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So plant das Rathaus für Radfahrer

Die Stadt baut neue Radwege und saniert alte. Die entscheidenden Stellen werden aber nicht angepackt, sagen Kritiker.

© Jürgen Lösel

Von Tobias Wolf

Sie brauchen kaum Platz, verpesten die Umwelt nicht und halten fit: Immer mehr Dresdner sind in den vergangenen Jahren auf das Fahrrad umgestiegen, um zur Arbeit oder in der Freizeit schnell von A nach B zu kommen. Laut Rathaus lag der Radanteil am Verkehr 2014 bei 17 Prozent und damit gut dreimal so hoch wie noch zu Beginn der 1990er-Jahre, als viele zunächst die neuen Möglichkeiten beim Autokauf nutzten. Nur: Die Infrastruktur kann mit dem Wachstum schon lange nicht mehr mithalten. Die SZ zeigt eine Auswahl der für dieses Jahr geplanten Projekte.

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Die Fahrrad-Autobahn: Parkstraße wird mit Fahrradstreifen ausgebaut

Die bislang fast durchgängig zweispurig ausgebaute Parkstraße an der Bürgerwiese soll mit einem Jahr Verspätung saniert und zwischen Georg- und Lennéplatz mit einem 2,50 Meter breiten Fahrradstreifen auf jeder Seite versehen werden. Stadtauswärts wird aus zwei Autospuren eine überbreite Spur. Rund eine Million Euro kostet das. Für den Autoverkehr bleibt eine große Spur übrig. Baubeginn ist laut Rathaus voraussichtlich im April. Bis Mitte August sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, sagt Reinhard Koettnitz, Leiter des Straßen- und Tiefbauamts. Als Grund für die einjährige Verspätung nennt Koettnitz planerische Probleme – und die bislang fehlenden Mittel. In der Johannstadt wird von März bis Oktober der verschlissene Rad- und Gehweg am Käthe-Kollwitz-Ufer zwischen Goetheallee und Fetscherstraße für rund 150 000 Euro erneuert.

Der Elbradweg: Lücken und Hochwasserschäden werden beseitigt

Im vergangenen Jahr wurde er zum elften Mal zum beliebtesten Radweg Deutschlands gekürt: der Elberadweg. Freizeitradler und Touristen rollen über die beliebte Verbindung, aber auch viele Pendler, die den Weg abseits der Straße für ihre Fahrt zur Arbeit oder in die Schule nutzen. Aber immer noch ist er nicht durchgängig ausgebaut. In diesem Jahr will die Stadt rechtselbisch zwei Lücken schließen. Zwischen Altwachwitz und der Friedrich-Press-Straße werden für über 160 000 Euro der Loschwitzer Wiesenweg saniert und Hochwasserschäden beseitigt. Die Oberfläche war in diesem Abschnitt schon einmal erneuert worden. Weiter nordwestlich sollen zwischen Übigau und Kaditz ab Jahresende zwei neue Abschnitte um das Gelände des ehemaligen Dampfkesselwerkes herum sowie zwischen Flügelwegbrücke und Altkaditz gebaut werden. 350 000 Euro investiert die Stadt dort.

Das denkmalgerechte Versuchsobjekt: Holperpiste Körnerweg wird saniert

Rumpelndes Kopfsteinpflaster, schmerzende Knochen und verbogene Felgen sind auf dem Körnerweg zwischen Loschwitz und den Elbschlössern des Radlers Frust. Seit Jahren fordert der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) deshalb einen grundhaften Umbau der Holperpiste zur glatten Asphaltfahrbahn.

Das scheiterte bislang, weil der Weg als schützenswertes Denkmal gilt –  als Kulturlandschaft von überregionaler Bedeutung. Die Pflastersteine stammen Experten zufolge aus dem 19. Jahrhundert. Nun scheint ein Kompromiss gefunden zu sein. Von Juli bis August will die Stadt zwischen Heilstättenweg und Blauem Wunder Hochwasserschäden beseitigen. Auf gut 100 Metern Länge soll dort versuchsweise das marode Pflaster denkmalschutzgerecht durch große flache Sandsteinplatten ersetzt werden, erklärt Straßenbauamtschef Koettnitz. Für die Radfahrer bedeutet das in Zukunft mehr Komfort, allerdings nur auf einem sehr kurzen Stück des Körnerwegs. Später könnten weitere Abschnitte folgen.

Die Sorgenkinder: Überweg bremst aus und Brückenanschlüsse fehlen

In der Neustadt will das Straßen- und Tiefbauamt das Überqueren der Bautzner Straße einfacher machen. Für Radler, die von der Glacisstraße kommen, soll ein neuer Fahrradüberweg zur Alaunstraße entstehen. Dazu werden neue Markierungen auf die Fahrbahn gezeichnet und eine Ampel aufgestellt. Der ADFC kritisiert das – auch aus Kostengründen. „Eine größere Verkehrsinsel wäre die bessere Lösung“, sagt ADFC-Vorstand Nils Larsen. „Eine Ampel bremst alle, auch die Autos.“ Stattdessen solle mit dem Geld lieber eine größere Strecke des Körnerwegs mit neuem Sandsteinpflaster versehen werden als geplant.

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Dringend nötig seien Verbindungen vom Elberadweg zu den Brücken. „An der Neustädter Seite der Albertbrücke gibt es eine Rampe, aber in Johannstadt müssen Räder über die Treppe geschleppt werden“, sagt Larson. Nicht besser sehe es an der Marien-, der Augustus- und der Carolabrücke aus. „Wenn es eine gute Anbindung an die Brücken gibt, nutzen sicher viel mehr Menschen den Elberadweg, um zur Arbeit zu kommen.“ Laut Straßenbauamtschef Koettnitz ließen sich nicht an alle Brücken Rampen anbauen, weil der Denkmalschutz beachtet werden müsse.