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Sollstärke erreicht

Die Feuerwehren in Rabenau haben zuletzt 22 Mitglieder gewonnen. Das Rezept: Mit den Nachbarn Klartext reden.

© Hauke Heuer

Von Hauke Heuer

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Rabenau. Gemeindewehrleiter Armin Groß hat in diesen Tagen allen Grund zur guten Laune. Vor wenigen Wochen wurde er für die kommenden fünf Jahre zum dritten Mal im Amt bestätigt, die Wache in Karsdorf hat ein neues Fahrzeug erhalten und die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde konnte zuletzt 22 Neumitglieder gewinnen. Das alles scheint fast schon unwirklich. Sind doch die Freiwilligen Feuerwehren fast schon traditionell von chronischen Geldsorgen und Mitgliederschwund betroffen. „Die Zahl der Eintritte übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem. Unser Konzept ist aufgegangen“, sagt Groß zufrieden.

Ende vergangenen Jahres hatten er und seine Kameraden Löscheimer in den Rabenauer Haushalten verteilt – verbunden mit dem nicht ernst gemeinten Hinweis, im Brandfall Eimerketten zu bilden. Flankiert wurde die Aktion mit Vorträgen in den Feuerwachen der sechs Rabenauer Ortsteile. Der Zahlenmensch Groß, im Hauptberuf Sachgebietsleiter im Dresdner Finanzamt, konfrontierte die Rabenauer mit der schmerzhaften Realität. „Aufgrund des demografischen Wandels ist unsere Einsatzfähigkeit in Gefahr. Wir brauchen kontinuierlich zusätzliche Eintritte. Deshalb haben wir mit der Löscheimeraktion die Leute wachgerüttelt“, sagt Groß.

Doch der Hilfeschrei alleine reichte nicht, um die Neumitglieder anzuwerben. „Als erste Kommune im Landkreis bieten wir nun die Grundausbildung innerhalb von zwei Wochen an. Was vielen erst die Teilnahme ermöglicht hat“, erklärt der Wehrleiter. Bisher wurde der 80 Stunden umfassende Lehrgang, der die Grundlagen der Feuerwehrarbeit vermittelt, auf mehrere Wochen verteilt und fand unter der Woche am Abend und am Wochenende statt. Das hätten insbesondere diejenigen, die im Schichtbetrieb arbeiten, nicht mit ihrem Job in Einklang bringen können.

Nun könnten die Arbeitgeber ihre Angestellten für zwei Wochen freistellen. Die Lohnfortzahlung übernimmt die Kommune. „Klar kostet das Rabenau bares Geld. Hinzu kommt die persönliche Ausrüstung eines jeden neuen Kameraden, die mit rund 1 000 Euro zu Buche schlägt. Aber wir denken, dass das eine gute Investition ist“, stellt Groß klar.

Dem Gemeindewehrleiter ist es auch wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Probleme durch die aktuellen Erfolge nicht abschließend gelöst sind. Zwar könne mit der derzeitigen Mannstärke von 123 die Einsatzfähigkeit der Wachen gesichert werden. Da allerdings immer wieder ältere Kameraden aus dem Dienst ausscheiden, herrsche ein kontinuierlicher Bedarf an neuem Personal.

Dass es in näherer Zukunft wieder eine Löscheimeraktion oder Ähnliches geben wird, um die Rabenauer wachzurütteln hält er für wahrscheinlich. „Klar ist auch, dass wir unseren Nachwuchs weiterhin aus der Jugendfeuerwehr rekrutieren. Hier haben wir derzeit rund 50 Mitglieder. Wir werden versuchen, diese Zahl beispielsweise durch die Zusammenarbeit mit Schulen zu vergrößern“, kündigt Groß an.

Die anderen Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis gucken derweil neidisch auf die Rabenauer Erfolge. Insbesondere die zweiwöchige Grundausbildung sei ein Modell, das man auch anderorts kopieren und damit Erfolge feiern könne, so der Gemeindewehrleiter. Aber auch die Löscheimeraktion stoße auf großes Interesse. Erste Gespräche und Nachfragen von befreundeten Feuerwehren aus der Umgebung habe es bereits gegeben.

Dass die Wache in Karsdorf jüngst ein neues Einsatzfahrzeug erhalten hat, geht bei den ganzen guten Nachrichten fast unter. „Die Kameraden in Karsdorf sind aufgrund der geografischen Lage ein wenig vom Rest der Kommune abgeschnitten, aber durch die Nähe zu Bundesstraße besonders gefordert. Deshalb wollten wir diese Wache mit der besten Technik ausstatten“, erklärt Groß. Das neue Multifunktionsfahrzeug kann technische Hilfe leisten. Zur Bekämpfung von Bränden fasst es 1 000 Liter Wasser. Das über sieben Tonne schwere Gefährt wird von einem 180 PS starken Motor angetrieben.

Das seit 2 000 in Karsdorf eingesetzte Feuerwehrauto muss nun weichen und wird künftig in Obernaundorf eingesetzt.