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Sittenwidrigkeit im Radebeuler Bilzbad

1907 wurde das Bad an Sonn- und Feiertagen geschlossen, nachdem sich Badegäste nackt gezeigt hatten. Am Sonnabend wird dort groß gefeiert.

© Norbert Millauer

Genau 110 Jahre ist es her, als das Bilzbad zum ersten Mal wiedereröffnet wurde. Ein Jahr zuvor, nämlich „am 10. August 1907 zeigte der Oberschutzmann Petzold in Kötzschenbroda dem dortigen Gemeindevorstand an, Bilz habe am 8. August ohne vorgängige polizeiliche Erlaubnis ein Kinderfest veranstaltet.“

Wie es in den Unterlagen des Radebeuler Stadtarchivs weiter heißt, sollen dabei „Männer nach Benutzen des Teiches zum Teil einen sittenverletzenden Anblick […] gewährt haben.“ Weitere alarmierende Vorwürfe lauteten dahingehend, dass mehrere Frauen mit „die Brüste freilassenden Badeanzügen bekleidet gewesen“ seien, während ein Mädchen von 16 Jahren sich „ihres nassen Badeanzuges entledigt [habe], ohne sich in das übrigens viel zu kleine Badetuch einzuhüllen“.

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Der Kötzschenbrodaer Gemeindevorstand verfügte daraufhin am 20. August 1907 die Schließung des Familienbades an Sonn- und Feiertagen. Ein Sturm der Entrüstung brach los. Unter anderem verabschiedeten mehr als 300 „Besucher und Stammgäste des Bilzschen Licht- und Luftbades für Frauen und Männer“ am 10. Oktober während einer Protestversammlung in Dresden eine Resolution, in der sie darlegten, dass sie „an sich und ihren Kindern die günstigen Wirkungen des Luftbades für Körper und Seele kennen gelernt haben“, die Maßregel zudem zu Unrecht mit sittlichen Bedenken begründet sei und den meisten von ihnen außerdem „nur der Sonntag bleibt, an dem sie sich ihrer Familie widmen könnten“.

Da Eduard Bilz sich weigerte, eine Strafe zu zahlen, musste schließlich das Königliche Oberverwaltungsgericht entscheiden und hob mit seinem Urteil am 4. April 1908 die Schließung wieder auf.

Das ist ein Glück, denken sich die mehr als 30 000 Besucher, die jährlich in die Wellen des Freibades springen können. „Und dies ist nicht nur für die Seele gut, sondern das Schwimmen im künstlichen Wellengang hat zugleich einen tollen Massageeffekt“, weiß Heidelore Geistlinger, Ehrenvorsitzende des Bilz-Bundes für Naturheilkunde e.V.

Am 2. Juni laden die Stadtbäder und Freizeitanlagen GmbH Radebeul und der Bilz-Bund für Naturheilkunde ab 14 Uhr ins Bad in den Lößnitzgrund ein, um in Bilz’scher Manier zu feiern. Der Eintritt ab 14 Uhr ist frei. Geboten wird ein buntes Programm mit Live-Musik, spannenden historischen Reminiszenzen und Mitmachaktionen: von der Bilzgymnastik bis zum Show Act der Rhythmischen Sportgymnastik. Im Rahmen der Veranstaltung werden außerdem verdiente Ehrenamtliche im Radebeuler Sport für Ihre Arbeit im Verein gewürdigt.

Auch in diesem Jahr wird es wieder einen historischen Kostümwettbewerb geben. Bei diesem kann (Bade-)Bekleidung aus alten Zeiten präsentiert und mit ein bisschen Glück prämiert werden. Gegen 18 Uhr rundet ein Vortrag über die Entwicklung seit Ersterscheinung des Bilz-Buches vor 130 Jahren das Programm ab. Das Fest endet mit Badschluss um 19 Uhr. (SZ)