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Soviel Dreck machen Autofahrer

Durch den Verkehr ist der Treibhausgasausstoß deutlich gestiegen – obwohl im Kreis immer weniger Menschen wohnen.

© dpa/dpaweb

Von Sebastian Kositz

Bautzen. Der ganze Dreck löst sich buchstäblich in Rauch auf. Und auch wenn der augenscheinlich schnell verflogen ist, sind die Mengen enorm: Jeden Tag produzieren Autofahrer im Landkreis Bautzen tonnenweise Abgase. Und die haben gewaltig zugenommen. In einem Vierteljahrhundert stieg der jährliche Ausstoß von Treibhausgasen um 40 Prozent – und das, obwohl im gleichen Zeitraum die Einwohnerzahl um mehr als 20 Prozent gesunken ist. Was im Umkehrschluss heißt: Bautzens Autofahrer verpesten immer mehr die Umwelt.

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Im neuen Energie- und Treibhausgasbericht des Landkreises sind die Zahlen für die vergangenen Jahre nachzulesen. „Die verkehrsbedingten Emissionen haben seit 1990 systematisch zugenommen“, erklärt Professor Jürgen Besold vom Technologie-zentrum in Bautzen. Die Einrichtung hat den Bericht erstellt. Und während die Treibhausgasemissionen bei der Energieerzeugung und in der Industrie im vergangenen Vierteljahrhundert gesunken sind, hat der Verkehrsbereich deutlich zugelegt.

250 000 Fahrzeuge im Landkreis

Bis kurz nach der Jahrtausendwende war die Menge der aus den Auspuffen der Autos dampfenden Abgase massiv in die Höhe geschnellt. In 2000 und 2001 brachten es die Autofahrer in der Region auf über 700 000 Tonnen. Die Belastung war damit beinah genauso hoch, wie aktuell durch die Produktion der im Kreis benötigten Energie. Zwar ist die Gesamtmenge seither wieder leicht zurückgegangen. Wer der Zahlen auf den einzelnen Einwohner umrechnet, stellt aber fest, dass der Ausstoß pro Kopf weiter gestiegen ist: Jeder Einwohner sorgt statistisch betrachtet jedes Jahr für 2,17 Tonnen Kohlenstoffdioxid – 2005 waren es zwei Tonnen, 1990 nur 1,22 Tonnen.

Doch warum machen immer weniger Einwohner mit ihren Autos mehr Dreck? Auch Jürgen Besold und seine Mitarbeiter haben sich genau diese Frage gestellt. Die Antwort ist verblüffend einfach. Denn einerseits fahren die Menschen immer mehr Autos. Die Statistik belegt deutlich: Die Anzahl der im Landkreis Bautzen angemeldeten Fahrzeuge ist seit 1990 kontinuierlich gestiegen (siehe Grafik). Aktuell weisen die Zahlen, die dem Bericht zugrunde liegen, etwa mehr als 200 000 Fahrzeuge aus. Tatsächlich sind es laut Zulassungsstelle des Kreises sogar eine Viertelmillion.

Die Differenz ergibt sich größtenteils aus der Art und Weise der Erfassung. Die Statistik im Bericht erfasst keine Zugmaschinen, Nutzfahrzeuge oder nur zeitweise angemeldete Fahrzeuge. Vor allem hat über die Jahre hinweg die Zahl der Pkw zugenommen. „Viele Familien haben inzwischen zwei oder drei Autos“, sagt Jürgen Besold. Diesen Trend kann auch Karl-Heinz Voigt von der Radeberger Auto AG bestätigen. In dem Autohaus ist er Verkaufsleiter, kennt das Geschäft bereits seit Jahren. „Das ist im ländlichen Raum nicht unüblich. Viele Kinder brauchen irgendwann ein Auto, oft schon wegen der Ausbildung.“

Neuer Trend bei Motorleistung

Doch hinter dem sprunghaften Anstieg gerade bis zur Jahrtausendwende vermuten Experten noch einen zweiten Aspekt. Denn in diesen Jahren leisteten sich viele auch leistungsstärkere Autos mit größeren Motoren, die wiederum mehr Dreck produzierten. Inzwischen geht der Trend aber in eine andere Richtung, wie Karl-Heinz Voigt weiß. „Die Leute kaufen heute eher kleinere Motoren“, sagt der Fachmann. Was wiederum nicht heißt, dass auf Leistung verzichtet wird. „Die kleineren Motoren sind effizienter, haben deshalb mindestens die gleiche Leistung“, erklärt Karl-Heinz Voigt.

Genau das bestätigt auch das Kraftfahrt-Bundesamt. In den vergangenen zehn Jahren hat der durchschnittliche Hubraum in den Pkw um fast acht Prozent abgenommen. Im selben Zeitraum stieg die Leistung aber um mehr als 13 Prozent. Bundesweit bringt es heute ein Auto auf 147 Pferdestärken – 2007 lag dieser Wert noch bei 130 PS.

Angesichts der effizienteren Motoren rechnet auch Jürgen Besold im Landkreis Bautzen mit einem weiteren Rückgang der klimaschädlichen Abgase. Vor allem setzen er und die Verantwortlichen im Landratsamt aber aufs Elektroauto. Deren Anteil ist allerdings auch weiterhin sehr gering. Gerade einmal 67 Autos mit elektrischem Antrieb sind aktuell bei der Zulassungsstelle gemeldet – von wohlgemerkt insgesamt 250 000 Fahrzeugen. Dabei, so erklärt Karl-Heinz Voigt, sind die Kunden in seinem Autohaus, wo unter anderem ein Modell des französischen Herstellers Renault zu haben ist, zwar durchaus interessiert: „Das Problem ist aber das fehlende Ladenetz. Das muss dringend geklärt werden.“ Auch die Kaufprämie von bis zu 4 000 Euro habe deshalb die Nachfrage bei den Kunden noch nicht wirklich ankurbeln können.

Häuslebauer setzen auf Ladestation

Genau das Problem wollen die Verantwortlichen der Kreisverwaltung jetzt angehen. Um die Elektromobilität voranzubringen, sind die Mitarbeiter bereits daran, verschiedene Konzepte und Projekte auf den Weg zu bringen, wie die Beigeordnete Birgit Weber (parteilos) erklärt. Auch das Ladenetz soll ausgebaut werden. „In dem Elektroantrieb stecken große Potenziale“, sagt Birgit Weber, die dabei nicht nur Autofahrer, sondern auch im Kreis neu angesiedelte Unternehmen wie den Batteriehersteller Accumotive meint. Der Landkreis soll künftig bei dem Thema vorweggehen. Viele Privatleute sind da übrigens offenkundig schon weiter, wie der Bautzener Elektromeister Frank Scholze mit dem gleichnamigen Betrieb berichtet: „Es gibt derzeit fast keinen Häuslebauer mehr, welcher nicht zumindest eine Ladestation vorbereitet.“