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Bob-WM 2020

Skeletonis räumen in Altenberg alles ab

Drei deutsche Männer gewinnen bei der Heim-WM die Medaillen im Hundertstelsekunden-Takt. Lokalmatador Axel Jungk ist im Gefühlschaos.

Axel Jungk (links), Christopher Grotheer (Mitte) und Alexander Gassner haben das Podest bei der Skeleton-WM in Altenberg für sich allein.
Axel Jungk (links), Christopher Grotheer (Mitte) und Alexander Gassner haben das Podest bei der Skeleton-WM in Altenberg für sich allein. © dpa/Sebastian Kahnert

Sportsprache ist oft mit Sprachbildern gewürzt, die häufig abgegriffen sind. Was am Freitag im Altenberger Kohlgrund bei der Skeleton-Weltmeisterschaft passierte, das war auf gut Sportdeutsch ein Wimpernschlagfinale. Aber wie lange dauert denn so ein Wimpernschlag im Normalfall? Die Medaillen wurden garantiert in viel kürzerer Zeit verteilt - innerhalb eines Abstandes von minimalen fünf Hundertstelsekunden. Der Oberhofer Christopher Grotheer gewann mit zwei Hundertstel Vorsprung vor Lokalmatador Axel Jungk vom BSC Sachsen Oberbärenburg. Und weitere drei Hundertstel dahinter bekam der Winterberger Alexander Gassner Bronze. Einen Dreifach-Triumph bei Weltmeisterschaften war deutschen Männern noch nie gelungen.

Als großer Gewinner durfte sich Jungk fühlen, der dreimal Laufbestzeit gefahren war und nur durch Fehler im zweiten Auftritt am Donnerstag den Titel verspielte. Nach dem ersten Tag hatte der 28-Jährige auf Rang drei gelegen. „Zwei Hundertstel sind ärgerlich. Es wäre schön gewesen, wenn es null gewesen wären“, sagte er. „Christopher hätte wegen mir mit einer Sekunde Vorsprung gewinnen können. Aber so knapp – das tut weh. Andererseits bin ich der Zweitbeste der Welt. Das ist auch eine geile Sache.“

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„Ich habe den zweiten Lauf verschissen“

Als Führender verfolgte Jungk die letzte Fahrt von Grotheer. Die Zeitdifferenz zwischen beiden wechselte mehrfach zwischen Grün und Rot. Er lag knapp vorn und wieder hinten. Das sorgte für ein emotionales Feuerwerk bei Jungk. „Ich konnte nicht hingucken und nicht weggucken“, beschrieb er die spannenden Sekunden vor der Entscheidung. Er hatte sich tatsächlich umgedreht, kurz gegen die Werbe-Bande geboxt, wieder durch die Finger auf den Bildschirm geblinzelt und die Hände vor das Gesicht gehalten. „Es waren extreme Momente“, sagte Jungk.

Vor der WM hätte wohl niemand einen solch überragenden Auftritt der deutschen Männer für möglich gehalten. Der Titelverteidiger Martins Dukurs aus Lettland hatte enorme 0,57 Sekunden Rückstand auf den Sieger. Doch Jungk verriet im Ziel sein eigentliches Vorhaben: „Natürlich wollte ich auf meiner Heimbahn Gold gewinnen, selbst wenn ich das nicht laut gesagt habe. Silber ist aber auch schön. Die Fans freuen sich.“ Er weiß, dass er es selbst in der Hand hatte. „Wenn ich viermal Topläufe abrufe, hat keiner eine Chance“, kommentierte er seinen Auftritt selbstkritisch. „Doch ich habe den zweiten Lauf verschissen. Christopher hat viermal abgeliefert. Deshalb geht das Ergebnis so in Ordnung.“

Erst Absteiger, dann Nachrücker, schließlich Weltmeister

Zweitbester Deutscher zu sein, das hatte noch eine Konsequenz. Die beiden Besten dürfen im erstmals ausgetragenen Mixed-Team-Event am Sonntag antreten. „Zu dieser WM-Premiere will ich noch einmal angreifen“, sagte der Pilot mit dem enorm großen Fanklub, der am Freitag viel Grund zum Jubeln hatte.

Ein bemerkenswertes Saison-Happy-End gelang Grotheer. Nach dem Saisonabstieg vom Welt- in den zweitklassigen Intercontinentalcup, Selbstzweifeln über sich und das Material, Auf- und Abrüsten beim Körpergewicht, einer internen Selektion um den WM-Startplatz hatte er seine Linie und das Selbstvertrauen wieder gefunden. Die Altenberger Bahn liegt ihm. Da wurde er Junioren-Weltmeister und gewann 2017 sein bisher einziges Weltcuprennen mit Bahnrekord. Den hatte der gebürtige Wernigeroder am Donnerstag erneut verbessert – im Lauf, der Jungk überhaupt nicht gelungen war.

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Nach den ersten beiden Frauen-Rennen führt überraschend deutlich Marina Gilardoni. Die Schweizerin, die am Mittwoch ihren 33. Geburtstag feiert, raste mit zweimal Laufbestzeit durch die Bahn im Kohlgrund. Die zweifache Junioren-Weltmeisterin als Bob-Anschieberin, die seit 2010 solo auf dem Skeleton unterwegs ist, hatte in diesem Jahr in Sigulda mit EM-Silber ihre erste bedeutende Medaille gewonnen. Sie führt bereits mit 0,63 Sekunden vor Favoritin Tina Hermann, der amtierenden und fünffachen Weltmeisterin vom Königssee. Die WM-Zweite Jacqueline Lölling aus Winterberg liegt mit schon 1,11 Sekunden Rückstand auf Rang fünf.

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