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Bauen und Wohnen

So gelingt das Balkon-Gemüse

Auch "auf Balkonien" kann den ganzen Sommer lang frisches Gemüse gedeihen. Für gutes Wachstum brauchen die Pflanzen vor allem drei Dinge.

Tomaten sind sehr wärmeliebend. Damit die Früchte im Topf auch reifen, sollten sie auf einem sonnigen Balkon wachsen. © dpa/Andrea Warnecke

Von Sabine Metzger, dpa

Berlin. Den eigenen Salat anbauen, die Tomaten fürs Abendessen selbst ernten - im Garten kein Problem. Aber auch nicht auf einem Balkon. Das Urban Gardening ist nur ein wenig anders.

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Tatsächlich bietet der Balkon sogar einige Vorteile für den Gemüseanbau. "Der Balkon ist grundsätzlich gut geeignet für Gemüse, weil die meisten Gemüsearten wärmeliebend sind", erklärt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde in Berlin. Durch die Nähe zur Hauswand, die reflektierende Sonnenwärme, die schützende Brüstung und - in den meisten Fällen - die Überdachung ist es hier generell ein paar Grad wärmer als in der Umgebung.

Falls es im Hochsommer sogar mal zu warm werden sollte, lässt sich leicht Abhilfe schaffen: "Überhitzung kann drohen, aber mit einem aufgespannten Sonnenschirm ist da schon viel getan", sagt Wagner.

Balkon nach Norden? Kein Gemüse!

Um die Pflanzen optimal mit Licht zu versorgen, gibt es allerdings ein Ausschlusskriterium für den Gemüseanbau an dieser Stelle: Ein Nordbalkon eignet sich nicht. Auf allen anderen aber können nicht nur Kästen an der Brüstung stehen, sondern größere Pflanzen auch auf dem Boden. Denn die Lichtmenge auf dem Balkon ist eigentlich ausreichend, erläutert Wagner.

Unverzichtbar ist Dünger. "Handelsübliche Erde ist vorgedüngt, aber gerade bei Starkzehrern ist dieser Dünger nach circa sechs Wochen verbraucht", erläutert der Gartenexperte weiter. "Hier muss man mit Flüssigdünger nachdüngen." Noch besser sei es, vor dem Einpflanzen Hornspäne unter die Erde zu mischen, die aus Klauen und Hörnern von Schlachtvieh hergestellt werden. Davon profitieren die Pflanzen langfristig, denn der enthaltene Stickstoff wird erst nach und nach freigegeben.

Die Früchte konventionell gedüngter Pflanzen seien bedenkenlos essbar. Allerdings gibt Wagner zu bedenken: "Wer in Bio-Qualität ernten möchte, braucht auch Bio-Dünger."

Topfgröße ist wichtiges Kriterium

Ebenfalls entscheidend für die Nährstoffversorgung einer Pflanze ist die Größe ihres Topfes, sagt Gottfried Röll von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. "Je größer ein Topf, desto mehr Wasser und Nährstoffe können dort gespeichert werden. Und eine gleichmäßige Versorgung ist für das Wachstum enorm wichtig."

Schon beim Kauf der Pflanze solle man daher überlegen, wie groß sie letztlich werden wird, und den Topf der künftigen Größe anpassen. Für Tomaten, Zucchini und Paprika empfiehlt Röll 20 Liter pro Pflanze. "Bei Peperoni reichen auch mal 15 Liter." Auch solle man nicht zu lange warten, bis der Setzling sein neues Heim beziehen darf: "Junge Pflanzen sollte man zeitnah nach dem Kauf umtopfen, am besten innerhalb einer Woche." Allerdings ist wichtig: Die Pflanzen dürfen erst ins Freie, wenn die letzte Frostgefahr gebannt scheint.

Das wichtigste Thema für Balkongärtner ist aber: Das Gießen. Hier gibt es keine Ausreden - gerade bei den begrenzten Speichermöglichkeiten der Töpfe ist besonders regelmäßiges Engagement gefragt. Wer das aber nicht leisten will oder kann, etwa weil er häufig unterwegs ist, kann auf kleine Bewässerungsanlagen für Balkone zurückgreifen.

Balkongerechnete Pflanzen wachsen kompakter

Die Pflanzauswahl ist wie auch im Garten abhängig vom Standort - also in diesem Fall der Ausrichtung des Balkons, sagt Wagner. "Tomate, Aubergine, Zucchini und Gurken sind sehr wärmeliebend; für Pflücksalate, Mangold, Kohlrabi, Möhren oder Radieschen tut es auch der West- oder Ostbalkon." Ansonsten ist beinahe jede Aufzucht möglich, und von vielen Gemüsearten gibt es auch balkongerechnet Züchtungen, die kompakter und kleiner wachsen.

Cornelia Lehmann vom Verein zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN) gibt allerdings zu bedenken, dass für manches einfach nicht der Raum auf dem Balkon da ist. "Ein einzelnes Radieschen gibt nicht so viel her. Radieschen sind schnell, aber man braucht sehr viel Platz, bis man einen Bund zusammen hat."

Dagegen rät sie zum Beispiel zu Tomaten und zu Salaten. "Kopfsalat sollte man dünn aussäen. Wenn man dann regelmäßig die äußeren Blätter erntet, hat man mehrere Wochen etwas davon", erklärt Lehmann. "Das reicht dann jeweils für kleine Salatportionen oder einfach mal für einen Sandwich-Salat." Wer fürchtet, der Salat im Balkonkasten sähe doch zu langweilig aus, für den hat Lehmann einen Tipp: "Es gibt auch spezielle Sorten wie etwa Forellensalate, die gesprenkelt sind. Da hat man auch noch einmal einen optischen Reiz."

Rankgitter müssen stabil gebaut sein

Um mehr Raum aus dem Balkon herauszuholen, kann man Gurken und Melonen auf einem sonnigen Balkon am Rankgitter in die Höhe ziehen, erklärt Lehmann. "Dafür muss man nur ein stabiles Rankgerüst bieten und schauen, dass auch die Früchte gestützt sind, damit sie nicht abbrechen." Wagner empfiehlt Stangen- oder Kletterbohnen als "attraktiven Sichtschutz". Vorsicht allerdings: Bohnen sind nur gegart genießbar, da sie im Rohzustand giftige Stoffe enthalten. Familien mit kleinen Kindern, die davon naschen könnten, sollten darauf lieber verzichten.

Apropos Naschen, wer glaubt, die Gemüseaufzucht auf dem Balkon hält sich soweit in Grenzen, dass man etwa nur naschen kann, liegt laut Wagner falsch. "Wenn die Nährstoffversorgung und die Wasserversorgung stimmen, ist das schon mehr als ein Naschbalkon. Gerade mit Gurken und Tomaten ist eine regelmäßige gute Ernte möglich." 

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