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Skibergsteiger brauchen keinen Sessellift

Immer mehr Menschen zieht es in den Tiefschnee und auf unpräparierte Pisten - die Sportart Skibergsteigen kombiniert beides. Die Lawinengefahr lauert aber stets, auch jetzt bei der WM.

© Willi Seebacher/DAV/dpa

Teresa Tropf

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Verbier. Beim Skifahren bequem den beheizten Sessellift benutzen? Für Skibergsteiger unvorstellbar. Auf perfekt präparierten Pisten den Hang hinunterrasen? Langweilig. Den Aufstieg ohne technische Hilfe und die Abfahrt durch unberührten Tiefschnee haben Skibergsteiger als Kombi-Sportart perfektioniert. „Das ist eigentlich der Ursprung des alpinen Skilaufs“, sagt Josef „Seppi“ Rottmoser. Der 24-Jährige ist das älteste Mitglied des fünfköpfigen deutschen Teams bei der am Freitag startenden WM im Schweizer Verbier.

Die kleine, aber ambitionierte National-“Mannschaft“ ist eine vom Deutschen Alpenverein (DAV) nominierte Gruppe von Hobbyathleten. Ein Frauen-Team gibt es gar nicht. „Das zeigt vielleicht auch, dass es ein wirklich harter Sport ist“, urteilt Rottmoser. Man braucht eine starke Kondition für die Aufstiege, die teils mit den Skiern auf dem Rücken im Bergsteigmodus absolviert werden, und muss bei Strecken mit bis zu 85 Prozent Gefälle gleichzeitig ein Top-Skifahrer sein.

Bis zum 12. Februar messen sich in fünf Disziplinen neben dem Rosenheimer Rottmoser auch seine zwei Berchtesgadener Mitstreiter Toni Palzer und Cornelius Unger, Alexander Schuster aus Trostberg sowie Toni Lautenbacher aus Bad Tölz bei den Titelkämpfen.

Der etwa zweistündige Individual-Wettbewerb besteht laut der International Skimountaineering Federation (ISMF) aus mehreren Aufstiegen und Abfahrten, bei denen bis zu 2 000 Höhenmeter überwunden werden müssen. Das Vertical ist ein reines Aufstiegsrennen. Beim Sprintrennen gilt es, rund 100 Höhenmeter in etwa drei Minuten zu überwinden. Dazu kommt noch der Teamwettbewerb, der an ein Individual erinnert, aber zu zweit absolviert werden muss. In der Staffel starten vier Läufer bei einem dem Sprint ähnlichen Rennen.

Eine große Medaillenhoffnung ist in den Schweizer Alpen auch der 21-jährige Palzer als zweifacher Weltmeister im Nachwuchsbereich. „Wir wollen uns in der Mannschaftswertung einen Top-drei-Platz sichern“, sagt Matthias Keller, Leistungssport-Leiter beim DAV.

Rottmosers Paradedisziplin als Welt- und Europameister ist der Sprint. „Da hoffe ich, dass eine Medaille rausspringt“, meint er. Ob man auch im Team einen Podestplatz ergattern könne, hänge von den Gegebenheiten vor Ort ab. „Aber wir sind auf jeden Fall gut aufgestellt und hoffen, dass zumindest eine Bronzene rausschaut.“

„Ich wusste gar nicht, dass es das gibt“

Seit neun Jahren betreibt er Skibergsteigen wettkampfmäßig. „Davor wusste ich nicht, dass es das überhaupt als Wettkampfsport gibt“, sagt er. Von Skitour-Kollegen habe er es schließlich erfahren - und landete prompt im Nationalkader. Wie ihm dürfte es vielen Deutschen gehen: Skibergsteigen als Wettkampfdisziplin ist eher unbekannt. Der Breitensport erfährt zwar mehr und mehr Zulauf, im Spitzensport sind die Strukturen dagegen noch stark ausbaufähig. Rottmoser macht nebenher den Meister zum Landschaftsgärtner.

„Es ist eben nicht der typische Jugendsport. Viele Eltern haben Zweifel, ihr Kind das machen zu lassen“, sagt Rottmoser. Die Lawinengefahr im Tiefschnee ist stets präsent. Jede Unglücksmeldung sei Negativwerbung für den Sport. „Vor wenigen Jahren ist ein Kollege beim Skibergsteigen tödlich verunglückt. Da bin ich noch mehr zum Überlegen gekommen, ob man das Risiko eingeht oder nicht“, sagt er. Zur Pflichtausstattung im Wettkampf gehören immer auch eine Schaufel und eine Lawinensonde.

Trotz oder gerade wegen des fatalen Nervenkitzels im Pulverschnee habe der Sport „enormes Potenzial“, behauptet Rottmoser. Die ISMF plant gar die Aufnahme der Sportart ins olympische Programm. 2022 sei ein „realistisches Ziel“, meint DAV-Mann Keller. Noch aber fehlt es an vielem: Bei der vergangenen EM musste im deutschen Team gar ein Betreuer einspringen, damit eine Staffel komplett wurde. (dpa)

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