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Döbeln

So schmecken Heuschrecken

Ohne Sachsen zu verlassen, können sich Neugierige auf dem Döbelner Obermarkt durch die Weltküche probieren. Auch Insekten stehen auf der Speisekarte.

Jessica Quadt ist nicht zimperlich. Die 24-jährige Döbelnerin scheut sich nicht, eine Heuschrecke zu kosten. Aber auch sonst gefällt ihr das Angebot des ersten Döbelner Street-Food-Schmecktivals.
Jessica Quadt ist nicht zimperlich. Die 24-jährige Döbelnerin scheut sich nicht, eine Heuschrecke zu kosten. Aber auch sonst gefällt ihr das Angebot des ersten Döbelner Street-Food-Schmecktivals. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das Wochenende hat nicht nur wettermäßig einige Überraschungen bereitgehalten. Die gab es auch aus kulinarischer Sicht, und zwar beim ersten Street-Food-Schmecktival. Das hat der Döbelner Geschäftsmann Michael Köhler zusammen mit Anbietern und Partnern aus ganz Deutschland organisiert und bestritten.

Angesichts der regnerischen und kühlen Witterung hatten am Sonnabend einige Besucher den ersten Glühwein der Saison im Glas. Um den zu genießen, bedurfte es wohl keiner Überwindung. Ganz anders sah es mit dem Angebot von Frank Ochmann aus, der in verschiedenen Pfannen zuvor gewürzte Insekten wendete. An seinem Stand hielt wohl jeder Festivalbesucher einmal an. Außer kritischen Blicken sah der Insektenkoch, wie sich der Berliner selbst nennt, aber auch in viele interessierte Gesichter.

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Er packte seinen Kunden sogar eine einzelne Heuschrecke in die Serviette ein und gab Tipps, damit der Genuss ein Erlebnis wird. Ochmann will nicht nur verkaufen, sondern auch Aufklärung betreiben. Das gelingt ihm immer besser, wie er nach inzwischen 17 Jahren sagen kann, in denen er Insekten zubereitet und bei derartigen Veranstaltungen an die zunehmend offener werdende Kundschaft bringt.

Das Insekten-Allerlei ist nicht jedermanns Sache. Zumindest probiert haben viele Besucher.
Das Insekten-Allerlei ist nicht jedermanns Sache. Zumindest probiert haben viele Besucher. © Dietmar Thomas

Argumente sind nicht nur der hohe Eiweiß-Gehalt der Insekten, sondern auch deren gute Ökobilanz. Insekten, die bei ihm in der Pfanne landen, kommen von einem Züchter aus der Nähe Berlins. Auch so sei der Energieaufwand viel geringer als bei der Herstellung von Rind und anderem Fleisch, das bei manchem inzwischen fast täglich auf dem Speiseplan stünde.

Dass die Weltbevölkerung bei einer Nahrungsumstellung kaum noch hungern müsste, davon ist der Insektenkoch überzeugt. Heuschrecke, Würmer und Grillen sind für ihn eindeutig die Alternative. Und davon satt zu werden, sei keine Zauberei. Ochmann selbst genießt Insekten zum Beispiel über den Salat gestreut oder in Nudelgerichten. In Asien, Afrika und Lateinamerika stünden Insekten von jeher auf dem Tisch.

Seine Aufklärungsaufgabe ende nicht am Verkaufstresen oder an der Pfanne, aus der er unter anderem schon die Teilnehmer des Dschungelcamps bei den ersten Folgen beköstigt hat. Auch als Dozent an Universitäten arbeite der Insektenkoch, um sein Wissen zu vermitteln.

Familie Pohl aus Döbeln ist nur zum Schmecktival gekommen, um einmal eine Grille zu probieren. Schmeck prima, finden die beiden Rentner. Jessica Quadt ist sofort bereit, eine Heuschrecke zu kosten. „Schmeckt auf den ersten Biss nach Hähnchen“, sagt die 24-jährige Döbelnerin. Die Würmer, so erzählen andere Probanten, hätten einen chipsähnlichen Geschmack.

Alina und Toni lassen sich eine nach ihrer Wahl gefüllte Bubble-Waffel schmecken.
Alina und Toni lassen sich eine nach ihrer Wahl gefüllte Bubble-Waffel schmecken. © Dietmar Thomas

Wer sich mit dem Insektensnack nicht zufriedengeben wollte, hatte noch viele andere Möglichkeiten, sich durch die Küche anderer Länder zu probieren. Es gab Burger als Vertreter der US-amerikanischen Küche, ungarischen Langosch, mexikanische Spezialitäten, Kostproben aus Afrika und Japan sowie Fisch in verschiedenen Variationen.

Aber auch Süßes war im Angebot. Zu den Hits gehörten wohl die Bubble-Waffeln. Die gibt es seit etwa drei Jahren, schätzt Anbieterin Kathrin Fuchs aus Kiel. Aus ihrer Sicht sind diese Kugelwaffeln fluffiger. An ihrem Stand wurden sie noch nach Wahl gefüllt. Für die Herstellerin sind sie ein Modeprodukt. Die Käufer ließen sich gern damit fotografieren, die Aufnahmen kursierten dann bei Instagram und auch sonst im Netz.

Am Ende des Wochenendes ist Veranstalter Michael Köhler mehr als zufrieden. „Trotz des bescheidenen Wetters war die Resonanz phänomenal“, sagt er. Er möchte und will die Aktion 2020 gern wiederholen – vielleicht auch wieder verbunden mit einem verkaufsoffenen Sonntag. Den hatten einige der Innenstadthändler am Sonntag angeboten.