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So steht’s um die Elbe

Im Sommer untersuchte ein Forscherteam den Fluss – und erlebte dabei auch eine Überraschung.

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© Sebastian Schultz

Von Stefan Lehmann

Riesa. Dieses Forschungsprojekt sorgte im Juni 2016 für einiges Aufsehen: Begleitet von einer Schwimmstaffel legte ein Schiff eine Strecke von 575 Kilometern auf der Elbe zurück. Mit an Bord: ein Wissenschaftlerteam und moderne Messtechnik. Die Forscher aus Berlin und Karlsruhe wollten im Rahmen des Wissenschaftsjahres unter anderem die Wasserqualität der Elbe und das Algenwachstum im gesamten Flussverlauf messen, also auch im Landkreis Meißen. Die SZ hat einen Blick auf die Forschungsergebnisse geworfen, die mittlerweile vorliegen.

Die Elbe hat Badequalität – aber mit Einschränkungen

Baden in der Elbe? Vor einigen Jahrzehnten dürfte das noch völlig undenkbar gewesen sein, mittlerweile gibt es wieder regelmäßige Elbschwimmen. Die Forscher bestätigen, was regelmäßige Elbschwimmer aus dem Landkreis schon längst wussten: Im Elbabschnitt zwischen Dresden und Torgau gebe es keine Auffälligkeiten, „welche die Eignung der Elbe als Badegewässer einschränken würden“, erklärt Nicolas Börsig vom Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT. Das sei auch für den übrigen Verlauf des Flusses der Fall. Kleinere Abweichungen gebe es lediglich dort, wo andere Flüsse in die Elbe münden. Allerdings schränkt er ein, dass seine Forschungsgruppe im Wasser einige Parameter nicht untersucht hatte. Dazu zählten zum Beispiel Kohlenwasserstoffverbindungen wie Öle oder Schädlingsbekämpfungsmittel. Auch auf Schadstoffe in den Sedimenten untersuchten die Wissenschaftler den Fluss nicht – dabei ist das ein großes Problem der Elbe, wie die Hamburger Ökotoxologin Susanne Heise erklärt.

Erhöhte Algenkonzentration deutet auf Überdüngung hin

Erfasst wurde im Rahmen des Forschungsprojektes neben pH-Wert und Sauerstoffsättigung auch die Konzentration verschiedener Algen im Elbwasser. Die sei während der Messungen teilweise leicht erhöht gewesen, so Nicolas Börsig. Das sei überraschend gewesen. „Unsere Untersuchungen haben aber gezeigt, dass es sich bei diesen Algen um harmlose Grünalgen und Kieselalgen handelte.“ Deren Auftreten sei eher in stehenden Gewässern ein Problem, weil zu viele Algen dazu führen können, dass es zu einer Unterversorgung des Wassers mit Sauerstoff und damit zum „Umkippen“ des Gewässers kommen kann. Das wiederum ist auch für die Tierwelt gefährlich. Ursache ist übrigens streng genommen nicht das Vorhandensein der Algen, sondern deren Absterben.

In der Elbe seien diese Algen unbedenklich. Auch in einem weiteren Punkt kann Börsig Entwarnung geben: „Blaualgen, die aufgrund einer möglichen Freisetzung von Giftstoffen, potentiell problematisch für ein Gewässer sein können, traten entlang der untersuchten Elbstrecke nicht auf.“ Alledings deute die hohe Algenkonzentration auf eine Überdüngung des Wassers hin, schreiben die Forscher in ihrem Blog.

Zu Mikroplastik muss noch weiter geforscht werden

Das vielleicht spannendste Teilprojekt während des Wissenschaftsjahres befasste sich mit mikroskopisch kleinen Plastikteilen in den Gewässern. Dieses Mikroplastik war bisher vor allem ein Thema, wenn es um die Verschmutzung der Weltmeere ging. Methoden und Kriterien, anhand derer sich die Mikroplastik in Flüssen identifizieren und erfassen lässt. Die gibt es bisher kaum. „Die große Herausforderung bei der Erfassung von Mikroplastik besteht darin, dass die Partikel nicht homogen in der Wassersäule verteilt sind, sich teilweise ins Sediment verlagern, schweben oder aufschwimmen und sehr unterschiedliche Partikelgrößen von unter einem Mikrometer bis 5 Millimeter aufweisen“, heißt es vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. „Ob und inwiefern das aufgenommene Mikroplastik die betroffenen Organismengruppen, deren Reproduktion und Lebenszyklen beeinträchtigt, ist noch nicht ausreichend geklärt.“ Während der Fahrt von Bad Schandau nach Geesthacht kurz vor Hamburg wurden verschiedene dieser Methoden getestet und verglichen. Die Wissenschaftler konzentrieren sich dabei vor allem auf Fasern, die mehrere Millimeter lang sind. Es seien viele Feststoffe aus der Elbe „gefischt“ worden, aber nicht in jedem Fall handelt es sich dabei um Plastik. Eine Aussage, wie stark die Elbe tatsächlich mit Mikroplastik belastet ist, lässt sich noch nicht treffen. Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen. Andere Projekte legen aber nahe, dass auch die Flüsse einen Teil des Kleinplastiks ins Meer transportieren, zum Beispiel aus synthetischer Kleidung, die gewaschen wird.

www.wissenschaftsjahr.de/2016-17