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Hoyerswerda
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So, wie’s in früherer Zeit klang

Die Energiefabrik Knappenrode lässt bald Musik aus Werminghoff aufleben.

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Iuventa musica & Co.: Mandolinisten, Gitarristen und ein Männerchor spielen mit Dirigentin Birgit Pfarr Volkslieder ein.
Iuventa musica & Co.: Mandolinisten, Gitarristen und ein Männerchor spielen mit Dirigentin Birgit Pfarr Volkslieder ein. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Knappenrode. Etwas ungewöhnlich ist es schon, wenn in der Aula des Lessing-Gymnasiums Hoyerswerda das hiesige Gitarrenorchester Iuventa musica, das Bundinstrumentenorchester (B.I.O.) des Eigenbetriebes Heinrich Schütz Konservatorium der Landeshauptstadt Dresden und der Männerchor Lohsa miteinander musizieren.

Doch hier erklingt kein Konzert, sondern es entsteht das Klangobjekt „Musikalisches Werminghoff“ für die Energiefabrik Knappenrode. Dieses wird Teil der neuen Dauerausstellung, die das Museum jetzt für seine Wiedereröffnung im Jahr 2020 erarbeitet, erklärte deren Mitarbeiterin Sophia Müller. Die Idee entstand vor einem Jahr, weil ein Mitglied des Männerchores Lohsa der Energiefabrik ein Liederbuch von 1919 geschenkt hat und ein Zeißiger Bürger Noten und die Mandoline seines Großvaters. Dieser hatte im Mandolinenorchester Werminghoff gespielt, und weil es damals auch einen Männerchor im Ort gegeben hatte, sollte „die Musik der frühen Werminghoff-Zeit wieder zum Leben erwachen“, sagte Sophia Müller. Also suchte sie ein Orchester mit Mandolinen und fand das B.I.O. sowie Iuventa musica. Beide Klangkörper unterstützen den Männerchor Lohsa beim Einsingen von Volksliedern wie „Der Lindenbaum“ oder „Ännchen von Tharau“ für das Klangobjekt. So soll der Ausstellungsbesucher, wenn er an die Mandoline und die Noten herantritt, einige Lieder mit Instrumentalbegleitung hören können, erklärte die Museumsmitarbeiterin.

Mitsamt dem Barbara-Lied

Der Chor nahm unter seiner Leiterin Yvette Michael auch noch solistisch Titel auf wie das „Barbara-Lied“, das gesungen wird zu Ehren der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute.

Die Orchester werden im Mai noch ein gemeinsames Wochenendprobenlager abhalten und rein instrumentale Stücke einspielen, an denen die Menschen damals Freude hatten, sagte Sophia Müller. Diese werden wie die Lieder des Männerchores und die gemeinsam aufgenommenen Stücke auf eine CD gepresst, die ab 2020 im Museumsshop erhältlich ist. Das Vorhaben wird unterstützt vom EU-Förderprogramm Leader, mit dem die Entwicklung des ländlichen Raums im Freistaat Sachsen von 2014-2020 nach der Richtlinie des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft vorangebracht wird.

Für die musikalische Umsetzung des Vorhabens ist das Ehepaar Pfarr aus Dresden unverzichtbar: Birgit Pfarr leitet das B.I.O., in dem Mandolinisten, Mandolaspieler, Gitarristen und ein Kontrabassist musizieren. Ihr Mann bediente die Technik für die Aufnahmen. Die Dirigentin erklärte, dass ihr Orchester meistens konzertante Werke vom Barock bis zu zeitgenössischer Musik spielt. Vor 100 Jahren hatten Mandolinenorchester wie das in Werminghoff vorwiegend Lieder und Melodien mit einfacher Harmonik im Repertoire, weil die wenigsten Spieler ihre Instrumente bei Musiklehrern erlernen konnten. Das Klangobjekt der Energiefabrik ermöglicht nun den Musikern des B.I.O. und von Iuventa musica, traditionelle Stücke zu erarbeiten, die leichter zu verstehen, aber nicht leichter zu spielen sind, sagte Birgit Pfarr. Schließlich sollen gute CD-Aufnahmen entstehen.