merken

Smartphones streng verboten

Fast allen Schülern graut es vor Klassenarbeiten und Prüfungen. Da ist die Versuchung noch immer groß, sich mit Spickzetteln oder moderner Technik zu helfen.

© dpa

Von Ralf Hübner

Vater, Mutter und Kinder

sind eine wunderbare Kombination. Sie kann viel Spaß machen, aber auch Arbeit und Ärger. Tipps, Tricks und Themen zu allem, was mit Familie und Erziehung zu tun hat, gibts in einer besonderen Themenwelt von sächsische.de.

Dresden. Der verstohlene, schnelle Blick auf das Blatt des Banknachbarn oder auf einen heimlich gezückten kleinen Zettel - das sind an Sachsens Schulen noch immer die häufigsten Formen unerlaubten Abschreibens bei Klassenarbeiten und Prüfungen. Vor allem die älteren Klassen-Jahrgänge spicken oft, hat Brigitte Latzko von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig bei Studien herausgefunden. Auch das Smartphone oder Smartwatches werden gern zum Schummeln genutzt und sind bei Klassenarbeiten verboten, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa an Schulen ergab.

Latzko zufolge ist das Verhalten der Lehrer entscheidend. „Wenn sie den Schülern eindeutig zu verstehen geben, dass sie unsaubere Methoden ächten, wird weniger gespickt.“ Manche empfänden Spicken jedoch als normal, nach dem Motto man dürfe sich nur nicht erwischen lassen. Dabei sei es wichtig, bei Schülern auch mit moralischen Argumenten gegen den Leistungsbetrug vorzugehen. „Aus Schülern werden Studenten. Und dann geht es nicht mehr ums Spicken, sondern um Plagiatsvorwürfe.“

„Spicken ist nicht zulässig und das Smartphone ist da nur eine neue Variante“, sagt der Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung, Roman Schulz. Die Schüler würden belehrt, dass Smartphones bei Klassenarbeiten nichts zu suchen hätten. Aber klar sei auch: „Seit es Schule gibt, versuchen Schüler die Lehrer zu überlisten.“ Früher sei es möglicherweise der Spickzettel unter dem Minirock der Mädchen gewesen oder ein speziell präparierter Kugelschreiber, jetzt möglicherweise das Smartphone.

Smartphones sind auch am Sächsischen Landesgymnasium für Hochbegabte Sankt Afra in Meißen generell verboten. Kontrollen gebe es zwar nicht, die Jungen und Mädchen würden aber eindringlich belehrt, heißt es. Spickzettel würden da wohl noch länger genutzt. Sie seien weniger auffällig als ein Smartphone, ließen sich in Hosentaschen leicht verstecken.

Schulleiterin Ulrike Ostermaier sieht in Spickzetteln sogar ein „hervorragendes pädagogisches Mittel“ - solange die Zettel am Ende ungenutzt zu Hause bleiben. „Sie dienen dem Schüler zur Vorbereitung. Er muss den Stoff komprimiert zusammenfassen.“

Sehr viel mehr Kopfzerbrechen bereitet es den Lehrern am Landesgymnasium, wenn ihre Schüler Smartwatches am Handgelenk tragen, die Uhr und Computer in einem sind. „Diese erwecken den Eindruck, der Schüler schaut nur auf die Uhr. Ein Betrugsversuch oder Betrug ist da nur schwer nachzuweisen.“ Die Lehrer hätten sich dazu zwar besprochen, es gebe aber noch keine eindeutige Festlegung, heißt es.

Am Gymnasium Dresden-Klotzsche müssten Smartphones vor einer Klassenarbeit abgegeben werden“, berichtet der Schulleiter Frank Haubitz. „Die kommen in eine große Kiste auf dem Lehrertisch.“ Bei Abitur-Arbeiten sei das Verbot besonders streng. Da werde es schon als Betrugsversuch gewertet, wenn jemand ein Smartphone noch bei sich trägt. Haubitz erinnert sich an einen Fall, als bei einer solchen Prüfung bei einem der Schüler plötzlich das Telefon geklingelt habe. „Der war aus der Prüfung raus“, sagt Haubitz.

Das Spicken mit einem Smartphone falle schon wegen dessen Größe viel schneller auf als die klassischen Methoden, bestätigt der Sprecher des Landesschülerrates, Leonard Kühlewind. Aus Sicht des Landesschülerrates könnte jedoch zumindest eine partielle Verwendung des Smartphones bei Prüfungen durchaus sinnvoll sein und sollte überlegt werden. „Wir und auch immer mehr Lehrkräfte halten das Verbot nicht mehr für zeitgemäß“, kritisiert Kühlewind. „Stupides Auswendiglernen ist keine zielführende Vorbereitung auf das Erwachsensein mehr.“ Es sei durch den selbstverständlichen Zugang zu unbegrenzten Informationen über das Internet nebensächlich geworden. Das Smartphone solle deshalb als „Chance zur individuellen Erarbeitung“ begriffen werden, sagt Kühlewind. (dpa)