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Bischofswerda

Sind Schweizer Produkte wirklich besser?

Beim SZ-Gesundheitsforum zur künstlichen Hüfte in Bischofswerda gab es viele Fragen an Oberarzt Dr. Nitsche. Nicht nur zur eigentlichen Operation.

Oberarzt Dr. Rico Nitsche zeigt ein künstliches Hüftgelenk. Beim SZ-Gesundheitsforum am Mittwoch gab er Auskunft über diese Operation.
Oberarzt Dr. Rico Nitsche zeigt ein künstliches Hüftgelenk. Beim SZ-Gesundheitsforum am Mittwoch gab er Auskunft über diese Operation. © Steffen Unger

Bischofswerda. Rund 40 Besucher sind am Mittwoch zum SZ-Gesundheitsforum ins Krankenhaus Bischofswerda gekommen. Unter ihnen ist ein Endsiebziger, der sich in wenigen Tagen in der Chirurgischen Klinik eine künstliche Hüfte einsetzen lassen wird. Ein Bekannter habe ihn gefragt, wieso er nach Bischofswerda gehe, berichtet der Gast. Anderswo würden Schweizer Implantate genutzt, die angeblich besser seien. Ist das so?, möchte er vom Referenten Dr. Rico Nitsche wissen. Die Antwort des Mediziners wird der Mann wenige Minuten später mit einem freundlichen Dankeschön quittieren und sogleich den Satz nachschieben: „Da bin ich beruhigt.“

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Hinsichtlich der Qualität von Endoprothesen gebe es von den Firmen keine Unterschiede, sagte Dr. Rico Nitsche, Oberarzt für Unfallchirurgie, auf die Frage. Für Medizinprodukte gelten in Deutschland hohe Qualitätsstandards und ein strenges Genehmigungsverfahren, ehe ein Produkt auf den Markt kommt. Auch dafür wurde auf Bundesebene das Institut für Arzneimittel und Medizinprodukte geschaffen. Doch es ist auch allgemein bekannt, dass Kliniken untereinander im Wettbewerb stehen. Manche werben mit Schweizer Firmen.

Mehr als 25 Jahre Erfahrung

Beim Thema künstliche Hüfte können die Ärzte im Krankenhaus Bischofswerda auf eine über 25-jährige Erfahrung verweisen. 1993 setzten hiesige Chirurgen erstmals einem Patienten ein künstliches Hüftgelenk ein. Fünf Jahre später folgte das erste künstliche Kniegelenk. 2010 wurde in Bischofswerda das Gelenkzentrum gegründet. Seit 2014 gehört die Einrichtung zu den wenigen in Ostsachsen, die als Endoprotetikzentrum zertifiziert sind. Im vergangenen Jahr erhielten 204 Patienten im Krankenhaus Bischofswerda ein künstliches Hüftgelenk. Deutschlandweit gibt es jährlich rund 200 000 solcher Operationen.

Wann sollte operieret werden? Dann, wenn konventionelle Therapien, wie Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente und Physiotherapie, erschöpft sind, und ein Patient aufgrund von Schmerzen und/oder Bewegungseinschränkungen in seiner Lebensqualität stark eingeschränkt ist. Doch nicht das Röntgenbild entscheidet, wann operiert wird, sondern der Leidensdruck des Patienten, betonte Dr. Rico Nitsche in seinem Vortrag. Ärzte können immer nur eine Empfehlung geben. Entscheiden muss der Patient selbst. – Hauptursache für Probleme mit dem Hüftgelenk ist die Arthrose, der Gelenkverschleiß. So gut wie jeder Mensch, der das 75. Lebensjahr erreicht, sei von Arthrose betroffen, sagte der Arzt. Doch nicht in jedem Fall hat diese gesundheitliche Probleme zur Folge. Eine gute Möglichkeit, seine Gelenke zu schonen und vorzubeugen, ist, auf sein Körpergewicht zu achten bzw. es bei Übergewicht zu reduzieren.

Aufstehen schon zwei Tage nach der Operation

In seinem Vortrag erläuterte Dr. Rico Nitsche auch den Weg zur Operation. Patienten müssen sich in der Chrurgischen Klinik zunächst für die OP-Sprechstunde anmelden. Dafür benötigen sie einen Einweisungsschein ihres Hausarztes oder eines Facharztes. Wenn vorhanden, sollten sie auch Röntgenbilder mitbringen. Bei dieser Sprechstunde im Krankenhaus erfolgen die Absprachen, und ein OP-Termin wird vereinbart. Einen Tag vor der Operation kommen die Patienten ins Krankenhaus. An diesem Tag finden alle vorbereitenden Untersuchungen statt. Die Operation selbst dauert ein bis zwei Stunden. Am zweiten Tag nach der OP stehen die Patienten bereits auf und beginnen, mit den Bewegungsübungen. Zehn bis zwölf Tage dauert der Krankenhausaufenthalt bei einer Hüft-OP, danach gibt es die Reha.

Ziel der Operation ist es, einem Menschen Lebensqualität zurückzugeben, indem er das Hüftgelenk wieder uneingeschränkt bewegen kann und im Idealfall schmerzfrei ist. Es gibt für die Operation keine Altersgrenze, sagte Dr. Rico Nitsche auf die Frage eines Besuchers, bis zu welchem Alter man operiere. Zwei bis vier Wochen beträgt die Wartezeit auf einen Termin für die OP-Sprechstunde. Ebenso lange wartet man anschließend auf die Operation. Im Sommer ist diese Zeit kürzer. Denn da lassen sich weniger Leute operieren.

OP-Sprechstunde:  Telefon 03594 7873123