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Wirtschaft

Siemens liefert nach Australien

Der Konzern hat es sich nicht leicht gemacht. Chef Joe Kaeser traf sich sogar mit Umweltschützerin Neubauer. Doch am Ende haben die Proteste nichts genützt.

Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, hat sich nicht umstimmen lassen.
Joe Kaeser, Vorstandsvorsitzender von Siemens, hat sich nicht umstimmen lassen. © dpa

Von Teresa Dapp, Stefan Heinemeyer und Bernd Röder

München. Der Industriekonzern Siemens hält trotz Protesten von Klimaschützern an einer wichtigen Zulieferung für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien fest. Das teilte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser am Sonntagabend auf Twitter nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung mit. Siemens habe alle Optionen geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass man allen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen müsse.

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Bei der Kritik an dem Projekt in Australien geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt.

Ursprünglich wollte Siemens seine Entscheidung am Montag bekanntgeben. Kaeser hatte am Freitag gesagt, die Entscheidung sei nicht einfach. Es gebe unterschiedliche Interessenlagen – von Aktionären, Kunden und auch der Gesellschaft.

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Siemens-Chef Joe Kaeser hat Umweltschützerin Neubauer eine Rolle im Aufsichtsgremium bei Siemens Energy angeboten - sie hat eine andere Idee.

Klimaschützerin Luisa Neubauer reagierte verärgert auf die Entscheidung. „Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler“, sagte sie am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur. „Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen.“ Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutzabkommen zu übernehmen, gefährde Siemens das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen.

Kaeser hatte Neubauer am Freitag einen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy angeboten – ob im Aufsichtsrat oder einem Gremium wollte er ihr überlassen. Siemens will sein Energiegeschäft im Frühjahr abspalten und Siemens Energy bald an die Börse bringen.

Den Posten lehnte die 23-Jährige am Wochenende ab. Sie schlug stattdessen vor, ihn einem Wissenschaftler von Scientists for Future zu geben – einer Gruppe, die Fridays for Future unterstützt. „Mit dem Posten wäre ich den Interessen des Unternehmens verpflichtet und könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren“, sagte Neubauer.

Kaeser bedauerte die Entscheidung, lehnte Neubauers Vorschlag aber ab. Das sei „gut gemeint“, teilte er am Sonntag mit. „Aber Experten und Wissenschaftler haben wir schon genug.“ Seine Tür stehe weiterhin offen, sagte er mit Blick auf die Diskussion mit Neubauer.

Siemens will eine Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien zuliefern. Die Adani Group will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Nach Angaben von Neubauer hatte Siemens für das Adani-Projekt eine Schlüsselrolle. Zwei Firmen, die für den Auftrag auch infrage kämen, hätten schon abgesagt.

Kaeser kündigte am Sonntagabend zugleich an, ein wirksames Nachhaltigkeitsgremium schaffen zu wollen, um Umweltfragen in Zukunft besser zu managen. Bereits am Freitag hatte Kaeser sich dem eigenen Unternehmen gegenüber auch kritisch gezeigt: „Wir sehen, dass wir auch indirekte Beteiligungen bei kritischen Projekten besser verstehen und frühzeitig erkennen müssen.“ (dpa)