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So viel Unterrichtsausfall wie nie

In Sachsen werden Stundenpläne gekürzt, weil Lehrer fehlen. Im nächsten Schuljahr könnte allerdings wieder mehr unterrichtet werden.

© Symbolfoto: Peter Endig/dpa

Andrea Schawe

Dresden. Mehr als 20 Prozent Unterrichtsausfall: Im November war das Alltag in zwölf Förder- und Grundschulen sowie einer Oberschule in Sachsen. Besonders die Landkreise Bautzen, Görlitz, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Mittelsachsen sowie der Erzgebirgskreis waren betroffen. An 104 Einrichtungen aller Schularten fielen zwischen zehn und 20 Prozent des Unterrichts aus. Das geht aus einer Antwort des Kultusministeriums auf eine Anfrage der Linken-Ffraktion im Landtag hervor.

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Der Unterrichtsausfall erreichte im ersten Schulhalbjahr 2017/18 einen Höchststand: Insgesamt sind nach der aktuellen Statistik 4,9 Prozent der Schulstunden ausgefallen. Im Vorjahreszeitraum waren es 32 800 Stunden weniger. „Besonders hart trifft es die Grund- und Förderschulen, in den Fächern Kunst, Musik, Sachunterricht und Ethik, aber auch in Hauptfächern“, sagt Bildungspolitikerin Cornelia Falken.

Die meisten Stunden entfallen außerplanmäßig, weil Lehrer krank sind oder sich weiterbilden – von August 2017 bis Februar 2018 waren das ähnlich wie im Vorjahr rund 500 000 Stunden. Es fallen aber immer mehr Stunden wegen Lehrermangels geplant aus. An den Grundschulen waren es im ersten Halbjahr etwa 13 400 Stunden. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten vorherigen Schuljahr. In den Förderschulen ist der Anteil von 1,9 auf drei Prozent gestiegen. An den Oberschulen wurden 11 800 Stunden gestrichen. Nur an den Gymnasien sank der Anteil.

Ein Grund dafür ist, dass die neu eingestellten Seiteneinsteiger zu Schulbeginn ihre dreimonatige Einstiegsqualifikation absolviert haben. Das ist auch derzeit der Fall: Die meisten der im Februar eingestellten Seiteneinsteiger begannen im März mit der Ausbildung. Diese Praxis hat das Kultusministerium geändert – die Seiteneinsteiger, die ab August unterrichten sollen, werden nun schon im Mai eingestellt. Auch das neue Lehrerpaket soll helfen, die Unterrichtsversorgung mittelfristig wieder zu verbessern, sagt Sprecher Dirk Reelfs.

Abhilfe sei nur noch mittel- bis langfristig möglich, sagt Cornelia Falken, durch langfristige Personalplanung und mehr Studienplätze. Gerade bei zweistelligem Unterrichtsausfall müssten die Landesämter schneller und flexibler reagieren, fordert die Grünen-Politikerin Petra Zais. Die AfD-Politikerin Karin Wilke bemängelt, dass gerade Schulen im ländlichen Raum den meisten Ausfall zu beklagen haben. Die Regierungspartei SPD sieht indes noch Handlungsspielraum in den Schulen. Sie könnten die Möglichkeiten des neuen Schulgesetzes mehr nutzen, etwa in dem Haupt- und Realschüler gemeinsam unterrichtet werden, sagt SPD-Bildungspolitikerin Sabine Friedel.