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Abruptes Ende für Skaterareal

Der „Trini“ an der Gerokstraße ist plötzlich Geschichte. Alternativen sind gefragt, aber rar. 

Blick auf den mittlerweile nicht mehr vorhandenen Skaterpark. © Thomas Schulze

Ein Sturz auf diesen Beton bedeutete immer gleich „Blut, Schmerz und Zerstörung“, sagt Steffen Krones. Doch obwohl der Platz an der Gerokstraße so rau war, trauern er und andere Skater ihrem „Trini“, unweit der Trinitatiskirche, jetzt hinterher. Nicht nur, dass der Platz am Rande der großen Brachfläche fast zehn Jahre lang für sie ein wichtiger Treff- und Trainingspunkt war. Die Skater haben ihn quasi selbst erschaffen. Mit Schaufel und Gießkanne haben sie viele Elemente in schweißtreibender Arbeit aufgebaut – und dabei teilweise sogar Hilfe von Skatern aus dem Ausland gehabt.

Denn was viele Johannstädter vermutlich nur als Treffpunkt skatender Jugendlicher wahrgenommen haben, hat in der internationalen Skaterszene durchaus für Aufsehen gesorgt. „Viele Profiteams kamen vorbei, wie Carhartt Europe oder Adidas International“, sagt Steffen Krones. Doch das ist nun Geschichte. Die Skater wussten, dass sie auf der Fläche, die einem Privateigentümer gehört, stets nur geduldet waren. Eine offizielle Genehmigung oder gar einen Vertrag hatten sie dafür nicht. Nun wurden eines Abends Tatsachen geschaffen, als die Bagger binnen zwei Stunden die Betonelemente zerstörten. Und auch die restliche Fläche wurde von allem befreit, was sich über das Niveau des Erdbodens erhoben hat.

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Markus Weber, Chef des Skatevereins „248 Wheels“ hatte noch vor der Abrissaktion von den Plänen erfahren und versucht, zu intervenieren. Beim Eigentümer, einer Berliner Entwicklungsgesellschaft, konnte er niemanden erreichen. Nur von den Bauarbeitern wussten die Skater, dass wohl die Beräumung des illegal abgelagerten Sondermülls auf der gesamten Brache den Eigentümer jedes Jahr viel Geld kostet. Und, dass das Müllproblem mit der Beräumung nun unterbunden werden soll.

Die Vereinsmitglieder hatten noch gehofft, mit einem Konzept überzeugen zu können. Den eigenen Müll haben sie schon lange selbst entsorgt. Nun wollten sie laut Weber die Fläche gern pachten. Zumindest so lange, bis der Eigentümer diese weiterentwickelt. Laut Stadtverwaltung ist eine gemischte Nutzung von Wohnen und Gewerbe vorgesehen. Genaueres ist der Verwaltung jedoch nicht bekannt. Markus Weber hat keine Antwort vom Eigentümer erhalten. Auch die Anfrage der Sächsischen Zeitung bleibt unbeantwortet.

Bagger bestimmen das Bild auf dem früheren Skaterpark © Thomas Schulze

Die Skater müssen sich nun zunächst mit den anderen Flächen in der Stadt begnügen. Diejenige an der Lingnerallee ist laut Steffen Krones wegen der eingebauten Elemente nicht optimal geeignet – und oft stark überfüllt. Als neues Skateareal sollte eigentlich eine Fläche unter der Waldschlößchenbrücke eingerichtet werden. Doch beim städtischen Straßen- und Tiefbauamt kommen die jungen Männer nicht weiter. Ein wenig Frust schwingt mit. Skaten sei mittlerweile olympische Disziplin, aber „wir haben hier nichts außer baufällige Lego-Parks. Ich kann nur hoffen, dass Dresden uns irgendwann mal zuhört“, sagt Krones.

An anderer Stelle ist das durchaus schon geschehen. So unterstützt der städtische Eigenbetrieb Sport die Skater mit ihrer alten Halle in Reick. Bis zu 90 Prozent der Miete und somit umgerechnet fast 2000 Euro Fördermittel monatlich gibt es laut Weber von der Stadt. Damit kommen die mehr als 80 Vereinsmitglieder erst einmal über den Winter. Außerdem sei ihnen signalisiert worden, dass die Stadt auf einer noch zu entwickelnden Fläche in fünf bis sechs Jahren eine neue Skaterhalle errichten will. Über die Details darf Weber nicht sprechen. Die Presseanfrage bleibt von der Verwaltung unbeantwortet.

Jetzt hoffen die Skater zunächst weiter, dass es noch mit der Fläche unter der Waldschlößchenbrücke klappt. Die ist laut Filmemacher und Skater Sebastian Linda optimal geeignet. Doch das Straßen- und Tiefbauamt würde dem Thema recht pessimistisch begegnen. „Es wird dann angenommen, dass wir Glasflaschen auf den Flächen zerschlagen. Aber warum sollten wir das tun? Ganz im Gegenteil. Wir wollen doch nur fahren“, sagt er.

Der 34-Jährige hat Beruf und Hobby in Dresden schon für mehrere Filme zusammengeführt. In einigen hat er auch dokumentiert, wie der Skatealltag auf dem „Trini“ in der Johannstadt abgelaufen ist. „Viele Kinder aus dem Viertel haben dort auch das Skateboardfahren gelernt“, sagt Linda melancholisch.