merken

So ein Namens-Chaos

In den Ortsteilen wird derzeit die Umbenennung von Straßen diskutiert. Böhla und Kraußnitz sperren sich aber noch.

© Anne Hübschmann

Von Manfred Müller

Schritt für Schritt

Gerne an der frischen Luft und immer in Bewegung? Wanderwege, Tipps und Tricks finden Sie hier.

Schönfeld. Die Dorfstraße gibt es gleich dreimal, die Großenhainer, Ortrander und Ponickauer Straße doppelt. Das führt in der Gemeinde Schönfeld dazu, dass die Postzusteller oft Sendungen in den falschen Briefkasten werfen oder auf der Suche nach der richtigen Adresse in den Ortsteilen umherirren. Auch die Rettungsdienste haben Probleme mit solchen Mehrfachnamen. Und private Besucher werden von ihren Navigationssystemen oft fehlgeleitet. Deshalb will die Kommune in diesem Jahr Nägel mit Köpfen machen und mindestens sechs Straßen umbenennen. Die Diskussion ist zurzeit in vollem Gange.

In der Regel soll es diejenigen Straßen treffen, auf denen die wenigsten Leute wohnen. Aber bei manchen gibt es gute Gründe, von diesem Prinzip abzuweichen. An der Großenhainer Straße in Schönfeld zum Beispiel leben 186 Einwohner, auf der gleichnamigen Straße in Kraußnitz hingegen nur 18. Aber hier gibt es ein Kuriosum: Kraußnitz ist unmittelbar mit der Stadt Ortrand verbunden – die Gemarkungsgrenze verläuft in der Mitte der Großenhainer Straße. Wollte man hier eine Umbenennung vornehmen, müssten die Ortrander mitziehen. Da aber etliche Wohnblöcke davon betroffen wären, die gegenüber Kraußnitz ein Vielfaches an Bewohnern haben, stehen die Chancen dafür schlecht. Deshalb wird wohl die Schönfelder Ortsdurchfahrt den neuen Namen bekommen.

Damit verbundene Formalitäten

Dennoch gibt es in den Ortsteilen Kraußnitz und Böhla Widerstand gegen die Umbenennungsaktion. „Was, wenn wieder eine Gemeindefusion ins Haus steht?“ fragen die Ortschaftsräte. „Kommt dann die nächste Umbenennungsaktion mit all den damit verbundenen Formalitäten?“

Tatsächlich könnte in ein paar Jahren ein Zusammengehen mit den Nachbarn Lampertswalde und/oder Thiendorf auf der Tagesordnung stehen. Dann, so befürchten die Volksvertreter, träfe es vielleicht Straßen, die gerade erst umbenannt worden sind, erneut. „Der Einwand ist nicht bis zu Ende gedacht“, hält Bauamtsleiterin Catrin Niemz entgegen. „Man kann sich ja auf einen historisch begründeten Namen einigen, der in den Nachbargemeinden garantiert nicht vorkommt.“ Die Linzer haben es vorgemacht. Sie wollen eine kleine bisher unbenannte Straße in ihrem Ort „Hinten Draußen“ nennen. Das gibt es garantiert kein zweites Mal.

Linz ist eigentlich auch der Motor der gesamten Aktion. Der Ortschaftsrat ist fest entschlossen, seine Dorfstraße umzubenennen. Vor allem deshalb, weil bisher nahezu alle Linzer diese Adresse hatten, obwohl es im Dorf eigentliche mehrere Straßen gibt. Die Ortsdurchfahrt soll künftig „Linzer Hauptstraße“ heißen, die parallel dazu verlaufende Straße „Mühlenstraße“, außerdem wird es eine „Schafgasse“, „Im Schlosspark“ und „Im Rittergut“ geben. Eine entsprechende Liste mit Vorschlägen, die entweder aus der Bürgerschaft kommen oder mit den Anwohnern diskutiert wurden, liegt bereits in der Gemeindeverwaltung. „Ich bekomme regelmäßig Post, die für jemanden aus Böhla bestimmt ist“, erklärt Ortsvorsteher Michael Lerch. „Außerdem freut sich jeder, wenn der Krankenwagen im Notfall ein paar Minuten früher da ist.“

Unmissverständliche Namen

Bauamts-Chefin Niemz hofft, dass nun auch Kraußnitz und Böhla nachziehen. „Ich könnte mir vorstellen, dass die Bürger den Nutzen einer unmissverständlichen Namensgebung durchaus einsehen“, sagt sie. Anfang Juni will sie auf einer Ortschaftsratssitzung in Kraußnitz noch für die Beseitigung des Namens-Chaos werben.