merken

„Sind Schüler ein Sicherheitsrisiko?“

Jürgen Gläsel sitzt im neuen Sicherheitsrat der Stadt. Im SZ-Gespräch erklärt er, warum er als Schulleiter dabei ist.

© Sebastian Schultz

Riesa. Seit September hat Riesa einen „kriminalpräventiven Rat“. Das Gremium soll Vorschläge und Maßnahmen erarbeiten, um die Sicherheit in der Stadt zu erhöhen. Mitglieder sind Personen, die tagtäglich mit Sicherheit und Ordnung in der Stadt zu tun haben – und ein Lehrer: Jürgen Gläsel, Leiter der Oberschule Am Merzdorfer Park.

Herr Gläsel, Sie sitzen neben dem Amtsgerichtsdirektor und Riesas Revierleiter im neuen Riesaer „Sicherheitsrat“. Warum sind Sie als Schulleiter dabei?

Anzeige
Draußen auch bei Eis und Schnee
Draußen auch bei Eis und Schnee

Während sich einige Tiere am liebsten ins warme Innengehege kuscheln, sind andere bestens gewappnet für winterliche Erkundungen in ihren Freianlagen.

In dem Gremium sind honorige Herren, die im weitesten Sinne beruflich mit dem Thema Sicherheit zu tun haben. Oberbürgermeister Marco Müller und ich gehören in diesem Kreis noch zu den Jüngeren. Die Perspektive auf Kinder und Jugendliche ist aber bei der Diskussion um Sicherheit ganz wichtig. Daher hat Herr Müller mich gefragt. Als Schulleiter habe ich doch noch einen kürzeren Draht zu dieser Generation.

Und die ist ein Sicherheitsrisiko?

Sagen wir so: Wenn ich abends, besonders am Wochenende, auf der Hauptstraße unterwegs bin, stehen da oft Gruppen von Jugendlichen. Sie hören laute Musik und trinken Alkohol. Ich kann es nachvollziehen, wenn das eine bedrückende Wirkung auf die Bürger auslöst. Straftaten passieren allerdings eher im privaten Bereich. Davon bekommen wir in der Schule meist gar nichts mit. Dennoch passiert es öfter, dass Schüler sich uns Lehrern anvertrauen. Die Probleme kann ich dann im kriminalpräventiven Rat aufgreifen. Aktuell treibt mich aber etwas anderes um, das eher in Richtung Ordnungswidrigkeit geht.

Und zwar?

Viele Schüler kommen mit dem Fahrrad zur Schule. Mir ist aufgefallen, dass viele kein Licht haben. Das ist natürlich auch ein Sicherheitsrisiko. Ich möchte erreichen, dass die Polizei mal zu uns kommt, um die Fahrräder zu kontrollieren. Gar nicht, um dann Bußgeldbescheide auszustellen, sondern, um auf den Missstand aufmerksam zu machen. Denn die Mahnungen eines Lehrers nutzen sich mit der Zeit ab. Daher ist es schön, wenn ab und zu mal andere Akteure sprechen. Ein ähnliches Gefahrenpotenzial sehe ich übrigens in den Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. An der Oberschule Am Sportzentrum ist die Lage wahrscheinlich noch drastischer als bei uns. Zum Teil blockieren die haltenden Autos sogar den morgendlichen Berufsverkehr. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis da etwas passiert. Da müssen wir unbedingt etwas tun. Auch hier könnte die Polizei Aufklärung leisten.

Welche Rolle spielen Drogen auf dem Schulhof?

Mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit kann ich sagen, dass Drogen auf dem Schulgelände keine Rolle spielen. Anderseits bin ich mir ebenso sicher, dass weiche Drogen von Schülern im privaten Bereich konsumiert werden, also Alkohol oder Marihuana. Dass Schüler aber harte Drogen nehmen, konnte ich bislang zum Glück nicht beobachten.

Warum halten Sie Riesas neuen Sicherheitsrat überhaupt für nötig?

Es gibt in der Bevölkerung den Wunsch nach mehr Sicherheit. Es gibt auch schon viele Bereiche, in denen etwas getan wurde. Ich denke da zum Beispiel an die Sicherheitswacht, die die Polizei unterstützt, aber auch an Prävention an den Schulen. Das waren bislang aber teilwesie isolierte Prozesse. In unserem Gremium laufen diese Stränge zusammen. Außerdem können sich Bürger an uns wenden, wenn sie sich, in welcher Situation auch immer, verunsichert fühlen.

Was haben Sie bislang erreicht?

Wir haben erst mal überlegt, wie wir zusammenarbeiten wollen. Dann hat uns Revierleiter Hermann Braunger mithilfe der Kriminalstatistik einen Überblick über die Situation vor Ort gegeben.

Was hat Sie überrascht?

Zum einen, dass man sehr aufpassen muss, wenn man Statistiken interpretiert. In einem Jahr gab es bei den Diebstählen einen exorbitanten Anstieg. Das ist allerdings nur auf die Buntmetalldiebstähle einer einzigen Person zurückzuführen. Das andere, was mich überrascht hat, war: Es gibt keinen Anstieg der Kriminalität in Riesa. Allerdings hat die Verrohung der Gesellschaft zugenommen. Wenn jemand, der in einen Unfall verwickelt ist, gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern oder sogar der Polizei handgreiflich wird, dann stimmt doch irgendwas nicht.

Das Gespräch führte Britta Veltzke.

Dem Rat gehören neben den genannten Personen auch noch Geert Mackenroth (MdL/CDU) und Bürgeramtsleiter Wolfgang Beckel an. Bürger können sich per E-Mail an das Gremium wenden: [email protected]