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So wird das Blaue Wunder saniert

Wäre es nach dem Plan der Stadt gegangen, würden Kraftfahrer ab Mitte April am Blauen Wunder in Dresden im Stau stehen. Doch der Baustart war geplatzt. Jetzt hat das Rathaus einen neuen Plan vorgelegt.

© SZ/Peter Hilbert

Von Peter Hilbert

Wäre es nach dem Plan der Stadt gegangen, würden Kraftfahrer ab Mitte April am Blauen Wunder im Stau stehen. Eigentlich sollte in Kürze der Stahlbau an der 125 Jahre alten Loschwitzer Brücke beginnen. Wegen der dafür nötigen Gerüste wäre eine Spur in Richtung Zentrum weggefallen. Doch dieser Zeitplan war geplatzt. Jetzt hat die Stadt dem Bauausschuss ein neues Konzept vorgelegt, wie und wann das Blaue Wunder saniert werden soll.

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Das Problem: Stahlbaufirmen verlangten den dreifachen Preis

Geplatzt war der Baustart, weil die Rechnung der Stadt nicht aufging. Auf die öffentliche Ausschreibung hatten sich nur zwei Firmen gemeldet. Die Angebote entsprachen aber nicht den Bedingungen, erläuterte das Straßenbauamt. Zudem war der dreifache Preis von dem verlangt worden, was die Stadt kalkuliert hatte. Geplant waren rund 1,2 Millionen Euro. Die Firmen sind derzeit gut ausgelastet, erklärt der Branchenverband Bauforum Stahl. Da solche alten Bauwerke immer Risiken bergen, würden Neubauten vorgezogen.

Der Verkehr: Vor allem morgens großer Stau am Körnerplatz

Nach dem neuen Konzept will die Stadt die jetzt verschobenen Stahlbau- mit den Rostschutzarbeiten kombinieren. Die könnten im Herbst 2019 beginnen. Dann würde eine der beiden Spuren in Richtung Schillerplatz für längere Zeit gesperrt. Wegen der Gerüste fehlt der Fahrstreifen direkt auf der Brücke auf einer Länge von 300 Metern. Das ist ein Problem. Nach wie vor gehört das Blaue Wunder zu den am stärksten befahrenen Elbebrücken. Trotz Eröffnung der Waldschlößchenbrücke rollen an Werktagen mehr als 29  000 Autos darüber. Das verbleibende sieben Meter breite Nadelöhr müssen aber auch Radfahrer nutzen. Denn der Fußweg ist für sie gesperrt.

Bei Untersuchungen wurde analysiert, wann es die größten Probleme gibt. Danach staut sich der Verkehr am Körnerplatz stadtwärts vor allem zwischen 7.20 und 7.50 Uhr. Etwa 400 Autos müssten in der Zeit umgelenkt werden, damit es mit nur einer Spur morgens nicht zum Megastau kommt. In dem Konzept werden unter anderem eine andere Wegweisung ab der Bautzner Landstraße, die Anpassung der Ampeln, der Umstieg aufs Rad oder Ausweichrouten als Alternativen angeführt.

Der 1. Schritt: Der zweite Fußweg wird früher saniert als einst geplant

Der alte Plan wurde geändert. Zuerst wird ab Frühjahr 2019 der zweite Fußweg saniert. Das elbaufwärts liegende Pendant ist bis Dezember vergangenen Jahres erneuert worden. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Fußwegbauer erst 2021 anrücken. Am zweiten Fußweg muss die Stahlplatte saniert werden. Außerdem ist geplant, die Oberfläche zu asphaltieren und die Geländer wie bereits auf der anderen Brückenseite zu ersetzen. Die Arbeiten dauern etwa ein halbes Jahr. Dabei wird dieser Gehweg gesperrt. Fußgänger müssen den Weg auf der anderen Brückenseite nutzen.

Der 2. Schritt: 2021 soll die Brücke frisch gestrichen sein

Durch den vorgezogenen Fußwegbau bekommen die Planer die Chance, die nächste Großaktion mit den kombinierten Stahlbau- und Rostschutzarbeiten sehr gut vorzubereiten. Sie sollen im Herbst 2019 beginnen und etwa zwei Jahre dauern. Die Arbeiten sind dringend nötig. An vielen Ecken der 3 800 Tonnen schweren Konstruktion aus Siemens-Martin-Stahl bestimmt Rost das Bild. Ihren letzten Anstrich hatte die Brücke zwischen 1988 und 1993 erhalten. An etlichen Stellen überzieht bereits grünes Moos den blauen Stahl.

Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz hatte der SZ bereits nach dem geplatzten Baustart erklärt, warum eine gute Vorbereitung so dringend nötig ist. Bei einem ersten Planungsentwurf hätte es die Gerüstkonstruktion nicht zugelassen, dass während des Baus Autos übers Blaue Wunder rollen. Also hätte die Straße voll gesperrt werden müssen. Da dies nicht möglich ist, wird eine andere Lösung geprüft. Bei der fahren Autos durch zwei überdachte Röhren. Die zweite Spur in Richtung Blasewitz soll während der zweijährigen Bauzeit gesperrt bleiben. Laut dem Konzept wird während dieser Zeit untersucht, wie sich der Stau und der Verkehr entwickeln. Erst auf der Basis will die Stadt entscheiden, ob die Spur wegfällt.

Bei den Stahlbauarbeiten ersetzen Stahlbauer verbogene Teile oder richten sie und erneuern die inneren Geländer. Geplant ist, anschließend die Farbe abzustrahlen und den Rost zu entfernen. Aufgetragen werden soll eine Schicht Rostschutz und zwei weitere Farbschichten nach dem Vorbild des ursprünglichen Anstrichs.

In einem ersten Abschnitt soll ein Jahr lang die Blasewitzer Brückenhälfte saniert werden, im folgenden Jahr die Seite mit dem Loschwitzer Pylon. Für die Stahlbau- und Rostschutzarbeiten werden neun bis zehn Millionen Euro veranschlagt.

Die folgenden Arbeiten: Bis 2030 werden Lager, Risse und Straße saniert

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Doch es geschieht nichts. Die Stadt findet keine Stahlbaufirma, die die Brücke instand setzt.

Nach dieser Großaktion sind noch viele weitere Arbeiten nötig, so an den Ankerkammern, den Pfeilern sowie Lagern und an der Straße. Bis 2030 will die Stadt rund 45 Millionen Euro fürs Blaue Wunder investieren. Experten gehen davon aus, dass das Dresdner Wahrzeichen dann noch bis zu 30 Jahre halten könnte.