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Sieben Wochen Striezelmarkt?

Die Dresdner Tourismusbranche sucht Wege aus der Misere. Die Ausdehnung des weltberühmten Weihnachtszaubers soll helfen. Was halten Sie von der Idee?

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© Sven Ellger

Von Lars Kühl

Die Zahlen sind alarmierend. Dresden, einst touristisches Aushängeschild in Ostdeutschland, muss zusehen, wie die Konkurrenten vorbeiziehen. Zehn Prozent weniger Besucher im Juli, drei minus im August. Die Septemberwerte dürften kaum besser sein. Deshalb will die Branche handeln. Zusammen sucht die Tourismuswirtschaft jetzt Wege aus der Misere. Eine Idee wäre ein echter Paukenschlag.

Striezelmarkt: Eine Woche eher und zwei Wochen länger öffnen

Der Striezelmarkt soll verlängert werden. Die Touristiker wollen, dass er eine Woche früher öffnet. Die Ruhe am Totensonntag soll aber eingehalten werden. Damit nicht genug. Auch das Nachweihnachtsgeschäft soll angekurbelt werden, indem die Buden auf dem weltberühmten Markt bis zum 6. Januar stehen bleiben. Besonders für die zuletzt vermehrt ausbleibenden russischen Gäste wäre das interessant, da sie ihr Neujahrsfest später als in Deutschland feiern.

Das wäre ein großer Eingriff, obwohl die Öffnungszeiten über die Jahrhunderte immer mal wieder ausgeweitet wurden. Der erste Markt war 1434 noch ein eintägiger Fleischmarkt. Dann kamen zunächst weitere Waren wie der Striezel als Namensgeber hinzu, nach 1700 zusätzliche Verkaufstage. Schon zu DDR-Zeiten betrug die Dauer rund vier Wochen wie heute.

Demos: Pegida und dem Gegenprotest die Innenstadtplätze verweigern

Bevor es dazu kommt, wollen die Touristiker die Ursachen für den Besucherrückgang anprangern. Ihre Erkenntnis ist nicht neu. Aber die wöchentlichen Aufläufe im Zentrum, von Pegida und dem Gegenprotest, schrecken Touristen einfach ab, erklärt nicht nur Johannes Lohmeyer, der Vorsitzende des Dresdner Tourismusverbandes. Wenn sich dann auch noch die überregionale Presse auf das Thema stürzt, ist das Bild außerhalb Sachsens verzerrt. Minderheiten bekommen eine große Bühne in der Berichterstattung, anstatt ein mutiges Verbot zu kassieren. Denn das fehlt den Touristikern in Elbflorenz: politische Courage, rechte und linke Demonstrationen auch mal zu torpedieren, indem man Plätze dafür nicht freigibt. Leipzig und München haben es vorgemacht, sagt Marc Arendt, bei der IHK Vorsitzender des Fachausschusses Tourismus.

Veranstaltungen: Mehr Großkonzerte und Uraufführungen in die Stadt holen

Die Probleme auf der Straße sind die eine Seite, das Füllen des Veranstaltungskalenders eine andere. Vorstellbar ist, erfolgreiche Konzepte auszuweiten. Touristen, von denen die meisten nur einen Tag kommen, brauchen Anreize. Auch um länger zu bleiben. Das Königsufer wäre ein idealer Ort, nicht nur für die Filmnächte. In der Flutrinne sollen vermehrt Großkonzerte steigen, so wie bei Robbie Williams vor zehn oder bei AC/DC vor einem Jahr.

Für das neue Kulturkraftwerk wünschen sich die Touristiker nicht nur Altbewährtes, sondern auch Uraufführungen. Der Zwinger könnte längerfristiger für Veranstaltungen genutzt werden. Neu könnten auch große Konzerte unter freiem Himmel auf dem Neumarkt oder im Großen Garten sein. Mit der Philharmonie und der Staatskapelle Dresden sind erstklassige Künstler vor Ort. Etablierte Veranstaltungen, wie das Stadtfest, das Dixielandfestival, die Schlössernacht oder das Elbhangfest, könnten zum Beispiel mit verkaufsoffenen Sonntagen kombiniert werden. Die Liste ist lang, ein zentraler Ansprechpartner für die Veranstalter wäre wünschenswert, um die Termine zu koordinieren und die Orte zu vergeben. Der soll selbst auch Veranstaltungen in die Stadt holen.

Anreize: Bonuscard für Touristen mit Vergünstigungen ausgeben

Doch auch die „normalen“ Tage in Dresden sollen für Gäste attraktiver werden. Wenn sie schon Bettensteuer bezahlen, sollen sie auch Vergünstigungen bekommen. Deshalb soll eine Bonuscard eingeführt werden, mit der es umfangreiche Rabatte gibt.

Werbung: Neumarkt und Kongresszentren besser vermarkten

Neben Individualtouristen will die Branche künftig mehr Kongressbesucher nach Dresden holen. Dafür müsse aber geworben werden. Überhaupt soll die Landeshauptstadt mehr ins Marketing stecken. Ein Platz wie der Neumarkt mit seinem zunehmend geschlossenen Ensemble muss einfach mehr Touristen anlocken, erklärt Arendt.

Was halten Sie davon, den Striezelmarkt zu verlängern? Schreiben Sie uns: [email protected]