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Fahrrad

So motzen diese Dresdner ihre Räder auf

Drahtesel lieben die Golden Riders genug, um auch für andere zu schrauben. Wenn sie nicht gerade durch die City cruisen.

Nicht nur die aufgetunten Fahrräder erregen Aufmerksamkeit: Die Golden Riders in Gruppenkleidung bei einer ihrer sommerlichen Sonntagsfahrten.
Nicht nur die aufgetunten Fahrräder erregen Aufmerksamkeit: Die Golden Riders in Gruppenkleidung bei einer ihrer sommerlichen Sonntagsfahrten. ©  Christian Juppe

Wäre August der Starke, der goldene Reiter nur Rad gefahren. Er wäre vielleicht älter geworden, statt Stoffwechselstörungen zu erliegen. Ein paar Generationen später wissen es die Dresdner besser. Einmal im Monat treffen sich die Golden Riders an einem Sonntag unter dem glänzenden Denkmal am Neustädter Markt, grüßen den August und düsen los. Oft mit vielen Gastfahrern.

Der Dresdner Verein zählt rund 30 Menschen zwischen 13 und 67 mit Leidenschaft für das Cruiser Rad. Cruisen heißt gemütlich fahren, vielleicht 50 Kilometer in fünf Stunden. Im Oktober veranstalten die Riders wieder „Dresden lässt cruisen“, eine gigantische Ausfahrt mit bis zu 160 Menschen. „Das sehen und gesehen werden der Räder“, sagt Vereinssprecherin Christiane Boost. Ein geschwungener Rahmen bildet das Grundgerüst der Cruiser, alles andere bauen und basteln die Golden Riders um.

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„Wir haben uns aus einer Mischung aus Enthusiasmus und Gemeinnützigkeit gegründet.“ Wenn sie nicht durch Dresden und Umland cruisen, treffen sie sich zum Schrauben.

Wie an diesem Nachmittag, als silberne Kleinteile sich über den Boden vor der Werkstatt verteilen wie Muscheln am Strand. Was haben ein Wikinger, eine Hornisse und Micky-Mouse gemein? 

Was wie ein schlechter Witz anfängt, beantworten die Golden Riders mit individueller Gestaltungswut: Alle drei Motive sind Vorbilder für Räder ihrer Gruppe. Das Wikingerrad zieren Laternen statt schnöden Normalo-Lampen, das Micky-Mouse-Rad ist übervoll mit weißen und roten Punkten. Wenn es nachts fährt, leuchten rote Lichter zwischen den Speichen, verbinden sich zu einem schillernden Kreis. Aus dem Rumpf des Hornissen-Rads ragt eine stachelartige Fortsetzung des Rahmens.

Seit zwölf Jahren cruisen sie zusammen, seit drei als Verein. Der Deal mit dem Roten Baum hat geholfen. Die Riders dürfen bei dem Verein in Pieschen Stammtische halten, dafür betreuen sie die Fahrradwerkstatt, helfen anderen einmal wöchentlich beim Rad reparieren. Über den Sommer müssen sie der maroden Werkstatt weichen, langfristig wäre eine eigene schön. „Zentral, bloß nicht in Bühlau oder so.“ Berge strengen Cruiser an. Und was, wenn ein Cruiser mal gar nicht mehr kann?

Einer der Riders steckt eine Klopapierrolle auf eine Fahrradgabel, ein Ritzelblock stabilisiert. Wer sein Fahrrad so liebt, kann sich wohl nie lösen. Auch wenn die Gabel nur noch als Klopapierhalter nutzt.