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„Sogar die große FAZ hat uns einen positiven Beitrag gewidmet“

Stadt-Marketingchef Kai Grebasch sagt, dass Zittau in deutschen und internationalen Medien gerade einen Lauf hat – was nicht nur Zufall ist.

© Matthias Weber

Von Thomas Mielke

Der Oberbürgermeister hat neulich gesagt, dass Zittau in diesem Jahr öffentlich „richtig Wellen geschlagen“ hat. Der Direktor der Städtischen Museen erklärte kürzlich den Stadträten voll Stolz, dass sogar die renommierte Frankfurter Allgemeinde Zeitung über die Zittauer Reformationsschau berichtet hat. In den sozialen Netzwerken ist in den letzten Monaten ein positiver Artikel nach dem anderen aus verschiedenen deutschen Publikationen geteilt worden. Die SZ hat Kai Grebasch, Verantwortlicher für das Stadtmarketing, gefragt, was da los ist:

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Herr Grebasch, täuscht der Eindruck oder ist Zittau in den letzten Monaten tatsächlich sehr häufig und sehr positiv in den Medien präsent?

Nein, der Eindruck täuscht nicht und das ist auch kein Zufall.

Wo überall ist Zittau aufgetaucht?

Es ist uns in diesem Jahr gelungen, über verschienene Medien eine recht große Reichweite zu erzeugen. So hatten wir zum Beispiel im Mai einen Journalisten vom Themendienst „Reise“ der Deutschen Presseagentur da, dessen Artikel im Nachgang in über 60 Zeitungen oder Online-Plattformen erschienen ist.

In welchen zum Beispiel?

Im Kölner Stadtanzeiger, in der Magdeburger Volksstimme und sogar in einem spanischen Wochenmagazin.

Warum war das kein Zufall?

Den Journalisten habe ich vor drei Jahren auf der Internationale Tourismus-Börse in Berlin, auf der wir regelmäßig werben, getroffen. Wir haben verabredet, dass er seiner Redaktion mal eine Geschichte über Zittau und das Zittauer Gebirge anbietet. In diesem Jahr hat das endlich geklappt. Der Journalist war eine Woche hier und hat ein volles Programm geboten bekommen.

Von wem?

Das Programm habe ich gemeinsam mit den Kolleginnen der Tourismuszentrale zusammengestellt und vorgeschlagen. Dabei haben uns verschiedene Partner unterstützt. So hat zum Beispiel der Schmalspurbahnbetreiber Soeg eine Fahrt nach Oybin gesponsert und einen kompetenten Ansprechpartner mitgeschickt.

Sie sind doch aber für das Marketing der Stadt Zittau zuständig. Warum dann eine Fahrt nach Oybin?

Die Stadt Zittau ist Teil der sie umschließenden Region. Wenn wir Gäste einladen, dann auch immer ins Zittauer Gebirge und in die tschechischen und polnischen Nachbargemeinden.

Basieren andere Veröffentlichungen wie die im Mai in Spiegel-Online auch auf Ihren Kontakten?

Der Spiegel ist von sich aus auf uns zugekommen. Die Journalisten haben eine Reise entlang der Oder-Neiße-Grenze gemacht und in Zittau damit begonnen. Der Beitrag war sehr gut für uns, denn aus solchen Veröffentlichungen entstehen oft weitere journalistische Kontakte. So hat zum Beispiel Deutschlandfunk Kultur kurz danach Zittau in seiner Reihe „Hidden Champions“ – zu deutsch „Versteckte Champions“– vorgestellt. Die SuperIllu war im Juni auf unsere Einladung da und hat zur Eröffnung einer Serie auf sechs Seiten über Zittau und das Zittauer Gebirge berichtet. Darüber hinaus ist es uns gelungen, mit der großen Epitaphien-Ausstellung in überregionale Medien aber auch große Kundenmagazine wie zum Beispiel das der Enso und der Länderbahn zu kommen. Sogar die große FAZ hat uns in diesem Zusammenhang einen sehr, sehr positiven Beitrag gewidmet. Schon allein dieser Artikel hat uns eine Reichweite beschert, die Städte unserer Größenordnung ganz selten bekommen.

Was bringen diese ganzen Artikel? Geht die Zahl der Buchungen in Hotels und Pensionen nach oben?

Wie viele Urlaubsbuchungen durch Medien-Artikel entstehen, ist schwer zu beantworten. Das kann niemand messen. Aber wir erreichen damit und unseren weiteren Marketingaktivitäten wie Plakaten, kurzen Videos im Internet oder durch die gezielte Ansprache in sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook, dass wir in das Blickfeld der Menschen rücken, ihnen im Gedächtnis bleiben und bei der Entscheidung, wohin der nächste Ausflug gehen soll, auf ihrem Auswahlzettel stehen.

Wenn das stimmt, müsste doch nach der Flut an Veröffentlichungen die Zahl der Buchungen - auch wenn das nicht genau bezifferbar ist - spürbar nach oben gegangen sein ...

Die Buchungen nicht unbedingt, aber die Anfragen sind nach dem dpa-Artikel deutlich gestiegen. Marketing zielt nicht auf kurzfristige Erfolge ab, sondern ist langfristig angelegt. Wenn wir dranbleiben und immer wieder über uns berichtet wird, bleibt der Erfolg nicht aus. Und das werden wir dann an den Buchungszahlen merken.

Wie bleiben Sie dran?

Wir werden den begonnenen Weg trotz des weiterhin schmalen Budgets konsequent fortsetzen und alle Vermarktungswege, Kooperationen und Netzwerke nutzen, die uns zur Verfügung stehen, um Reichweite zu erzielen.

Dazu gehören doch sicher auch die klassischen Instrumente ...

Ja, natürlich. Zum Beispiel machen wir Image-Werbung. So hängt zum Beispiel im Oktober in einigen beleuchteten City-Säulen in Dresden Werbung für unsere Epitaphien-Ausstellung und auch die Infobox im Dresdner Flughafen wirbt weiter für uns. Noch stärker wollen wir in den Bereich der Reiseblogger und -Instagramer vordringen und hoffen, die gute Zusammenarbeit mit dem Freistaat bei der Imagekampagne „So geht sächsisch“ fortsetzen zu können. Auch, um schon jetzt Zielgruppen zu erreichen, die vielleicht erst in ein paar Jahren zu uns kommen. Gerade im Bereich Tourismus laufen viele Aktivitäten. So arbeiten wir mit der Gemeinde Pencin aus dem Kreis Jablonec in dem von der EU geförderten Projekt „Slow Tourismus“ – zu deutsch „langsamer Tourismus“ – zusammen. Dabei entsteht zum Beispiel ein Film, in dem es um Ruhe und Gelassenheit beim Reisen geht. Vor diesem Hintergrund sind Pencin und Zittau das Paradies für gestresste Großstädter. Zudem erstellen wir natürlich Broschüren. So erscheint erstmals ein gemeinsamer Urlaubskatalog von Zittau und den Mitgliedern der Touristischen Gebietsgemeinschaft „Naturpark Zittauer Gebirge“. Auf Landesebene bringen wir uns unter anderem in die AG „Stadtschönheiten“ und bei der Marketinggesellschaft Oberlausitz in den Tourismusbeirat und die AG „Sechs-Städte-Bund“ ein. Daraus ist zuletzt der sehr erfolgreiche Film „Entdeckerstädte der Oberlausitz“ entstanden. Den haben inzwischen rund 160 000 Menschen gesehen.

Zu den Broschüren gehört die umstrittene und inzwischen eingemottete „Zittau - Weltstadt der Oberlausitz“. Ist der Nachfolger auch so vergriffen?

Nein, noch nicht. Unter anderem auch, weil wir gar nicht so viele gedruckt haben. Wir wollten erst einmal gucken: Wie kommt die Broschüre bei den Leuten an und wie viele nutzen die digitale Variante? Von der Weltstadt-Broschüre haben sich außerdem auch ganz viele Zittauer Exemplare geholt, obwohl sie ja nicht in erster Linie für die Einwohner gedacht war. Zukünftig, so glaube ich, werden wir uns von solchen Formen mehr und mehr verabschieden. Vielleicht machen wir mal eine Broschüre, in der wir nur die stärksten Fotos zeigen, die wir bekommen können, und schreiben nur Bildunterschriften in verschiedenen Sprachen dazu.

Wie viele der neuen Zittau-Broschüren sind bereits verteilt?

Bisher rund 500 Stück.

www.pencin-zittau.eu

http://www.sz-link.de/Entdeckerfilm