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So kann sich jeder vor Hochwasser schützen

© Egbert Kamprath

Forscher haben die Fluten in Glashütte ausgewertet und Schwachstellen aufgedeckt. Ein Experte gibt sechs Tipps.

Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Darin sind sich die Experten einig. Allerdings kann keiner vorhersagen, wann damit zu rechnen ist. Das gilt auch für das Forscherteam der Technischen Universität Dresden, das sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den Hochwasserereignissen in und um Glashütte beschäftigt hat. Untersucht wurden alle großen und kleinen Hochwasserereignisse.

Ein Ziel der Untersuchung war und ist es, den Bürgern Tipps zu geben, wie sie sich auf solche Ereignisse besser vorbereiten können. Der Hydrologe Dr. Jens Grundmann hat dazu einiges zusammengetragen und in Schlottwitz bei einer Veranstaltung vorgestellt. Die SZ fasst die Maßnahmen zusammen. Diese können auch die Anlieger von Bächen in anderen Kommunen der Weißeritzregion beherzigen.

Tipp eins: Szenarien durchsprechen und Regeln aufstellen

Jeder, der in einer von Hochwasser bedrohten Region wohnt, sollte sich mit Familienangehörigen und Verwandten besprechen, wie in einer solchen Situation gehandelt werden sollte. Mögliche Gefahren, Verhaltensregeln und Aufgaben sollten diskutiert werden. „Jedes Familienmitglied sollte wissen, wo sich die Hauptschalter für Wasser, Strom, Heizung und Gas befinden“, sagt Grundmann. Es sollte klar sein, wie Haustiere und Vieh auf landwirtschaftlichen Flächen in Sicherheit gebracht werden können. Wichtige Telefonnummern wie die von der Hochwasserschutzzentrale, von Ärzten, vom Heizungsinstallateur, von Nachbarn, Wasser-, Strom- und Gasversorgern sollten genauso griffbereit sein wie wichtige Dokumente.

Tipp zwei: Ideell wertvolle Gegenstände sicher lagern

Das Pilotprojekt

Auch beim Lagern sollte man an den Ernstfall denken, sagt Grundmann. Gegenstände, die einen ideellen Wert haben, sollten nicht in den hochwassergefährdeten Räumen im Keller und im Erdgeschoss gelagert werden. Gartenmöbel und Mülltonnen sind schwerer zu schützen. Weil diese Gegenstände bei einem Hochwasser wegschwimmen können, sollten sie mit dem Namen gekennzeichnet werden.

Tipp drei: Haustechnik vor dem Wasser schützen

Schaltschränke und Heizungsbrenner sollten so installiert werden, dass sie über dem möglichen Flutpegel liegen. Außerdem sollte der Einbau von Pumpen an den Gebäudetiefpunkten geprüft werden, rät Grundmann. Wichtige Geräte kann man auch in einem Raum installieren, der sich wasserdicht abschließen lässt.

Tipp vier: Grundstück durch Schutzdämme sichern

„Grundsätzlich haftet weder das Land noch die Gemeinde für Schäden durch Hochwasser“, sagt Grundmann. Deshalb sollte man selbst Vorsorge treffen. So gibt es inzwischen auch für Privathaushalte kleine, mobile Schutzwände. Dammbalkensysteme lassen sich innerhalb weniger Minuten und bei Bedarf von nur einer einzelnen Person aufbauen. Wer im Entstehungsgebiet einer Flutwelle, zum Beispiel an einem Feld, wohnt, sollte eine Hochwassermauer bauen. Diese schützt das Grundstück vorrangig vor Treibgut und Schlamm. Gas- oder Öltanks, die auf dem Grundstück stehen, sollte vor Auftrieb und dem Auslaufen geschützt werden. Diese können zum Beispiel mit Erde überdeckt oder mit einer Betonplatte gesichert werden.

Tipp fünf: Flutsichere Fenster und Türen einbauen

An Gebäudeöffnungen wie Kellerfenstern sollten dauerhaft hochwassersichere Verschlüsse angebracht werden, rät Grundmann. Wer auf die Optik wert legt, sollte das herkömmliche Fenster gegen ein drucksicheres auswechseln oder eine spezielle Folienabdichtung anbringen. Hausbesitzer sollten auch erwägen, die Kellerfensterschächte hochzumauern. Auch die Kellertür kann nachgerüstet werden und um eine stoßfeste, druck- und wasserdichte Außentür ersetzt werden. Geprüft werden sollte auch, ob es sich lohnt, wasserabweisende Schutzanstriche auf die Fassade aufzutragen. „Das könnte dazu beitragen, die Schäden im Hochwasserfall geringer zu halten“, sagt Grundmann.

Tipp sechs: Versicherungsschutz überprüfen

Wer in einem hochwassergefährdeten Gebiet wohnt, sollte seine Hausrats- und Wohngebäudeversicherung um eine risikobasierte Elementarschadenversicherung ergänzen. Das werde auch vom Freistaat Sachsen empfohlen, sagte Grundmann. Diese Versicherung übernimmt überschwemmungsbedingte Reparaturkosten am Gebäude und bei einem Komplettverlust die Kosten für die Errichtung eines gleichwertigen Hauses. Die Elementarschadenversicherung deckt aber nicht Schäden ab, die durch Grundwasser entstanden sind, so Grundmann.

Die Tipps für die private Hochwasservorsorge wurden im Rahmen des Glashütter Pilotprojektes „Vereint – kooperativ organisierter Bevölkerungsschutz bei extremen Wetterlagen“ zusammengetragen.

Das Hauptziel dieses Projektes ist es, die Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Einsatzkräften im Falle eines Hochwasserereignisses zu verbessern.

Unterstützt wird das Vorhaben vom Bundesumweltministerium, der Technischen Universität Dresden, der Stadt Glashütte, der Landestalsperrenverwaltung und verschiedenen Rettungsorganisationen. (SZ/mb)

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