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So ticken die Sachsen

Lehrermangel ist das wichtigste Problem des Freistaats, denken die Befragten. Besonders zufrieden sind sie dagegen mit ihrer Wohn- und Beschäftigungssituation. Die Ergebnisse des Sachsen-Monitors:

© dpa

Von Andrea Schawe

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Dresden. Drei Viertel der Sachsen blicken optimistisch in die Zukunft, sie bewerten sowohl ihre persönliche wirtschaftliche Lage als auch die des Freistaats positiver als im Vorjahr. Das ist ein Ergebnis des neuen Sachsen-Monitors, der am Dienstag vorgestellt wurde. Das Meinungsforschungsinstitut Dimap hat die Umfrage zum dritten Mal im Auftrag der Staatskanzlei durchgeführt. 1 011 Sachsen sind zwischen Ende Juni und Ende August befragt worden.

Besonders zufrieden sind die Sachsen wie in den vergangenen Jahren mit ihrer Wohn- und Beschäftigungssituation. Als dringlichstes Problem wird erstmals der Lehrermangel benannt. 20 Prozent der Befragten sahen das so – ein Anstieg um sieben Prozentpunkte. 2016 und 2017 wurde die Asylpolitik, Ausländer und Überfremdung als größtes Problem angegeben. Auch um Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Sicherheit machen sich die Sachsen vermehrt Sorgen.

Gestiegen ist der Anteil derjenigen, der Angst hat, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren geht und die Rente nicht zum Leben reicht. 58 Prozent sorgen sich darum, dass die deutsche Kultur und Eigenart verloren geht – zehn Prozent mehr als noch 2017. Auch die Ressentiments gegenüber Ausländern bleiben auf einem hohen Niveau, mehr als die Hälfte der Sachsen gibt an, dass die Bundesrepublik in gefährlichem Maße überfremdet sei. Damit liegt Sachsen weiterhin deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Einen signifikanten Anstieg gab es bei der Ablehnung von Sinti und Roma. „Wenn die Hälfte der Bevölkerung fremden- und muslimfeindliche Einstellungen hat, ist das erschreckend“, sagt Roland Löffler, der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung und Vorsitzender des Sachsen-Monitor-Beirats.

Im aktuellen Sachsen-Monitor wurden erstmals die Gründe für das Ungerechtigkeitsgefühl abgefragt, das 45 Prozent der Sachsen empfinden. 40 Prozent nennen die im Vergleich zu Westdeutschland geringeren Löhne, 27 Prozent die ungleichen Renten. Zwölf Prozent sagen, ihre jahrelange, harte Arbeit werde nicht anerkannt.

Demokratische Werte wie freie Wahlen oder Gerichte, die jeden gleich behandeln, sind fast allen Befragten sehr wichtig. Dennoch verlieren fast alle Institutionen weiter an Vertrauen. Der Landesregierung und dem Landtag vertrauen nur noch etwa 45 Prozent der Sachsen. Die Landräte haben sogar elf Prozentpunkte eingebüßt. Das größte Vertrauen genießen wie in den vergangenen Jahren Parteien, denen die Befragten nahestehen und die Polizei.

Für die Landespolitik zog Staatskanzleichef Oliver Schenk (CDU) vier Schlussfolgerungen: Die Bürger wollen einen Vorsorge- und Fürsorgestaat, erwarten klares staatliches Handeln und wünschen sich Anerkennung und Wertschätzung. „Das ist ein Auftrag an uns, sensibler mit den Anliegen und Geschichten der Menschen umzugehen“, sagte Schenk. Außerdem müsse die Regierung an einem besseren Verhältnis von Bürgern und Staat arbeiten, „ohne den Eindruck zu erwecken, dass der Staat umstandslos zu liefern habe, wenn Bürger einen Anspruch anmelden“. Die Sachsengespräche von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und dem Kabinett seien dafür ein gutes Format.