dpa

Von Catharina Karlshaus

Landkreis Meißen. Sie sind wieder unterwegs: Rehe, Füchse, Wildschweine. Momentan kommen die Tiere besonders oft aus dem Wald – und kreuzen dabei die Straßen. Mit Folgen: Allein in der Nacht zum Dienstag ereigneten sich sieben Wildunfälle im Bereich des Polizeireviers Großenhain. Die traurige Bilanz: Sieben tote Rehe sowie rund 15 000 Euro Schaden innerhalb von nur zehn Stunden. Die beteiligten Autofahrer blieben glücklicherweise unverletzt.

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„Die Kürze der Zeit, in der sich die Unfälle ereigneten, lässt tatsächlich aufhorchen. Allerdings wissen wir aus den Vorjahren, dass gerade jetzt erst die kritische Phase beginnt“, sagt Marko Laske. Wie der Polizeisprecher betont, seien laut Statistik besonders April und Mai jene Monate, in denen ebenso wie im September und November die meisten Unfälle mit Wildtieren zu verzeichnen sind. Während im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion allein im April 2015 211 Zusammenstöße mit Reh oder Wildschwein registriert wurden, waren es im darauf folgenden Monat gar 243. „In den nächsten Wochen lauert also wirklich noch die eine oder andere Gefahr auf der Straße. Auch wenn den Autofahrern das nie so bewusst ist, weil sie Wildunfälle meist mit dem Herbst verbinden“, weiß Marko Laske.

Da die Tiere sich entsprechend ihrer Gewohnheiten zu bestimmten Zeiten auf die Pirsch begeben, könne man sich auch durchaus darauf einstellen. All jene, die ihren Weg zur Arbeit beispielsweise zwischen 5 und 6 Uhr zurücklegen, müssten unbedingt vorausschauend und vorsichtig fahren. Ebenso wie in den Abendstunden zwischen 21 und 22 Uhr passierten dann nämlich die meisten Unfälle. Während es zur Mittagszeit im gesamten vergangenen Jahr nur zu 15 Wildunfällen gekommen sei, ereigneten sich am frühen Morgen mehr als 250. Das bedeutet praktisch: „Wenn Wild zu sehen ist, sollte unbedingt der Fuß vom Gas genommen und das Licht abgeblendet werden. Auch lautes Hupen ist nicht falsch“, rät Marko Laske. Das Geräusch würde die Tiere – zumeist seien sie zu mehreren unterwegs – am ehesten vertreiben.

Schwerpunkt Frauenhain

Ausweichen sollten Autofahrer nur, wenn dies wirklich gefahrlos möglich ist. So traurig es für das Tier auch sei, müsse lieber der Aufprall mit ihm in Kauf genommen werden, als ein lebensgefährlicher Zusammenstoß mit einem Baum oder einem anderen Fahrzeug. – Dass viele Autofahrern eine unliebsame Begegnung mit einem Reh oder Wildschwein haben, weiß Jörg Köhler nur allzu gut. Der Vorsitzende des Jagdverbandes Großenhain kennt die Gepflogenheiten der Tiere: Die Rehe beispielsweise würden sich in der entbehrungsreichen Winterphase meist in größeren Gruppen, den sogenannten Sprüngen, zusammenschließen. 30, 40 Tiere befänden sich so manchmal auf einem Fleck. Ebenso die Wildschweine, die sich zusammenrotten. In diesen Tagen und Wochen lösten sich diese Gruppen nun wieder auf. Das Wild suche sich neue Plätze. Dass sie dabei keine Verkehrsregeln beachten, ist klar. Besonders dort, wo neue Verkehrswege entstanden seien, passierten häufiger Unfälle. Die Tiere – plötzlich aus einem Feld springend – wären noch nicht auf das Hindernis in der Landschaft eingestellt.

Schwerpunkte in der Region seien unübersichtliche, kurvenreiche Strecken oder die Bundesstraße 101 bei Stroga. „In meinem Jagdrevier, speziell an der Bundesstraße 101, gab es 2015 fünf Unfälle mit Füchsen und vier Zusammenstöße mit Rehen“, sagt Köhler. Darüber hinaus gebe es viele Wildunfälle auch an der neuen Umgehung der B 98 zwischen Wildenhain und Folbern und zwischen Schönfeld und Thiendorf.

Im Raum Riesa gibt es ebenfalls lokale Häufungsstellen, sagt Jörg Hauptvogel, Chef der Jägerschaft Riesa. „Dazu zählen die B 101 bei Frauenhain und die Straße von Tiefenau nach Riesa.“ Dort würden sich Wildunfälle geradezu ballen, weil rund um den benachbarten Schießplatz nur alle paar Monate gejagt werden dürfe.

Die Zusammenarbeit mit der Polizei klappe im Fall der Fälle aber gut, lobt Jörg Köhler. Der jeweilige Jagdpächter werde dann – gleich nun, ob am Tag oder in der Nacht – angerufen und über die Kollision mit Waschbär, Reh oder auch Dachs informiert. „Die Jäger kümmern sich um das verunfallte Wild und nehmen manchmal auch die Suche nach dem verletzten Tier auf.“ Nicht jedes sei nach dem Aufprall mit dem Fahrzeug gleich tot und schleppe sich schwer verletzt weiter. Die Jagdpächter suchten die Vierbeiner, um sie von ihren Leiden zu erlösen.

Damit es gar nicht erst zu Wildunfällen kommt, regen Jäger seit Jahren blaue Reflektoren an den Leitpfosten an. In Brandenburg habe sich das besonders in waldreichen Gegenden bewährt. (mit SZ/csf)