Teilen:

So will die Parkeisenbahn Kinder vor Missbrauch schützen

© picture alliance / dpa

Ein neues präventives Kinderschutzkonzept sieht klare Regeln für die Betreuer vor.

Von Andreas Weller

Die Dresdner Parkeisenbahn ringt nach mehreren Missbrauchsfällen um ihren Ruf. 2016 wurde ein wahrer Skandal enthüllt, im vergangenen Jahr gab es erneut einen Versuch der sexuellen Annäherung an eine Minderjährige. Davor wollen die Verantwortlichen die Kinder und Jugendlichen endlich ernsthaft schützen.

Jahrelang hatte ein Mitarbeiter einen Jungen sexuell missbraucht. Erst durch eine Anzeige wurde die Parkeisenbahn, die zu den staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten gehört, darauf aufmerksam. Als der Mitarbeiter suspendiert wurde, nahm er sich das Leben, und weitere Vorfälle wurden bekannt. Die Verantwortlichen versuchen, mit einem Kinderschutzkonzept die rund 230 Kinder und Jugendlichen vor weiteren Übergriffen zu bewahren. Doch im vergangenen Sommer der nächste Vorfall: Ein Mitarbeiter forderte eine jugendliche Eisenbahnerin auf, ihm Nacktfotos von sich zu schicken. Das sei zwar kein sexueller Missbrauch gewesen, aber eine Grenzüberschreitung. Die Parkeisenbahn trennte sich von dem jungen Mann.

Erneut kamen Fragen auf, wie so etwas passieren kann. Seit Januar gibt es eine Steuergruppe für Prävention. Diese organisierte Veranstaltungen für Eltern, um über die Arbeit zu informieren, und berichtet regelmäßig. Dazu sollen die Kinder, Eltern und Mitarbeiter sich einbringen können.

Dafür gibt es ein Beschwerdemanagement. Demnach sind im Vorjahr 19 Beschwerden eingegangen. „Es gab aber keine neuen Fälle sexuellen Missbrauchs“, so Sprecher Uli Kretzschmar. Die Beschwerden betreffen eher einen zuweilen unangemessenen Ton oder nicht funktionierende Technik. Aber auch der Fall mit der Aufforderung, Nacktfotos zu schicken, sei durch das Beschwerdemanagement bekannt geworden. Man werde jeden strafrechtlich relevanten Vorgang zur Anzeige bringen und gegen Grenzverletzungen konsequent vorgehen, betont Kretzschmar. Außerdem wird von jedem Mitarbeiter ein erweitertes Führungszeugnis verlangt.

Der Knackpunkt sei aber laut Kretzschmar der Kooperationsvertrag mit dem Förderverein, in dem die vielen ehrenamtlichen Eisenbahner organisiert sind. Dieses Thema sei sensibel, da zu feste Vorgaben die Arbeit einschränken und dazu führen könnten, dass die Ehrenamtlichen sich eingeengt fühlen. Immerhin wurden aber die Regeln zur Fürsorgepflicht über die anvertrauten Kinder und Jugendlichen angepasst, das Kinderschutzkonzept als gemeinsame Grundlage beschlossen. Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen werden einsehbar aufgelistet und mit ausgebildeten Jugendleitern durchgeführt.

Die Halle an der Ostra-Allee, in der Modellbahnen stehen, dürfe künftig nur noch mit mindestens drei Personen aufgesucht werden. Außerdem gibt es ein Anmeldeportal dafür, damit nachvollziehbar ist, wer wann dort war. In der Halle war es unter anderem zum sexuellen Missbrauch in einigen Fällen gekommen, die 2016 bekanntgeworden sind.

Man sei sich gewiss, dass es noch ein langer Prozess wird, das Vertrauen zurückzugewinnen und einen tatsächlichen Schutz der Kinder und Jugendlichen aufgebaut zu haben. Kretzschmar spricht von einem Prozess der Neuausrichtung. Shukura, die Fachstelle für sexuellen Missbrauch und den Schutz von Kindern und Jugendlichen bei der Arbeiterwohlfahrt, hat künftig eine feste Stelle für die Parkeisenbahn vorgesehen. Die Mitarbeiter und Parkeisenbahn-Assistenten erhalten im Februar und März 2018 gezielt Unterricht zu Themen wie Nähe – Distanz, Vorbildfunktionen.

In der Winterausbildung werden zudem Anfänger und fortgeschrittene Parkeisenbahner zum Thema Kinderschutz informiert. Es geht um Kinderrechte, Fallbeispiele aus dem Alltag der Parkeisenbahn und das Beschwerdeverfahren, also wo sie Hilfe finden.