merken

Bauen und Wohnen

So wird ihr Zuhause zum Smart Home

Was vor zwei Jahrzehnten noch absolute Zukunftsmusik war, wird immer mehr zum Standard.

© ©goodluz

Jalousien schließen und öffnen sich von selbst je nach Uhrzeit, die Heizung wird von unterwegs gesteuert, das Lieblingslied wird nicht mehr mit der Fernbedienung ausgewählt, sondern durch eine kurze mündliche Ansage zum Erklingen gebracht. Aus vielen Häusern sind oder werden sogenannte Smart Homes (intelligente Häuser). Was sie beachten müssen, wenn sie als Technik-Laie ihr Zuhause „smart“ machen wollen, zeigen wir ihnen in diesem Artikel.

Trend zum Smart Home ungebrochen

Der Trend zum Smart Home, das nicht nur den Wohnkomfort erhöht, sondern darüber hinaus auch noch Energie und damit bares Geld spart, ist ungebrochen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen geht von einem durchschnittlichen Energiesparpotential von acht Prozent im Bereich der Heizung aus. Neubauten werden, nicht nur deshalb, schon nahezu gar nicht mehr ohne „smarte Elemente“ geplant. Aber auch immer mehr Altbauten und Mietwohnungen werden umgerüstet.

Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Aber was ist überhaupt alles möglich und wie viel müssen Hausbesitzer dafür ausgeben? Einsteiger-Sets gibt es bereits ab wenigen hundert Euro, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Im Wesentlichen eignen sich fünf große Teilbereiche im Haus für eine „smarte“ Lösung. 

Fünf smarte „Kernkomponenten“

Die beliebtesten Geräte im Bereich Smart Home sind Licht- und Heizungssteuerung, Beschattung, Unterhaltung sowie Sicherheit. Ebenfalls angeboten werden Systeme für den Garten, die beispielsweise die Bewässerung automatisch übernehmen. Ob Hausbesitzer alle fünf oben genannten Komponenten miteinander vernetzen wollen oder ob sie sich auf einen oder mehrere Teilbereiche beschränken, auch davon hängen natürlich die Kosten ab. Daneben stellt sich Smart-Home Neulingen noch die Frage nach der bevorzugten Steuerung und dem Systemaufbau. 

Steuerungsmöglichkeiten

Gesteuert werden Smart Home Systeme über Apps auf dem Handy oder Tablet, immer mehr im Kommen ist eine zusätzliche Steuermöglichkeit über Sprachassistenten. Andere Anbieter setzen dagegen auf an der Wand installierte Bedienfelder. Diese können aber oft nur einen Teilbereich (beispielsweise die Lichtsteuerung) übernehmen.

Bei einer Steuerung über Apps besteht noch eine weitere Möglichkeit: Die Meta-App. Sie verknüpft über IFTTT Funktionen mehrerer Einzel-Apps in „Wenn-Dann-Funktionen“. Zwei klassische Beispiele hierfür: Wenn die Standorterkennung des Smartphones bemerkt, dass der Bewohner das Haus verlassen hat, wird der Staubsauger-Roboter gestartet. Bemerkt eine Überwachungs-Kamera eine Bewegung während niemand zu Hause ist, werden im Haus Leuchten eingeschaltet.

© ©New Africa

Offene Systeme bieten mehr Möglichkeiten

Will man mehr als beispielsweise nur das Licht „smart“ bedienen, sollte man sich für ein offenes System entscheiden. Diese bieten einen von mehreren Herstellern unterstützten Standard. So können Produkte verschiedener Firmen miteinander kombiniert werden. Allerdings sind derzeit noch viele unterschiedliche Standards wie Bluetooth LE, EnOcean, Z-Wave, ZigBee oder KNX auf dem Markt. Geschlossene Systeme sind hingegen nicht kompatibel mit Lösungen anderer Anbieter. Dafür haben sie den Vorteil, dass sie zumeist reibungsloser laufen.

Bis auf KNX sind alle oben genannten Systeme Funksysteme. Diese sind einfacher zu installieren, dafür aber störanfälliger. Kabelgebundene Systeme sind teurer und benötigen einen aufwendigen Einbau. Sie bieten sich daher eher bei Neubauten oder Komplettrenovierungen an. In bestehende Gebäude lassen sich funkbetriebene Systeme deutlich einfacher integrieren. Unbedingt beachten sollten Neulinge im Bereich Smart Home auch, dass ihre vorhandene Elektro-Installation den neuesten Standards und gesetzlichen Vorgaben entspricht, da es sonst zu Problemen kommen kann.

Eine Gemeinsamkeit aller Systeme ist, dass sie eine Steuerungseinheit, ein sogenanntes Gateway benötigen. Manche Hersteller haben dafür extra Geräte entwickelt, bei anderen (funkbasierten Systemen) kann die in vielen Haushalten vorhandene Fritz Box der Telefonanlage dafür verwendet werden.

Smart Metering erleichtert Stromablesen

Unter Smart Metering versteht man das computergesteuerte Messen, Ermitteln und Steuern von Energieverbrauch. Mit ihnen kann der Benutzer erkennen, wann und an welchem Punkt er welche Mengen von Energie verbraucht. Zudem können mit Smart Metering Systeme Daten direkt online an Energieversorger übermittelt werden. Strom- und Wasserablesen durch Mitarbeiter des Unternehmens beim Hausbesitzer kann dadurch entfallen.

Das sogenannte Smart Meter Rollout regelt die gesetzlich vorgeschriebene verpflichtende Einführung von Smart Metern in den kommenden Jahren in Deutschland. Die Umstellung hat mittlerweile begonnen. Smart Meter sind seit 2017 für Verbraucher von mehr als 10.000 Kilowattstunden sowie für Betreiber von Photovoltaik- oder Blockheizkraftwerken mit mehr als sieben Kilowattstunden elektrischer Anschlussleistung sogar zur Pflicht geworden. Ab dem kommenden Jahr müssen Haushalte und Unternehmen mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden einen Smart Meter installieren.

Entscheiden sich Kunden für einen Smart Meter, der ihnen die Daten digital aufbereitet und zur Verfügung stellt, lässt sich damit Strom sparen. Da dadurch einzelne „Energiefresser“ identifiziert werden können. Zudem lassen sich die Stromkosten besser kontrollieren. Manche Systeme können auch Warnmeldungen verschicken, wenn ungewöhnlich viel Strom verbraucht wird. 

Auch Sicherheit ist wichtig

Bei der Auswahl eines Smart Home Systems sollten sie auch auf Sicherheit achten, gerade bei funkbasierten und vernetzten Systemen. Gesetzliche vorgeschriebene Sicherheitsstandards gibt es noch nicht. Der Verband für Elektrotechnik (VDE) hat mehrere Systeme geprüft und vergibt an sichere Systeme das Gütesiegel „VDE Informationssicherheit geprüft“. Zudem sollte im Vorfeld geklärt werden, welche Daten an den Hersteller gesendet werden – und was dieser damit macht. Sichere Passwörter zu wählen ist auch im Smart Home Bereich unerlässlich.

Von einigen „smarten“ Lösungen sollte auch komplett abgesehen werden. So rät die Verbraucherzentrale NRW beispielsweise von einer Haustürsteuerung per Handy aufgrund erheblicher Sicherheitsrisiken Abstand zu nehmen.

Einen Fachmann kontaktieren

Wird ein Neubau errichtet oder ein Altbau komplett umgebaut sollte bezüglich des Einbaus von Smart Home Komponenten mit dem Architekten gesprochen werden. Er kann wertvolle Tipps geben. Bei einer Komplettausstattung mit mehreren Komponenten sollte ebenfalls ein Fachmann zu Rate gezogen werden – im besten Fall einer, der auch die Erstprogrammierung übernimmt. Experten können mit Rat und Tat zur Seite stehen, vor allem wenn die Entscheidung für ein offenes oder teiloffenes System fällt. Sie wissen, welche Standards kompatibel sind und helfen so unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Denn nichts ist ärgerlicher als wenn schon gekaufte Komponenten nicht miteinander vernetzt werden können. 

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur K. Merbitz.