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Viel Geld für den Traumurlaub

Fürs Reisen wird mehr Geld ausgegeben als fürs Essen. Die Tourismus-Branche sieht noch weiteres Potenzial.

© dpa

Von Sandro Rahrisch und Gunnar Klehm

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Pirna/Freital. Kühlungsborn, Kreta, Kapstadt: Die Bewohner des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge reisen gern und lassen sich das ordentlich was kosten. Etwa 633 Millionen Euro geben sie im Jahr für Urlaub aus, hat das Pestel-Institut für Systemforschung im Auftrag der deutschen Tourismuswirtschaft errechnet. Das ergibt im Schnitt 2 600 Euro pro Kopf, vom Urlaub auf dem Lande bis zum All-inclusive-Trip nach Mallorca. In dieser Summe sei alles berücksichtigt – vom Flug zur Ferieninsel bis hin zum Essen am Urlaubsort, sagt Institutsleiter Matthias Günther. Mit etwa 17 Prozent ihres Geldes stillen die Menschen ihre Reiselust. Auf Lebensmittel entfallen dagegen nur zwölf Prozent.

Wohin es geht, kann Günther nicht sagen. Allerdings weiß der Flughafen Dresden, welche Ziele von dort aus besonders beliebt sind. Im Sommerhalbjahr 2017 waren vor allem die Maschinen nach Mallorca gut gefüllt, sagt Petra Siebert vom Klotzscher Airport. Allein von Juni bis August ließen sich rund 41 000 Menschen auf die Insel und wieder zurück fliegen. Antalya und Heraklion landen mit einigem Abstand dahinter. Auf Platz vier, fünf und sechs der meistgebuchten Strecken stehen Hurghada, Kos und Fuerteventura.

Nordische Regionen im Trend

Unangefochtene Nummer eins ist und bleibt aber Deutschland. Laut Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen buchten die Deutschen im vergangenen Jahr ein Drittel ihrer Trips zwischen Küste und Alpen. Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein lagen vorn. Das kann auch Sylvia Riedel bestätigen, die Geschäftsführerin von SZ-Reisen. An erster Stelle bei Busreisen liegen Ost- und Nordsee, gefolgt von Bayern. „Im Trend liegt aber auch Polen mit den Masuren oder Städtereisen nach Breslau oder Krakau“, sagt Sylvia Riedel. Bei längeren Reisen stehen weiterhin Kreuzfahrten hoch im Kurs, sowohl auf den Meeren als auch auf der Donau. „Bei Fernreisen waren es 2017 Kuba und Südafrika“, erklärt Riedel. Für dieses Jahr würden derzeit Griechenland und die nordischen Regionen wie Island und Skandinavien an erster Stelle stehen. „Auch da liegen wir gut im Trend, wie Umfragen von großen Veranstaltern zeigen.“

Gut nachgefragt sind weiterhin auch Fernbusse, vor allem für Städte-Trips wie nach Hamburg, Wien oder Budapest. Allein das Unternehmen Flixbus hat eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr rund 1,4 Millionen Fahrgäste von und nach Dresden befördert. Hauptziel: Berlin. Der typische Fahrgast: Jung, Student, Geringverdiener und wohnt in der Neustadt, wie die kommunale Bürgerumfrage herausgefunden hat.

Kritik an Kostentreibern

Mit dem Geld, das die Menschen hier für Urlaube springen lassen, sticht der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hervor. Deutschlandweit werden pro Kopf 1 800 Euro jährlich für ruhige Tage abseits der Arbeit ausgegeben. In Dresden sind es 2 300 Euro. In Berlin noch 100 Euro mehr. „Die Region hat eine starke Wirtschaft und gar nicht so eine geringe Kaufkraft“, sagt Matthias Günther. Allgemein lasse sich feststellen: Je mehr die Menschen hier verdienen, umso tiefer greifen sie in die Tasche und verreisen.

Nur zum Staunen hat die Tourismuswirtschaft die Datenanalyse nicht in Auftrag gegeben. Deutschland-Urlaubern könnte man mehr fürs Geld bieten, etwa beim Abendessen. „Es ist nicht einzusehen, warum frisch zubereitetes Essen in Restaurants nicht geringer besteuert wird“, sagt Michael Rabe, Generalsekretär des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft. Statt sieben Prozent wie für Produkte aus dem Supermarkt, vom Bäcker oder Fleischer würden 19 Prozent fällig. Weitere Kostentreiber für Reisen seien die Luftverkehrssteuer oder die Luftsicherheitsgebühren. Die Kosten Letzterer wälze der Staat auf Reisende und Unternehmen ab. „Hier geht es um Passagier- und Gepäckkontrollen und bundesweit um fast 700 Millionen Euro im Jahr 2017. Dabei ist Terrorismusbekämpfung und Gefahrenabwehr eine staatliche Aufgabe“, sagt Rabe. Würden staatliche Kostentreiber zurückgedreht, könnte weiteres Potenzial in der Tourismuswirtschaft gehoben werden.