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So prominent wie nie

Ein Weltmeister und weitere Stars kicken jetzt in der 3. Liga. Die Probleme der einstigen DFB-Prestige-Spielklasse sind damit aber längst nicht gelöst.

© sampics / Stefan Matzke

Von John Hennig

Ein Weltmeister und viele weitere ehemalige Größen: Der Transfersommer hat der 3. Liga einigen spektakulären Zuwachs beschert. Kevin Großkreutz, 2014 noch Weltmeister ohne Einsatz in Brasilien, setzt seinen sportlichen Abstieg weiter fort und kickt nun beim Aufsteiger KFC Uerdingen, der mit dem ehemaligen Bundesliga-Profi Stefan Aigner noch einen ehemaligen Hochkaräter holte – und mit Manuel Konrad einen Ex-Dynamo.

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Aber nicht nur einige Spielernamen sind prominent. Mit Braunschweig, Karlsruhe, Kaiserslautern, 1860 München, Fortuna Köln, Münster, Cottbus, Rostock, Uerdingen und Unterhaching tummeln sich gleich zehn ehemalige Bundesligisten in der dritthöchsten Spielklasse. Jena, Zwickau, der Hallesche FC und Rostock spielten einst sogar im Europapokal.

Spannend ist vor allem, wie sich die Zweitliga-Absteiger Kaiserslautern und Braunschweig schlagen werden. Die Pfälzer gehen mit einer runderneuerten Mannschaft in die erste Drittliga-Saison der Vereinsgeschichte. Sportvorstand Martin Bader und Sportdirektor Boris Notzon krempelten die Mannschaft komplett um. Die Lauterer mussten gleich 28 Abgänge verkraften und verpflichteten dafür 22 neue Spieler. „In der 3. Liga geht es um Kampf und Leidenschaft. Wir müssen das gemeinsam als Truppe annehmen“, sagt Rückkehrer und Kapitän Florian Dick.

Ähnlich ist die Situation in Braunschweig. Auch die Niedersachsen haben nahezu alle Leistungsträger verloren. Und die, die noch da sind, gelten bis zum Schluss des Transferfensters als Wechselkandidaten. Der Aderlass ist bei Absteigern generell groß, doch der Fall von Liga zwei in Liga drei ist besonders tief, der Aufprall entsprechend hart. „Da kommt man nicht nur ins Fegefeuer, da kommt man in die Hölle“, sagte Engelbert Kupka, langjähriger Präsident der SpVgg Unterhaching. „Ich schätze, dass mindestens die Hälfte der Drittligavereine entlang der Grenze zur Insolvenz schrammen. Die dritte Liga ist eine Insolvenzliga.“ In der vergangenen Saison hatte es Erfurt und Chemnitz erwischt, im Jahr davor VfR Aalen und FSV Frankfurt.

Im Kampf gegen die Schulden setzen die Vereine auf Benefizspiele, Spendenaufrufe und Fanaktionen. Vor zehn Jahren noch als neues Prestigeobjekt des Deutschen Fußballbundes (DFB) gestartet, ist die Klasse inzwischen eine Kostenfalle. Die schwarze Null erscheint für viele Vereine kaum realisierbar. Sie leiden unter dem niedrigen Fernsehgeld, hohen Reise- und Planungskosten sowie teuren Stadionmieten. Carl Zeiss Jena verkaufte 2009 notgedrungen seine Rasenheizung. Der Hallesche FC veranstaltete im vergangenen Februar ein Schnitzel-Essen für die Fans, um an Geld zu kommen. Bayern München ist Stammgast bei Benefizspielen.

„Die dritte Liga hat man geschaffen wie ein Kind, um dessen Alimente man sich heute drückt“, kritisierte Kupka. Der 79-Jährige fordert einen einheitlichen Geld-Topf der ersten drei Ligen oder eine höhere Beteiligung der 3. Liga an den Einnahmen aus dem DFB-Pokal. Kupka übt zudem Kritik an Verbandspräsident Reinhard Grindel und Vizepräsident Rainer Koch: „Grindel und auch Koch sind wie ein Schilfgras im Wind. Sie biegen sich hin und her, sobald es um ihr Amt geht. Das ganze Management ist in keiner Weise professionell.“

Der DFB ist um Besserung bemüht. Ab der neuen Spielzeit tritt der höher dotierte Medienrechtevertrag in Kraft, in dessen Rahmen die Telekom, wie schon in der vergangenen Spielzeit, bis zum Sommer 2022 alle 380 Partien jeder Saison im Pay-TV überträgt. Es gibt Montagsspiele und am Sonntag eine zusätzliche Anstoßzeit.

Zudem wird mit einem einheitlichen Ball gespielt. Durch diese Deals steigen die Zuwendungen des DFB für die Drittligisten um 37 Prozent. Trotzdem: In der kommenden Saison erhält jeder Drittligist lediglich rund 1,2 Millionen Euro – die Zweitligisten allein durch die TV-Gelder sechs bis 17 Millionen Euro. (dpa, mit sid, SZ)