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So erlebt die SZ-Reporterin den CDU-Parteitag

Das große Los für Journalisten: die Zugangskarte für den Plenarsaal. © Annette Binninger

Annette Binninger hat Glück: Sie ergattert eine der wenigen Karten, mit denen Journalisten in den Plenarsaal dürfen. Dort entscheidet sich die Zukunft der CDU. 

Man hat es auch als Journalist nicht leicht auf diesem Parteitag. Wenige Tage vor Beginn des historischen Hamburger Treffens wird die Mail verschickt, die den Ärger vorprogrammiert. Nicht alle 1.600 angemeldeten Journalisten werden überhaupt in den Plenarsaal im Hamburger Kongresszentrum kommen. Zu wenig Platz. Einige müssen draußen bleiben. Und kurz wird das Ganze wie bei einer Lotterie. 

Nach der offiziellen Anmeldung, auch Akkreditierung genannt, müssen Journalisten am Freitagmorgen ab 7.30 Uhr nochmal anstehen. Der Zugang in den Plenarsaal, wo am Nachmittag die Entscheidung zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn fällt, wird per Poolkarte geregelt. Kurze Anspannung bei jedem in der Warteschlange – dann gibt es das grüne Kärtchen, das den Zugang freimacht.

Wer zuerst kommt, der mahlt zuerst – das Prinzip gilt wenigstens bei der Sitzplatz-Vergabe im Saal. Frühes Kommen bereits am Vorabend ist in jedem Fall ratsam. Denn schon gegen 17 Uhr geht es dort zu wie auf Mallorca, morgens am Pool, wenn die besten Liegen für den Sonnentag reserviert werden. Was dort die Handtücher sind, sind in Hamburg Zettel und Klebeband. Da legt auch schon mal der Chefredakteur einer großen Regionalzeitung persönlich Hand an - bestens vorbereitet mit einer Rolle Klebeband werden die Tische mit Zetteln beklebt. Und da füllen manche Radiosender stolz gleich zwei Reihen – während andere besorgt über die Sitztribüne wandeln und noch nach einem freien Fleckchen suchen.

Wer den ergattert hat, kämpft danach um die raren Steckdosen. Plötzlich ist der Strom ganz weg – jemand hat wohl noch ein Verlängerungskabel gebraucht und sich das heimlich gezogen. Kurz ist die ganze Journalisten-Reihe wieder ohne „Saft“. „Zum Glück habe ich Elektriker gelernt“, kniet sich eine ostdeutsche Kollegin kurz rein – und verbindet die Kabel mit einer anderen Überbrückung.

Da hat der Kollege der BBC schon längst seinen ersten Aufsager im Scheinwerferlicht der Kamera nach London geschickt.

Um 10 Uhr sind die Plätze bezogen, die Ladegeräte eingestöpselt, alles bereit. Die Tausende von Menschen geraten in Bewegung, als Friedrich Merz mit seiner Frau den Saal betritt. Ein kurzer Gang nach vorne, eine Traube von Journalisten im Schlepptau. Dann verlässt er begleitet von dem Tross wieder den Raum. Jens Spahn löst ihn ab. Die Journalisten wogen auch mit ihm mit.