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Weihnachten

So gehaltvoll ist der Dresdner Riesenstollen

Das neue Exemplar soll am Sonnabend Rekorde brechen.  Die Tradition geht noch auf August den Starken zurück.

Thomas Schmidt bestreicht den Riesenstollen mit Butter und Zucker. Für das Rekordbackwerk werden rund 350 Stollenplatten zusammengefügt. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Anfang November geht es los: Die Stollenbäcker in und um Dresden bereiten sich auf ihr Highlight des Jahres vor. Im ohnehin stressigen Weihnachtsgeschäft nehmen sie sich zusätzlich Zeit, um am Riesenchriststollen mitzuarbeiten. Dabei geht es um die Ehre, weiß René Krause, Vorstandsvorsitzender des Schutzverbandes Dresdner Stollen.

Am Anfang stellen die Bäcker jeweils mehrere Acht-Kilo-Platten her. Diese werden auf speziellen 40 mal 60 Zentimeter großen Blechen gebacken. Die Zutaten sind die gleichen wie beim Dresdner Christstollen. Rund eine Woche vor dem Stollenfest setzen die Bäcker dann mehrere hundert Stück davon zu einem süßen Giganten zusammen.

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Zu Beginn ähnelt er eher einem riesigen aufgeschichteten Striezel-Laib. Dieser wird mit einer Mischung aus Butter und Zucker beschmiert - eine Art Kleber, damit der Haufen zusammenhält. Anschließend wird er dick mit Puderzucker bestreut und sieht am Schluss aus wie eine schneebedeckte Miniaturberglandschaft.

König August wollte vorm Adel protzen

Der weiße Riese hat seinen Ursprung im Jahr 1730. Damals wollte Sachsens legendärer Kurfürst August der Starke (1670-1733) beim Zeithainer Lustlager den europäischen Adel beeindrucken. Was eignete sich dazu besser, als ein Dresdner Christstollen? In einem eigens dafür gebauten Ofen buken die Meister einen etwa 1800 Kilogramm schweren Striezel - rund 24.000 Portionen.

Seit 1994 stellen Bäcker jedes Jahr zum Dresdner Stollenfest ein XXL-Gebäck her, um an dieses Spektakel zu erinnern. Tino Gierig, selbst Bäcker und Vorstand im Schutzverband Dresdner Stollen, ist überzeugt, mit August dem Starken mithalten zu können: "Was die früher konnten, können wir heute auch noch." Anders als zur Barock-Zeit wird der Riesenstollen allerdings aus mehreren Stücken zusammengesetzt. Alle 125 Bäckereien des Verbandes sind dazu aufgerufen, sich an der Aktion zu beteiligen.

In diesem Jahr verbrauchten die Bäcker rund eine Million Sultaninen, mehr als eine Tonne Mehl und mehrere hundert Kilogramm Zucker. 59 der 125 Mitgliedsbäckereien beim Schutzverband Dresdner Stollen beteiligten sich. Ob er dieses Jahr mit dem Barock-Stollen mithalten kann, bleibt abzuwarten. Erst am kommenden Samstag wird sein Gewicht auf dem Stollenfest bekanntgegeben. Letztes Jahr kam der Koloss auf 2980 Kilo.

Zuvor muss der Stollen eine Woche "reifen". Auf einem Wagen geht es dann am Samstag durch die Innenstadt. Der Umzug endet nach 1,7 Kilometern auf dem Striezelmarkt. Dort soll er für einen guten Zweck verkauft werden. Dieses Jahr wird laut René Krause mit dem Erlös einer Schule in Dresden-Prohlis geholfen. Sie setze sich besonders für Kinder mit Migrationshintergrund und für lernbehinderte Kinder ein.

Rund 300 Kilogramm Zucker

Zum 25-jährigen Jubiläum verspricht Krause einige Neuigkeiten, Genaueres verrät er allerdings nicht. "Wenn ich das jetzt sage, dann wäre die Luft ja raus", sagt der Bäckermeister augenzwinkernd. Beim Umzug rechnet er mit etwa 250.000 Gästen, auf dem Striezelmarkt sollen dann rund 60.000 Zuschauer den Anschnitt beobachten.

Der erfolgt mit einem eigens dafür gemachten Messer - über einen Meter lang und 18 Kilogramm schwer. Das diesjährige Stollenmädchen, Lina Trepte, freut sich schon darauf. "Ich bin gespannt, wie es dann aussieht, wenn wir ihn anschneiden", sagt sie. Die angehende Bäckerin wird bei dem Umzug ebenfalls dabei sein und einzelne Stücke zum Kosten verteilen.

Tino Gierig ist seit 1994 bei dem Umzug dabei und hat noch nie schlechtes Wetter erlebt. Auch dieses Jahr könnte er Glück haben. Der Deutsche Wetterdienst teilte auf Anfrage mit, dass Dresden am Samstag von Regen verschont werden könnte. "Der Herrgott hat uns immer gutes Wetter geschickt", lacht Gierig. Ein wenig Schnee wäre allerdings nicht verkehrt, letztes Jahr sorgte er für eine besondere Stimmung. "Da hat es ein bisschen reingeschneit, das war ganz romantisch", erzählt Gierig.

Im diesjährigen Riesenchriststollen stecken mehr als 800 Kilo Butter und rund 300 Kilo Zucker. Zudem kamen rund eine Million Sultaninen hinein - doppelt so viele wie im letzten Jahr. Doch wird er auch das Gewicht seines Vorgängers knacken? Das verrät der Schutzverband Dresdner Stollen erst am kommenden Samstag. Der Rekord vom vergangenen Jahr steht bei 2.980 Kilogramm. (dpa)